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Kinderlos: Müssen Frauen immer Kinder wollen?

Kinderlose Frauen
Kinderlose Frauen sind nicht egoistisch © picture alliance / Bildagentur-o

Nicht jede Frau will unbedingt Kinder

Kann eine Frau ohne Kinder glücklich sein? Nach der in Deutschland vorherrschenden Meinung scheint es unmöglich zu sein. Frauen ohne Nachwuchs werden als Mängelwesen betrachtet, als egoistisch, als rabiate Karriereweiber. Die Autorin Sarah Diehl hat zu dem Thema eine Streitschrift mit dem Titel 'Die Uhr, die nicht tickt' veröffentlicht, in der sie diesen Vorurteilen zu Leibe rückt.

Von Christiane Mitatselis

In einem Interview sagte die Autorin unlängst: "Ich möchte zeigen, dass eine Familie zu gründen nur eine Option unter vielen ist, dass Kinder nicht automatisch essenziell für ein erfülltes Leben sind." Und: "Ich möchte Frauen, die keine Kinder wollen und ihrer Wahrnehmung nicht getraut haben, (…) die Zweifel nehmen."

Ein solches Buch war überfällig. Denn es gibt sie tatsächlich: Frauen, die keine Kinder haben, weil sie keine haben wollen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Es liegt nicht immer daran, dass sie nicht den richtigen Partner gefunden haben. Einige Frauen betrachten Kinder einfach nicht als die Krönung einer Partnerschaft, da ihnen klar ist, dass Beziehungen durch Nachwuchs in der Regel großen Belastungen ausgesetzt sind, die sie sich ersparen möchten.

Keine Kinder zu wollen, hat nichts mit Egoismus zu tun

Andere Frauen interessieren sich nicht für Kinder und können mit ihnen nichts anfangen. Deshalb ahnen sie, dass sie durch eine Mutterschaft vieles verlieren würden: Nerven, Freiheit, Freunde, berufliche Chancen und so weiter. Wer so fühlt und denkt und trotzdem Kinder hat, wird wahrscheinlich nicht besonders glücklich mit seinem Leben. Egoistisch ist eine solche Haltung, wie häufig unterstellt, übrigens nicht, sondern weitsichtig. Wer Kinder hat, obwohl er eigentlich gar keine nicht will, der macht meist nicht nur sich selbst, sondern auch andere unglücklich.

Eine Frau, die solche Positionen offen vertritt, wird in Deutschland allerdings meist als unnormal betrachtet, als irgendwie gestört in ihrer Weiblichkeit. Das spiegelt sich dann wider in mitleidigen Fragen wie "Warum hat es bei dir mit den Kindern nicht geklappt?"

Damit wird indirekt unterstellt, dass jede Frau von Natur aus Kinder haben wollen müsse, da dies zum Frausein dazugehöre. Man darf nicht vergessen, dass besonders gebärfreudigen Frauen hierzulande vor nicht allzu langer Zeit noch Mutterorden verliehen wurden.

Die biologische Uhr, die angeblich mit 30 anfängt zu ticken; das Bild, der Mutter, die aufgeht in der Hege und Pflege der lieben Kleinen, deren einziges Glück die Familie ist - all dies wird von außen an Frauen herangetragen. "Der Mutterinstinkt wurde von Naturwissenschaftlern und Pädagogen erfunden, er ist nicht biologisch in den Frauen verankert, das belege ich auch historisch im Buch", sagt Sarah Diehl. "Man sollte aufhören, Kinderlose und Eltern gegeneinander auszuspielen."

Oder anders ausgedrückt: Wer Kinder will, der soll sie haben. Wer keine will, der lässt es sein. Der eine ist nicht besser oder schlechter als der andere.

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