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Kinderlebensmittel: 80 Prozent sind zu süß und zu fett

Bildquelle: foodwatch
Ob Frühstücksflocken, Softdrinks, Pudding oder Joghurt - viele Produkte, die speziell auf Kinder ausgerichtet sind, sind ungesund. (Bildquelle: foodwatch)

Die Verbraucherorganisation foodwatch hat rund 1.500 Kinderlebensmittel unter die Lupe genommen. Das Untersuchungsergebnis überrascht nicht wirklich, aber in dieser Menge schon: Knapp 80 Prozent der Lebensmittel sind für Kinder vollkommen ungeeignet. Sie sind zu süß, zu fett und zu ungesund.

Insgesamt hat foodwatch 1.514 Kinderlebensmittel untersucht. Die Lebensmittel wurden dabei anhand der Vorgaben der Ernährungspyramide bewertet. Diese empfiehlt, dass Kinder reichlich Obst, Gemüse, Getreide und kalorienarme Getränke zu sich nehmen sollten. Milchprodukte, Fisch und Fleisch sollten mäßig, Süßigkeiten, fette Snacks wie Chips sowie Fette und Öle nur sparsam verzehrt werden.

Das Ergebnis der Untersuchung ist ernüchternd: Fast drei Viertel der getesteten Produkte (73,3 Prozent) fallen in die "rote" Kategorie an der Spitze der Pyramide. Es handelt sich um süße und fette Snacks, die nach den Empfehlungen des "aid infodienst Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz" nur "sparsam" verzehrt werden sollten. Nur 12,4 Prozent der Produkte können guten Gewissens der grünen Kategorie an der Basis der Pyramide zugeordnet werden. Sie zählen zu den Lebensmitteln, die Kinder eigentlich "reichlich" essen sollten.

Das Fazit von Foodwatch: Mit dem industriellen Angebot an Kinderlebensmitteln ist eine ausgewogene Ernährung praktisch unmöglich. Es besteht eben fast ausschließlich aus Süßigkeiten und ungesunden Snacks.

Die Hersteller stellen die Ernährungspyramide auf den Kopf: Ihre Produktpalette im Kinder-Segment entspricht ziemlich genau dem Gegenteil der ernährungsphysiologischen Empfehlungen. Der Industrie ist ihr Profit eindeutig wichtiger als die Gesundheit der Produkte. "Mit Obst und Gemüse lässt sich nur wenig Profit machen - mit Junkfood und Soft Drinks schon mehr“, sagt Anne Markwardt von Foodwatch.

"Die Unternehmen tragen eine erhebliche Mitverantwortung für die grassierende Fehlernährung von Kindern", erklärt Markwardt. "Die Lebensmittelindustrie ist nicht Teil der Lösung, sondern Kern des Problems, weil sie Kindern massenhaft Junkfood aufdrängt und sie zur falschen Ernährung verführt."

Dass sich Kinder in Deutschland nicht gesund und ausgewogen ernähren, ist wissenschaftlich belegt:

- Kinder essen nur die Hälfte der empfohlenen Menge an Obst und Gemüse.

- Stattdessen essen Kinder weit mehr als 200 Prozent der empfohlenen Menge an Süßwaren, Snacks und Softdrinks wie Cola, Limo und Co.

- Im Vergleich zu den 80er- und 90er-Jahren ist der Anteil der übergewichtigen Kinder um 50 Prozent gestiegen. Heute gelten 15 Prozent der Kinder als zu dick. 6 Prozent sind sogar fettleibig (adipös).

- Übergewicht und ungesunde Ernährung schaden nachweislich der Gesundheit: Sie erhöhen das Risiko für Diabetes, Herzkreislauf- und andere Stoffwechselkrankheiten. Ein Prozent der Kinder leidet bereits heute an Altersdiabetes.

Viele Eltern vergessen, dass sie viele Kinderlebensmittel auch durch gesunde Lebensmittel ersetzen oder selbst daraus zubereiten können. Statt gesüßten Kinderjoghurts oder –puddings können Sie Naturjoghurt verwenden, Früchte oder Honig einrühren und mit Haferflocken, Nüssen und Trockenfrüchten eine leckere Crisp-Alternative zaubern. Das schmeckt mindestens genauso gut und ist dazu auch noch gesund. Pudding können sie selber kochen.

Auch wenn die Alternativen ein wenig aufwändiger sind: Die Gesundheit ihrer Kinder sollte es ihnen wert sein. Und letztlich sparen sie auf diese Weise nicht nur Zucker und Fett, sondern auch noch Geld.

(Quelle: foodwatch)

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