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Kindermedizin: Versorgung von Kindern immer schlechter?

Kindermedizin: Versorgung von Kindern immer schlechter
Kindermedizin: Versorgung von Kindern immer schlechter

Alarmierende Studie über Kindermedizin

Werden unsere Kinder immer schlechter medizinisch versorgt? Eine neue Studie legt diesen Schluss zumindest nahe: So seien innerhalb der letzten 14 Jahre mehr als 60 Prozent der Klinikbetten für die kleinen Patienten ins Depot gewandert – aber nur 23 Prozent der Klinikbetten für Erwachsene. Anders gesagt: Für 10.000 Erwachsene stehen im Schnitt 73 Betten zur Verfügung – für 10.000 Kinder aber nur 13.

Von Ursula Willimsky

Zu diesem alarmierenden Zahlen gelangte der Sozialforscher Albrecht Goeschel in seiner neuesten Studie. Auf ‚Focus.de‘ beklagt er eine "erschreckende" Verschlechterung, was die Versorgung der Kleinen anbelangt. Für Eltern – und ihre verletzten oder kranken Kinder – kann das unangenehme Folgen haben: Immer wieder hört man von Eltern, dass sie von einer Klinik zur nächsten verwiesen wurden, bis dem Kind endlich, endlich geholfen werden konnte.

Auch die Akademie für Kinder- und Jugendmedizin, die Dachorganisation der pädiatrischen Verbände, fordert, dass die medizinische Versorgung der Kinder in unserem Land stetig verbessert werden müsse. Angesichts des demographischen Wandels – es gibt immer weniger Kinder und Jugendliche – sei es das Ziel, "die geringere Anzahl von Kindern zukünftig noch besser medizinisch zu versorgen", heißt es in einem Thesenpapier zur demographischen Entwicklung.

Forscher Goeschel bringt laut ‚Focus.de‘ noch einen anderen Aspekt ein: Asthma und Mandelentzündung, Bronchitis oder Pseudokrupp seien zum Beispiel kindliche Erkrankungen, die eine "wohnortnahe Versorgung auch in Krankenhäusern dringend" nötig machten. Schließlich, das sagen wir jetzt, hält sich der schlimme Husten mit Atemnot ja nicht an die Öffnungszeiten der Kinderarztpraxis, sondern tritt gerne auch mal am Freitag Nachmittag oder Samstag Abend auf. Tja, und Beine kann man sich auch am Sonntag brechen, nicht nur dienstags von 8.30 Uhr bis 12 Uhr. Schön, wenn dann schnell eine Klinik greifbar ist.

Was eben nicht immer der Fall ist: Laut Akademie gibt es "regional nicht nachvollziehbare Unterschiede bei der vorgehaltenen Kapazität und der Flächendeckung." Und auch laut ‚Focus.de‘ sind die Kinderbetten in Deutschland ungleichmäßig verteilt. Außerhalb der Städte, also in den Landkreisen lebten 72 Prozent aller Kinder – aber dort stünden nur 40 Prozent aller Krankenhaus-Kinderbetten, wird Goeschel zitiert. In manchen Gegenden müssten die Eltern lange, lange Fahrten in Kauf nehmen, um ihr Kind in einem auf Kinder eingestellten Krankenhaus unterbringen zu können.

Finanzielle Belastung durch weite Wege ins Krankenhaus

Zumal das Problem der wenigen Betten für Kinder auch einen sozialen Aspekt hat: Im selben Artikel wird Gerhard Trabert, Professor an der Hochschule Rhein-Main, zitiert. Er gibt zu bedenken, dass Klinikbetten, die weit weg sind vom kranken Kind, für die Eltern neben der emotionalen Belastung auch eine ganz konkrete finanzielle Belastung darstellen: Sie müssen mit ihren Kleinen nämlich erst einmal ins Krankenhaus kommen. Gerade mit öffentlichen Verkehrsmitteln kämen da schnell 10 Euro allein für die Anfahrt zusammen – die Gefahr bestünde, dass das Kosten sind, „die sich sozial benachteiligte Menschen sparten.“ Sie würden mit ihren kranken Kindern dann seltener Ärzte oder Kliniken konsultieren.

Gerade in Zeiten der wachsenden Kinderarmut ein erschreckender Gedanke. Zumal die "Akademie" in ihrem Thesenpapier ebenfalls darauf aufmerksam macht, dass "krankheitsbegünstigende Einflussfaktoren und ein höheres Erkrankungsrisiko … auch bei Kindern und Jugendlichen eng mit ihrer sozialen Lebenslage verknüpft" seien. "Wissenschaftlich evident ist, dass mit zunehmender sozialer Benachteiligung (Sozialer Status, Armut, finanzielle Rahmenbedingungen, Bildungsferne, Migrationshintergrund) das Risiko für eine Erkrankung – mit wenigen Ausnahmen – steigt". Die Folge: Es ergebe sich ein erhöhter Betreuungsaufwand.

Wie sind Ihre Erfahrungen? Gibt es Ihrer Meinung nach genug Betten für Kinder in Krankenhäusern? Oder mussten Sie schon einmal mehrere Kliniken abklappern, bis Ihrem Kind geholfen wurde?

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