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Kinder von verschiedenen Männern: Modern oder verwerflich?

Kate Winselt ist wieder schwanger
Drei Kinder von drei Männern © picture alliance / empics, Ian West

Kinder von unterschiedlichen Männern - na und?

Hollywood-Star Kate Winslet erwartet ein Kind, es wird ihr drittes - vom dritten Mann. Letzteres wird in diversen Meldungen besonders betont – und es klingt dabei gar ein wenig Empörung mit. Handelt es sich tatsächlich um einen Fall von falscher Familienplanung, die es zu kritisieren gilt?

Von Christiane Mitatselis

Winslet hat aus ihren zwei früheren Ehen eine zwölfjährige Tochter und einen neunjährigen Sohn. Nun freut sich die 37-Jährige auf Nachwuchs mit ihrem neuen Ehemann Ned RocknRoll. Daraus kann man schließen: Sobald Winslet ernsthaft verliebt ist, heiratet sie und bekommt ein Kind. Wenn sie in diesem Rhythmus weiter macht, dann wird sie in zehn Jahren womöglich fünf Kinder von fünf Vätern haben. Und man muss sagen: Na und? Es gibt keinen Grund, sie dafür zu verurteilen. Winslet wünscht sich viele Kinder – und wenn die Ehen nicht halten, stammt der Nachwuchs eben von diversen Vätern.

Frauen, die sich Freiheiten dieser Art herausnehmen, werden aber leider immer noch grundsätzlich verurteilt und als unverantwortliche Schlampen verunglimpft. Aus einigen Meldungen zu Winslets dritter Schwangerschaft klingt jedenfalls ein Hauch von Empörung, der Drei-Väter-Aspekt wird besonders betont – so als müsse man darüber den Kopf schütteln. In Internet-Kommentaren heißt es gar, es sei falsch so zu leben. Drei Kinder von drei Männern, das gehe gar nicht. Warum eigentlich?

Viele Kinder von vielen Männern ist nicht verwerflich

Winslet ist ein reicher Hollywood-Star, sie kann sich jeden Luxus leisten: Scheidungskosten, Rudel von Kindermädchen und Wochenend-Fahrten der Kinder zu ihren jeweiligen Vätern. Winslets Kindern wird es besser gehen als Millionen anderen auf der Welt.

Und auch weniger reiche Frauen können tun, was sie wollen, solange sie verantwortlich mit ihrem Nachwuchs umgehen – vereinfacht gesagt bedeutet das: Die Kinder müssen gut versorgt, der Kontakt zu ihren Vätern darf nicht verweigert werden.

Das Idealbild der lebenslang währenden Ehe ist nun einmal überholt, der Lebensabschnittspartner ist auf dem Vormarsch. In den westlichen Gesellschaften ist die Scheidungsquote in den letzten 50 Jahren drastisch gestiegen. Jede dritte Ehe wird inzwischen in Deutschland irgendwann geschieden. Viele Paare heiraten erst gar nicht.

Und bevor man sich das Maul über Frauen zerreißt, die Kinder von verschiedenen Väter haben, sollte man zudem einmal dies bedenken: Wie werden Männer beurteilt, die diverse Kinder mit verschiedenen Müttern haben? Werden sie als männliche Schlampen bezeichnet? Eher nicht. Männer dieser Art gelten meistens vielmehr als coole Hengste und werden höchstens dafür bemitleidet, dass sie so hohe Alimente zahlen müssen, weil sie von bösen Frauen hereingelegt wurden. Und dabei ist Letzteres in schätzungsweise 95 Prozent der Fälle totaler Unfug. Aber leider haben Vorurteile, zumal gegen Frauen, eine extrem hohe Lebensdauer.

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