Kinderbraut in der Türkei tot gefunden: War es Selbstmord nach einer Zwangsheirat?

Kinderbraut in der Türkei tot gefunden
In der Türkei wurde ein Mädchen tot gefunden. Sie war mit etwa 11 Jahren als Kinderbraut verkauft. War es Selbstmord wegen Zwangsheirat? © dpa, Wolfram Steinberg

Zwangsheirat ist in der Türkei nach wie vor stark verbreitet

Schon wieder erschüttert ein tragischer Ausgang einer Zwangsheirat die Welt: In der Türkei wurde ein Mädchen tot gefunden – erschossen. Kurz davor hat es sein zweites Kind zur Welt gebracht, das dann verstarb, berichtet die 'Welt'. Konnte sie den Verlust des Babys nicht ertragen und beging Selbstmord? Oder wurde die Kinderbraut umgebracht?

Laut Pass war die junge Frau erst 14 Jahre alt, ihr Name war Kader, übersetzt heißt das "Schicksal". Und das Schicksal, als Kinderbraut verkauft und zwangsverheiratet zu sein, teilen mit Kader immer noch Millionen minderjähriger Mädchen, nicht nur in muslimischen Ländern.

Kader Erten wurde von ihrer Familie zwangsverheiratet, als sie gerade mal elf Jahre alt war, wenn das Geburtsjahr in ihrem Ausweis stimmt. Vor Gesetz besteht diese „Heirat“ nicht. Imame dürfen solche Ehen eigentlich überhaupt nicht absegnen. Das Mindestalter für junge Frauen in der Türkei wurde 2002 von 15 auf 18 Jahre angehoben. Dennoch werden dort noch immer Kinderbräute an ältere Männer verkauft, missbraucht und in Lebensgefahr gebracht.

Nachdem Kader ihr erstes Kind bekam, wurde angeordnet, ihr Alter anhand ihrer Knochen zu bestimmen. Nach Angaben der Familie ergab die Untersuchung, dass sie 16 Jahren alt sei. Das widerspricht den Angaben im Pass. Die Eltern erklärten, Kader sei nur sehr spät registriert worden. Und das ist kein Einzelfall: Viele Mädchen in der Türkei haben überhaupt keine Papiere. Und da sie nicht gemeldet sind, existieren sie quasi nicht. Das macht es den Familien leicht, sie unbemerkt von den Behörden als Kinderbräute zu verkaufen.

Das zweite Baby bekam Kader bei den Schwiegereltern – der Mann war zu dem Zeitpunkt bei der Armee. Das Baby starb nach der Geburt und kurz darauf starb auch Kader. Nicht an den Folgen der Geburt, sondern durch eine Schrotflinte. Die Schwiegereltern sprechen von Selbstmord. Ob das stimmt, sollen die laufenden Ermittlungen klären.

Kinderbräute und Zwangsheirat: Ein weltweites Problem - auch in Deutschland

Auch wenn dieser Fall die Öffentlichkeit in der Türkei und dem Rest der Welt erschüttert hat, ist das leider kein Einzelfall. Die Zahl der zwangsverheirateten Mädchen in der Türkei könnte sogar noch steigen. Einerseits weil der neue Wohlstand es immer mehr Männern ermöglicht, Kinderbräute zu kaufen. Andererseits steigt in der Türkei auch die Zahl der Flüchtlinge aus Syrien. Die vom Krieg geflohenen Familien sehen im Verkauf der Töchter einen Ausweg aus der finanziell schwierigen Situation.

Die UNO verurteilt die Zwangsheirat als "eine moderne Form der Sklaverei". Genaue Zahlen gibt es zwar nicht. Eine Studie des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen UNICEF hat aber ergeben, dass jedes Jahr Millionen von Mädchen vor oder kurz nach ihrer Pubertät verheiratet werden. Exakte Statistiken fehlen auch für Deutschland, doch laut einer Umfrage des Berliner Senats flüchteten sich im Jahre 2002 230 Mädchen und junge Frauen aus Angst vor Zwangsheirat in Hilfseinrichtungen der Stadt. Knapp 70 Prozent der Geflüchteten waren minderjährig, 30 Prozent hatten einen Selbstmordversuch hinter sich. Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein.

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