Kinderprostitution: Sextourismus in Brasilien boomt vor der WM

Kinderprostitution: Sextourismus boomt in Brasilien vor der WM
Der Sextourismus mit Kindern steigt vor der WM in Brasilien sprunghaft an. © dpa, Z1022 Patrick Pleul

Mehr und mehr Sextouristen reisen nach Brasilien

In gut zwei Wochen beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Das Land bemüht sich deshalb auch seit Monaten mehr oder weniger erfolgreich, sich als sicher in der Welt darzustellen. Doch jetzt hat es ein neues Problem: Sextouristen. Und brasilianische Familien, die ihre Kinder an genau diese verkaufen. Die Kinderprostitution steigt bereits jetzt vor der WM sprunghaft an. Der Staat wie auch die FIFA schauen einfach nur zu.

Von Merle Wuttke

Der Strand von Fortaleza, einer Stadt im Nordosten des Landes und einer der Austragungsorte der WM, ist breit, weiß und ein Anziehungspunkt für Touristen. Tagsüber kann man hier in der Sonne liegen, Beachvolleyball spielen, relaxen - nachts kann man sich hier Kinder kaufen – für Sex. Dann stehen hier Mädchen und Jungs, neun, zehn oder dreizehn Jahre alt, und verkaufen für ein paar wenige Reais ihre Körper.

In der Stadt blüht die Kinderprostitution, seit Jahren schon, aber jetzt kurz vor der WM, erreicht der Sextourismus seinen Höhepunkt. Denn selbst die wenigen Reais sind für diese Kinder – und vor allem für ihre Familien – immer noch ein Vermögen, weshalb Eltern wenig Skrupel haben ihre Kinder auf den Strich zu schicken. Experten schätzen, dass in den vier Wochen der WM Kinderprostituierte so viel Geld „verdienen“ können, dass eine vierköpfige Familie davon ein Jahr lang leben kann. In einem Land, in dem immer noch viele mit weniger als einem Euro pro Tag auskommen müssen, ist es also kein Wunder, dass diese Kinder schutzlos perversen Freiern ausgesetzt werden.

Darunter sind auch viele Deutsche. Etwa 400.000 Kinderprostituierte soll es heute in Brasilien geben, das Land gilt neben Thailand als bevorzugter Reiseort für Sextouristen. Der brasilianische Staat kennt das Problem seit Jahrzehnten, doch außer, dass ein neues Gesetz gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern verabschiedet wurde, passiert – nichts.

Wie ernst nimmt die Fifa ihre Verantwortung?

Die Fifa, die mit der WM viel Geld im Land verdienen wird, fühlt sich offenbar kaum für das Thema verantwortlich. Zwar gäbe es ein 20-Millionen-Dollar-Paket, das in verschiedene Projekte investiert würde, um nachhaltig Hilfe zu leisten, aber ob diese Gelder gezielt gegen Kinderprostitution eingesetzt werden, ist nicht bekannt. Immerhin: Fußballfunktionär und Fifa-Mitglied Theo Zwanziger forderte jetzt öffentlich ein, dass auch die Fifa das Thema nicht länger totschweigen sollte.

Doch dies erst so kurz vor der WM zu tun, wirkt eher wie ein Feigenblatt, dass sich die Fifa anheften will. Es ist ein bisschen spät, jetzt das Gewissen zu entdecken. Man hätte ja auch schon vor Monaten eine Kampagne mit Ronaldo, Schweinsteiger, Messi und Co. starten können, in der sich die Profis eindeutig gegen Kindersex-Tourismus aussprechen und ein deutliches Statement abgeben. Das wäre ein klares und gutes Signal gewesen, denn was den Kindern fehlt ist eine starke Stimme, die für sie spricht. Denn selbst, wenn das Thema jetzt kurzzeitig hochkommt, spätestens beim ersten Spiel sind die Kinder wieder vergessen – nur von ihren Freiern nicht.

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