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Kinderwunsch - Trennung, wenn er keine Kinder will?

Frau guckt nachdenklich
Baby oder Partner? Wenn der Kinderwunsch einseitig ist, stehen Frauen oft zwischen zwei Stühlen © iStockphoto

Trennung bei einseitigem Kinderwunsch

Kann ein Kinderwunsch so stark sein, dass man den geliebten Partner verlässt? Eine Britin hat sich ganz klar entschieden: Sie hat ihren Verlobten verlassen, um allein erziehende Mutter von Zwillingen zu werden. War das richtig?

Von Jutta Rogge-Strang

Die Britin Claire McGlynn hat für sich eine Lebensentscheidung getroffen: Nachdem sie zwölf Jahre lang versucht hatte, mit ihrem geliebten Partner Sam ein Kind zu bekommen, mussten sich beide eingestehen: Sam war unfruchtbar, produzierte keine Spermien. Eine künstliche Befruchtung lehnte er ab, Adoption kam für beide nicht in Frage.

Das Paar versuchte Jahre lang, durch Tests und Fruchtbarkeitsbehandlungen doch noch ein gemeinsames Kind zu bekommen. Immer wieder gab es Hoffnung, immer wieder wurde sie zerstört: „Ich wachte nachts auf und dachte darüber nach, dass mir die Zeit davonläuft. Aber ich war so verliebt in Sam, und hätte in einer Million Jahren nicht gedacht, dass wir uns trennen würden. Aber ich wünschte mir so verzweifelt, Mutter zu werden.“

Schließlich kam es immer öfter zu Streitereien, das Paar begann, sich auseinanderzuleben. Bei einem erneuten Test stellte sich heraus, dass Claire mit 36 Jahren vorzeitig in die Wechseljahre gekommen war. „Ich war richtig wütend: Vorher hätte ich die Chance gehabt, eigene Kinder zu bekommen.“ Im Dezember 2014 ließ sich Claire dann zwei Embryonen einpflanzen, Eizellen und Samen waren gespendet. Und heute ist sie stolze Mama von Zwillingen: „Ich bereue nicht, dass ich meinen Verlobten verlassen habe. Wenn ich bei ihm geblieben wäre, hätte ich meine beiden süßen Mädchen nicht – sie bedeuten mir alles.“

Wenig Alternativen

Es gibt nicht viele Möglichkeiten, wenn ein Partner keine Kinder bekommen kann oder will, und sich der andere verzweifelt Kinder wünscht: Das Paar kann kinderlos glücklich sein, ein Kind adoptieren oder eine Samen- oder Eizellenspende annehmen. Oder sich eben trennen. Viele Frauen leiden sehr darunter, wenn sie keine eigenen Kinder bekommen können. In ihre Verbitterung schleicht sich der Gedanke, ob der geliebte Mann es wirklich wert ist, ihm die eigene Fruchtbarkeit zu opfern.

Offenbar sind eigene Kinder eine Grenze, an die die Liebe stoßen kann. Will man den eigenen Lebensplan seiner Liebe opfern? Und je mehr Zeit ins Land geht und die biologische Uhr immer lauter tickt, umso stärker wird der Druck und vergiftet möglicherweise die Partnerschaft. Was ist also gewonnen, wenn beide Partner auf Dauer unglücklich sind? Und wird das Leben automatisch glücklich, wenn Kinder da sind? Ist Liebe wirklich nur romantisch wie im Märchen, oder bedeutet sie, dass man gemeinsam durch Gut und Böse geht?

Letztlich kann jedes Problem in der Partnerschaft, das nicht gelöst werden kann, zu einer Trennung führen. Einen Traum aufzugeben und in die Realität zurückzufinden, ist oft ein sehr schmerzhafter Prozess, der seine Zeit braucht. Ein Prozess, der auch bedeutet, mit dem Partner im Gespräch zu bleiben. Aber letztlich muss jeder die Entscheidung über sein Leben ganz allein treffen. Und eine Garantie für Glück gibt es nicht – ob mit oder ohne Kinder.

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