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Kindesentzug: Wie schütze ich mein Kind?

Kindesentzug: Wie schütze ich mein Kind?
Kind vor Kindesentzug durch ein Elternteil schützen

Kinder sind immer häufiger Opfer einer Entführung

Rund 500 Kinder verschwinden jedes Jahr. Entführt von der eigenen Mutter oder dem Vater, verschleppt in ein fremdes Land. Kindesentzug nennen es die Ämter, Kindesentführung trifft es wohl eher. Für Rosina P. ist es ein Albtraum. Der Vater ihrer Tochter Senah nahm die Kleine nach der Scheidung mit in den Libanon, und kehrte nie mehr zurück. Was ihr bleibt, sind gelegentliche Telefonate. Niemand weiß, ob die Achtjährige jemals zurückkehrt.

Von Camilla Koziol

Im Sommer 2010 bricht Rosina zusammen, den Telefonhörer in der Hand. Am anderen Ende der Leitung ist ihr Ex-Mann: "Er sagte, er werde im Libanon bleiben und Senah bei sich behalten. Wenn ich zur Polizei ginge, würde ich sie nie wiedersehen", erinnert sich Rosina P. im Gespräch mit ‚Spiegel TV’. Als die Lippstädterin zu sich kommt, hat sie nur einen Gedanken im Kopf: Wie bekomme ich meine Tochter zurück? Behörden können Rosina nicht helfen - weder die Polizei noch das Jugendamt.

Kaum Gesetze zum Schutz der Kinder

Eigentlich kaum zu glauben, denn Kindesentzug ist eine Sorgerechtsverletzung. Er liegt vor, wenn ein Elternteil, das nicht das alleinige Sorgerecht hat, das Kind gegen den Willen des Partners ins Ausland bringt. Kommt das Kind von einem Besuch bei den Großeltern nicht zurück, liegt sogar eine Entführung vor.

Eigentlich hat Deutschland ein Abkommen unterzeichnet, das regelt, wann entführte Kinder in die Heimat zurückgebracht werden können. Problem: Wird ein Kind in ein Land verschleppt, das dieses Abkommen nicht unterzeichnet hat, ist dessen Rückholung nahezu unmöglich. Wie im Fall von Rosina P.: Der Libanon muss sich nicht an diese Regeln halten - niemand kann ihren Ex-Mann zwingen, Senah zurückzubringen.

Kann man Kindesentführung vorbeugen?

Wie beuge ich einem Kindesentzug vor?
Kindesentzug vorbeugen

Wer kämpfen will, kann auf nur Unterstützung von Initiativen hoffen. Zum Beispiel vom „Verband binationaler Familien und Partnerschaften“ oder der „Initiative Vermisste Kinder“. Letztere steht Rosina P zur Seite. Die Experten raten dennoch dazu, sich zunächst an die Polizei zu wenden und Anzeige zu erstatten – auch wenn die Behörden nahezu machtlos sind.

Rosina P.s Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Senah schwindet jedoch von Tag zu Tag. Denn obwohl Rosina bereits in den Libanon reiste: Ihr Ex-Mann gibt Senah nicht her. Die wenigen Stunden, in denen sie ihre Tochter sehen durfte, nähren die Mutter dennoch mit der Hoffnung, dass sie ihr Kind eines Tages vielleicht doch wieder in die Arme schließen kann.

Diese Geschichte ist kein Einzelfall. Niemand kann vorhersehen, was in den Köpfen geschiedener Partner vor sich geht. Sollten Sie jedoch vermuten, dass Ihr Partner Ihnen das gemeinsame Kind entziehen oder entführen will, könnten Sie mit diesen Tipps möglicherweise gezielt vorbeugen. Denn solange Sie beide gemeinsames Sorgerecht haben, können Sie Ihrem Ex-Partner den Umgang mit dem Nachwuchs nicht verbieten:

So beugen Sie einer Kindesentführung vor

Pässe und Geburtsurkunden der Kinder an einem sicheren Ort aufbewahren

Einer Eintragung in den Pass des verdächtigen Elternteils widersprechen

Darauf achten, ob das Kind plötzlich ungewöhnliche Impfungen erhält oder erhalten soll

Beantragung des Sorgerechts, zumindest des Aufenthaltsbestimmungsrecht beim zuständigen Familiengericht

Registrierung der Kinder bei den Grenzbehörden beantragen, um die Ausreise zu verhindern

Kindergarten und Schulen über die Situation informieren und um erhöhte Aufmerksamkeit bitten

Darauf hinweisen, dass das Kind nur von Ihnen persönlich oder durch Bevollmächtigte abgeholt werden darf

Die Botschaft des Heimatlandes des drohenden Elternteils informieren, mit der Bitte, den Kindern keine Pässe auszustellen

Da immer wieder Kindesentführungen während eines Besuchs passieren, kann beim zuständigen Familiengericht ein “eingeschränktes“ oder begleitetes Besuchsrecht beantragt werden.

Wenn eine binationale Ehe in die Brüche geht, darf man natürlich nicht automatisch davon ausgehen, dass das gemeinsame Kind verschleppt werden könnte. Hören Sie einfach auf Ihren Bauch. Seien Sie vorsichtig, wenn Ihnen plötzliche Veränderungen auffallen. Und reden Sie darüber mit Ihrem Kind.

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