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Kindern vom Weihnachtsmann erzählen: Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Wahrheit?

Mutter und Sohn mit Weihnachtsmützen stehen glücklich vor ihrem Weihnachtsbaum
Viele Kinder wollen in ihrer Traumwelt bleiben und lieben die Vorstellung des Weihnachtsmannes. © Getty Images/iStockphoto, evgenyatamanenko

Viele Eltern sind sauer: Eine 'RBB'-Moderatorin hat im Kinderprogramm nebenbei verraten, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt. Aber wann ist eigentlich der richtige Zeitpunkt für die Aufklärung? 

Von Jutta Rogge-Strang 

Kinder haben ihre Traumwelt verdient

Weihnachtsmann, Christkind oder Nikolaus - die Adventszeit ist für Kinder magisch und voller Vorfreude auf den Heiligen Abend und die Geschenke. Dank der 'RBB'-Moderatorin Madeleine Wehle ist für viele Kinder damit jedoch Schluss: Am 1. Advent fragte die neue Moderatorin der Kindersendung 'Märchenrätsel' die Kinder im Studio, ob sie denn auch im Schrank nach den Geschenken suchen würden. Einer der größeren Jungs erklärte daraufhin, seine Mutter würde zwar immer noch versuchen, die Geschenke zu verstecken, aber er würde in die Tüten gucken, wenn sie diese zu Hause abstellt.

Eine kurzes Gespräch mit gravierenden Folgen: Viele Eltern waren stinksauer und reagierten mit einem Shitstorm auf Facebook. Wütend waren sie nicht nur über die Zwangsaufklärung, sondern auch über den Tipp, dass es sich für Kinder lohnt, schon lange vor Weihnachten im Schrank nach Geschenken zu suchen.

Die Wut der Eltern ist nur zu verständlich: Denn der richtige Zeitpunkt für die Aufklärung ist von Kind zu Kind unterschiedlich. Erziehungs-Experten plädieren dafür, gerade kleinen Kindern ihre Fantasiewelt zu erhalten. Jan-Uwe Rogge, Erziehungsberater und Autor, ist der Meinung, dass Kinder bis zum neunten Lebensjahr an magische Geschichten glauben wollen, selbst wenn sie eigentlich schon die Realität sehen. "Auch an den Weihnachtsmann und an das Christkind glauben die Kinder nicht nur einfach so, sie wollen daran glauben. Also lügen Eltern ihre Kinder nicht an, sondern bereichern vielmehr ihre Traumwelt“, so Jan-Uwe Rogge in einem Interview mit 'Süddeutsche.de'. Solange das Kind an den Weihnachtsmann glauben möchte, solange gibt es ihn auch. 

DEN perfekten Zeitpunkt gibt es nicht

Denn beim Glauben an Weihnachtsmann und Christkind geht es um Werte, um Sicherheit, um den Glauben an eine Welt, in der alles seine Ordnung hat. Haben wir Erwachsenen nicht auch noch ein bisschen Sehnsucht nach einer heilen Welt, in der uns eine höhere Instanz für unsere guten Taten belohnt? Ein bisschen davon erhaschen wir vielleicht noch auf dem Weihnachtsmarkt. Ansonsten blicken wir ganz realistisch auf Kommerz und irren Weihnachtsrummel, werden zugeschüttet mit Weihnachtswerbung und Geschenketipps. Das Schöne, Magische, Aufregende an der Weihnachtszeit ist weg und hat der blanken Realität Platz gemacht.

Viele Eltern denken, dass ihre Kinder spätestens zum Schulanfang aufgeklärt werden sollten, weil die Klassenkameraden sowieso das Geheimnis um Weihnachtsmann und Christkind lüften. Aber eine allgemein gültige Regel gibt es dafür nicht, der richtige Zeitpunkt ist von Kind zu Kind verschieden. Manche möchten vielleicht noch ein bisschen in ihrer Traumwelt bleiben, andere wieder ahnen vielleicht, dass es der Weihnachtsmann in einer Nacht unmöglich schaffen kann, alle Kinder dieser Welt zu beschenken. Wo das Kind jeweils steht, müssen die Eltern entscheiden.

Und wenn Ihr Kind entsetzt aus der Schule kommt und empört berichtet, dass angeblich die Eltern die Geschenke kaufen, können Sie einfach fragen, was das Kind selber denkt. Dann kann man entscheiden, ob die Zeit reif ist, einen kleinen Zweifel zu säen. Es ist aber auch nicht verantwortungslos oder gemein, die Kinder noch ein bisschen in ihrer Fantasiewelt zu belassen. Denn die wunderbare aufregende Zeit der Weihnachts-Vorfreude kommt niemals wieder. 

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