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Kindergeburtstag ohne Tränen: Ich wünsch‘ mir einen Geburtstagstisch

Wunschliste als Lösung für Geschenkdilemma?

Kindergeburtstage sind so eine Angelegenheit für sich. Noch eine Sache, die mir vor dem Muttersein nicht ansatzweise in all seinen Dimensionen klar war. Und in die ich gänzlich unvorbereitet hineingestolpert bin. Schließlich will man seinem kleinen Liebling 'seinen Tag im Jahr' zu etwas ganz Besonderem machen. Zu einem Tag, an den es sich das ganze Jahr erinnert. Zu einem Tag, an dem er mit vor Freude hochroten Backen und glänzenden Augen Geschenke auspackt, mit Freunden Verstecken spielt und Kuchen isst, bis der Arzt kommt. Zu einem Tag, an dem man seinem Kind zeigen kann, wie unendlich lieb man es hat.

Kindergeburtstag ohne Tränen gesucht. Hilft ein Geburtstagstisch beim Geschenkedilemma?
Der größte Wunsch der Eltern: den Geburtstag zu etwas Besonderem machen © Konstantin Yuganov - Fotolia, Yuganov Konstantin

Von Alexandra Diemair

Doch seitdem ich Mutter bin, weiß ich, dass das alles ganz anders ist. Und dass ein Kindergeburtstag eine hochkomplizierte, sensible Angelegenheit ist, die genauestens vorbereitet und geplant werden muss, damit nicht alles im Chaos oder in Tränen endet. Wobei es das ja ehrlicherweise trotzdem tut. Murphys Gesetz: Kein Kindergeburtstag ohne Tränen. Egal ob das Kind Gast oder Gastgeber ist. Und dabei ist das Geschenkethema einer der neuralgischen Punkte einer gelungenen Feier. Denn egal, ob bei der Familienfeier oder der Geburtstagsparty: Das Geschenkeaufreißen ist DER zentrale Moment der festlichen Aktivität. Wie groß die Erwartung und Vorfreude und wie groß die Enttäuschung, wenn die zweite Asterix-CD oder das dritte Springseil von kleinen, erwartungsfrohen Händen ausgepackt werden. Und die Enttäuschung ist beidseitig. Denn nicht nur der Beschenkte, sondern auch der Schenkende fiebert ja mit und möchte, dass sein Geschenk gut ankommt.

Im Netz sorgt derzeit eine E-Mail für Aufregung: Es handelt sich dabei um eine Einladung von Eltern, deren Sohn offenbar ein Jahr alt wird und in der die Eltern klare Anweisungen geben, was dem Kind geschenkt werden sollte und was nicht. Der digitalisierte Brief sorgt für Aufregung und Spott im Netz und wird nur noch liebevoll "Einladung aus der Hölle" genannt. Die Eltern bitten darin um verschiedene Geschenke, genau aufgelistet mit den passenden Links und einer ausführlichen Erklärung, warum genau diese und keine anderen Dinge gekauft werden sollen. Es folgen weitere ausführliche Erklärungen, warum keine beispielsweise keine personalisierten Kleidungsstücke (Kidnapping) oder Bücher (haben sie schon für die nächsten drei Jahre vorgesorgt) geschenkt werden sollen, und dass gerne der Bon beigelegt werden kann, damit eigenständig umgetauscht werden kann.

Natürlich sorgt der Brief – ob authentisch oder nicht – für viel Spott und Häme und wenn er echt ist, möchte ich mit den Eltern vielleicht eher nicht befreundet sein, aber ganz ehrlich: Manchmal wäre ich über solche Listen ganz froh und dankbar. Sowohl als schenkende als auch als beschenkte Geburtstags-Mama. Ich bin es leid, die fünfte Loomingbandz-Packung in den Schrank zu stopfen, das dritte gleiche Buch in den Schrank zu stellen (Klar sagt man, man tauscht es um, aber im Grunde genommen macht es doch keiner!) oder die Tränen meiner Tochter zu trocknen, weil die Lea und die Lotte genau das gleiche Topmodel-Malbuch geschenkt haben wie sie. Ich finde, es sollte viel mehr Geschenketische geben. Wie bei amerikanischen Hochzeiten. Kann man hingehen, sich ein Geschenk aussuchen und fertig ist das Ganze. Da muss ich nicht stundenlang in der Stadt rumlaufen, um ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen, das im Zweifelsfall am Schluss doppelt bist.

Und ich muss nicht mit diplomatischen Entertainmenteinlagen die Stimmung bei der Geburtstagsparty meiner Tochter retten, wenn das vierte Springseil von Prinzessin Lillifee ausgepackt wird und zwei kleine Kinne gleichzeitig verdächtig anfangen, zu zittern. Großmütter könnten aus einem bestehenden Kontingent auswählen und würden weder thematisch, noch größen- und geschmacksmäßig in die Falle tappen und ich müsste mir nicht überlegen, wie ich den rosafarbenen Bärchen-Frotteebademantel in Größe 158 („das Kind wächst ja noch“) los werde.

Aber irgendwie scheinen die Einzelhändler diesen Trend zu verschlafen. Dabei könnte doch alles ganz einfach sein. Ginge im Übrigen auch an MEINEM Geburtstag.

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