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Kindersitze im Test: Vorsicht bei Modellen unter 70 Euro

Günstige Kindersitze getestet von Stiftung Warentest und ADAC
Beim Kauf von Kindersitzen sollten die Eltern nicht sparen. Gerade die günstigen Modelle weisen Sicherheitslücken auf. © dpa, C3472 Frank May

Nur eine Babyschale hat im Test mit 'gut' abgeschnitten

Kindersitze sollen bei einem Autounfall das Leben der Kleinen retten und sie vor schweren Verletzungen schützen. Deswegen ist beim Kauf von Babyschalen und Kindersitzen ganz besondere Vorsicht geboten. Stiftung Warentest und ADAC haben zehn Kindersitze unter 70 Euro getestet, mit einem erschreckenden Ergebnis: Mehr als die Hälfte der geprüften Modelle haben das ADAC-Urteil 'mangelhaft' erhalten. Gerissene Rückenlehnen beim Crashtest, aus der Haltung gebrochene Gurte und zu hohe Belastung mit Schadstoffen – diese Ergebnisse haben selbst die Tester überrascht.

Getestet wurden in Deutschland erhältliche Kindersitze und Babyschalen aus allen Gewichtsklassen: je eins für Kinder bis 13 kg und bis 18 kg, sechs Kindersitze für 9-36 kg und zwei Sitze für 15-36 kg. Die Testkriterien waren neben Sicherheit, Bedienung und Ergonomie auch Schadstoffbelastung, Verarbeitung und Reinigung. Der Frontcrash wurde mit 64 km/h simuliert und der Seitenaufprall mit 50 km/h.

Die Note 2,1 und damit die Bestnote im Test bekam die Babyschale 'Nania Beone SP' für 59,00 Euro. Insgesamt fünf Kindersitze haben die Note 5,5 – also 'mangelhaft' erhalten, darunter auch das billigste Modell 'United-Kids Alpha Deluxe' für 28,50 Euro. Dieser Kindersitz wurde früher unter anderem Namen verkauft und war bereits beim Test 2008 mit 'mangelhaft' durchgefallen. Der teuerste Kindersitz 'Fisher Price FP3000' lag mit der Note 3,2 im Mittelfeld und war noch empfehlenswert.

Autokindersitze: Das raten die Experten beim Kauf

Gerade beim Kauf von günstigen Kindersitzen ohne Beratung im Internet rät der ADAC zur Vorsicht. Auf Bezeichnungen wie "optimaler Seitenaufprallschutz" kann man sich nicht verlassen – oft steckt hinter solchen Slogans nur eine Marketing-Strategie. Selbst bei Kindersitzen mit der gesetzlich vorgeschriebenen Zulassung ECE-R44 ist nicht zwangsläufig von höherer Sicherheit auszugehen. Das liegt daran, dass bei diesem Zulassungsverfahren der Seitenaufprall nicht getestet wird.

Eine bessere und sicherere Alternative ist der Kauf bei einem Fachhändler – erklärt der ADAC Projektleiter beim Kindersitztest Andreas Ratzek. Wichtig ist dabei, dass der Sitz zum Auto und das Kind zum Sitz passen. Auf Beschreibungen im Internet sollte man sich nicht zu sehr verlassen, weil sie häufig zu ungenau sind.

Stiftung Warentest weist außerdem auf gute Kindersitze aus früheren Tests hin. Sie bieten eine hohe Sicherheit bei Unfällen, haben eine einfache Handhabung und viele davon sind fast ohne Schadstoffe. Der einzige Hacken dabei ist der höhere Preis. Für Eltern mit einem kleinen Budget raten Experten zu günstigeren Vorgängermodellen von qualitativ hochwertigen Markenherstellern. Auch ist nicht immer ein teurer Kindersitz automatisch gut oder ein günstiger schlecht.

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