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Kinderjeans: Giftstoffe auf junger Haut

Kinderjeans kommen im Öko-Test schlecht weg.
Kinderjeans kommen im Öko-Test ganz schlecht weg. Bei der Produktion werden krebserregende Farbstoffe verwendet. © dpa, Ole Spata

20 Jeans für Kinder im Öko-Test

Coole Jeans machen aus kleinen Jungs smarte Kerlchen. Der trendige Jeanslook ist allerdings nicht ungefährlich. Im Gegenteil: Über die Hälfte der 20 von Öko-Test geprüften Kinderjeans enthalten verbotene, giftige Farbstoffe.

Teuer muss nicht gut sein: Die meisten Markenjeans im Test sind nicht besser als die aus Billigläden. Die mit 54,90 Euro teuerste untersuchte Kinderhose ‚Levi’s San Franciso Pant Nos Jael Slim, Indigo‘ des Jeansherstellers schlechthin – Levi Strauss – bekommt das Gesamturteil ‚ungenügend‘. Ihr folgen Kinderjeans von großen Namen wie Esprit (Jeans Boys, Superdark Denim), Mexx, Benetton, Tom Tailor oder H&M (Jeans Slim & Denim). Auch die billigen Jeans für Kinder können nix: Ein ‚Ungenügend‘ gab es für bestimmte Modelle von Ernsting’s Family, Takko und Primark. Die Mädchenjeans ‚Okay Basic‘ von Vielwerber KiK war ‚mangelhaft‘.

Problematisch sind vor allem die krebserregenden Inhaltsstoffe Anilin und aromatisches Amin. Sie werden offenbar verwendet, um bestimmte Farbeffekte zu erzielen. Dabei ist es so einfach, Jeans mit dem unkritischen Farbstoff Indigo zu färben. Auch Formaldehyd, ein Mittel, das oft in der Textilindustrie benutzt wird und krebsauslösend ist, wurde in einer (der Levis Jeans) gefunden.

Andere entlarvte Giftstoffe, die in einigen Jeans steckten, sind sogenannte halogenorganische Verbindungen. Diese Farb- oder Textilhilfsmittel können Allergien auslösen.

Besser: Gebrauchte Kinderjeans kaufen

Auch der Stoff Nonylphenolethoxylate (NPE), der der Umwelt schadet, wenn er ins Abwasser gelangt, wurde in einigen Jeansmodellen nachgewiesen.

Ob die für Mitarbeiter extrem gesundheitsschädliche und untersagte Sandstrahlentechnik nicht mehr angewandt wird, wurde von den meisten Unternehmen nicht bewiesen. Somit gab es auch für diesen Punkt Abzüge. Beim Sandstrahlen der Jeans wird mit Hochdruck quarzhaltiger Sand auf die Stoffe gestrahlt, um eine bestimmte Oberflächenstruktur zu erhalten. Dieses Verfahren erzeugt die tödliche Lungenkrankheit Silikose (Staublunge).

Ein großer Kritikpunkt für Öko-Test ist, dass viele Unternehmen nicht bereit waren, Informationen und Nachweise über ihre Lieferanten und Arbeitsbedingungen zu nennen. Laut Öko-Test übernehmen die meisten Firmen „keine Verantwortung über die komplette Produktionskette“.

In diesem Zusammenhang wird an die Käufer appelliert, nur Produkte aus fairem Handel mit der GOTS-Zertifizierung zu kaufen. GOTS bedeutet ‚Global Organic Textile Standard‘ und steht für Bio-Rohstoffanbau, Ausschluss von schädlichen Chemikalien und möglichst faire Arbeitsbedingungen.

Die beste Note im Test war ‚befriedigend‘. Sie bekamen vier Kinderjeans, darunter die ‚Palomino Bootcut Leg Regular Waist Bio-Cotton' von C&A. Ihr Baumwollstoff stammt aus biologischem Anbau. Auch ihre Herstellungsweise entspricht wenigstens annähernd den Anforderungen und wird vom Hersteller nachgewiesen.

Tipp: Kaufen Sie gebrauchte Kinderkleidung. Sie ist günstig und oft in gutem Zustand zu bekommen. Außerdem sind bereits eventuell enthaltene Giftstoffe herausgewaschen.

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