Kinderbräute in Afrika: Von den eigenen Eltern für 60 Euro verkauft

Salim Mwrundu Masaid kämpft gegen die Zwangsehe an

Umgerechnet 60 Euro zahlt ein Bräutigam in Afrika, um eine junge Frau für eine glückliche, kinderreiche Ehe zu kaufen. Dabei sind die unfreiwilligen Bräute oft selbst noch Kinder. Dass Mädchen mit 12, 13 oder 14 Jahren an deutlich ältere Männer verheiratet werden, ist in einigen afrikanischen Ländern völlig normal. Reporterin Nicole Macheroux-Denault hat eine Frau getroffen, die es schafft, solche Ehen rückgängig zu machen. Auch in der eigenen Familie.

Salim Mwrundu Masaid hat uns in ihre große Familie eingeladen. Sie ist die erste von zwei Ehefrauen in einem kleinen Ort unweit der kenianischen Stadt Mombasa. Eine fröhliche, studierte Lehrerin - und niemand liebt sie mehr als Lucy, die Tochter der Zweitfrau. Denn Salim hat Lucy aus einer Zwangsehe befreit. "Ihre Leistungen waren schlecht", sagt Lucys Mutter - und Zweitfrau der Familie - Chezi Shehi. "In unserer Kultur sind Mädchen weniger wert als Jungen. Deshalb haben wir sie verheiratet." Mit 13 Jahren an einen 35-jährigen Mann. "Ich habe viel geweint, als sie mich zu dem Mann brachten", erinnert sich die junge Braut wider Willen.

Salim Mesaid wehrte sich, stellte sich gegen die Entscheidung ihres Mannes. Sie forderte, dass alle in ihrer Gemeinde endlich Bildung genießen können: "Vergesst Traditionen, Kultur. Wir müssen aus uns herauskommen."

Ein Interventionsteam hilft den Kinderbräuten

Inzwischen hat Salim Mesaid ein eigenes Büro, um die Arbeit ihres Interventionsteams 'Jicho Pevu' professionell zu koordinieren. Die Gruppe hilft zwangsverheirateten Mädchen und anderen Kindern in Not in der Region, in die Schule zurückzukehren.

In Salims Kommandozentrale gegen Zwangsehen ist nicht nur Lucys Akte gelandet, sondern auch die von von Rahema Munga. Sie wurde mit 15 verheiratet - ebenfalls gegen ihren Willen. Ihre Tochter Pilli ist 8 Monate alt. Rahemas Vater hatte die Hochzeit arrangiert. "Wir haben uns auf 7.000 Shilling geeinigt", erklärt Vater Samuel Munga. Das sind umgerechnet 60 Euro.

Auch hier intervenierte Salim Mesaid und erinnerte die Familie daran, dass alle Kinder in Kenia ein Recht auf eine Schulausbildung haben. Allein schon deshalb sei es illegal, Mädchen wegen einer Zwangsehe aus der Schule zu nehmen. Die Vertreter von 'Jicho Pevu' sprachen eindringlich mit den Eltern und drohten mit der Polizei, bis sie eingewilligten, Rahema wieder nach Hause zu holen.

Rahemas Vater bekam Angst. Das Mädchen durfte heimkehren, das Brautgeld hat ihr Vater mit Hilfe eines Kredites von 'Jivo Pevu' zurückgezahlt. Eine sinnvolle Investition. Denn Rahema geht wieder in die Schule. Und Lucy auch. Sie schreibt inzwischen hervorragende Noten, vor allem in Mathematik. "Ich möchte gerne Buchhalterin werden", sagt sie. Dann ist Ruhe und eine freut sich diebisch. "Siehst du, wir werden unser Ziel erreichen", lacht Salim Mesaid. Ein schönes Lachen einer erstaunlichen Frau.

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