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Kinderbilder auf Facebook & Co.: Eltern müssen mit Strafen rechnen

Aufruf gegen Kinderbilder auf Facebook & Co.
Die Polizei Hagen erinnert an die Privatsphäre von Kindern

Viele Eltern sind sich der Gefahren nicht bwusst

Manche Eltern finden ihre lieben Kleinen so süß, dass regelmäßig der Verstand aussetzt. Der kleine Noah mit verschmierten Mäulchen, die putzige Lotte auf dem Töpfchen - das sollten alle sehen, denken sie sich. Und schicken die Fotos per Facebook und Co. in die Welt. Was sie nicht bedenken: Selbst, wenn die Fotos nur an die Freunde gesendet werden, sind sie in den Weiten des Internets angelangt, kontrollieren kann man fortan nicht mehr, was mit ihnen geschieht.

Von Christiane Mitatselis

Später einmal, wenn die lieben Kleinen größer sind, können sie mit den Fotos aufgezogen werden. Was Eltern heute sooo putzig finden, kann einem Teenager später einmal total peinlich sein. Im schlimmsten Fall geraten Kinder-Fotos in Netzwerke von Pädophilen.

In Frankreich haben Behörden Eltern deshalb gerade davor gewarnt, exzessiv Kinderfotos zu posten. Die strengen französischen Gesetze zur Privatsphäre machen es möglich, dass die Kinder ihre Eltern später für diese Veröffentlichungen verklagen. Es drohten Geldstrafen von bis zu 45.000 Euro, ist zu lesen.

"Kinderfotos haben in sozialen Netzwerken nichts zu suchen."

In Deutschland richtete die Polizei in Hagen vor kurzem per Facebook den Appell an Eltern, digitale Kinderfotos nicht der ganzen Welt zugänglich zu machen. "Kinderfotos haben in sozialen Netzwerken grundsätzlich nichts zu suchen", heißt es da.

Zudem hat auch hierzulande das Posten von Kinderfotos juristische Grenzen. So darf zum Beispiel weder ein Kindergarten noch eine Schule einfach so Kinder-Fotos ins Netz stellen, auch nicht in Gruppen. Das gilt auch für Opa, Oma, Onkel oder Tante. Denn grundsätzlich muss mindestens ein sorgeberechtigtes Elternteil jedes Kindes der Veröffentlichung zugestimmt haben.

Sorgeberechtigte Eltern haben zwar das Recht, Fotos zu posten – allerdings müssen ab einem gewissen Alter die Kinder selbst einverstanden sein. Man spricht hier im Juristen-Deutsch von 'notwendiger Einsichtsfähigkeit' – und die tritt in der Regel spätestens mit 14 Jahren ein. Man geht davon aus, dass Jugendliche in diesem Alter die Tragweite der Angelegenheit beurteilen können. Da Kinder in einer digitalen Welt aufwachsen, sind sie wahrscheinlich aber schon früher in der Lage, sich eine fundierte Meinung zu dem Thema zu bilden.

Schön wäre es, wenn man auch auf die Einsichtsfähigkeit der Eltern bauen könnte. Wer nachdenkt und die Privatsphäre seines Kindes im Blick hat, der schickt Fotos von den lieben Kleinen sowieso höchstens an ausgewählte, vertrauenswürdige Freunde oder Verwandte – und nicht per Facebook an die ganze Welt.

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