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Kinder von drei Elternteilen: Großbritannien will es erlauben

Künstliche Befruchtung
Briten wollen Erbgut von drei Elternteilen ermöglichen. © dpa, Ralf Hirschberger

Kinder von drei Elternteilen - wie geht das?

Was im ersten Moment nach Zukunftsmusik klingt, ist im Labor schon möglich: ein Kind von drei Elternteilen. In Großbritannien denkt die Regierung nun darüber nach, eine solche Methode generell zu erlauben. Der Grund: Erbkrankheiten sollen vermieden werden.

Die Amtsleiterin des britischen Gesundheitsamtes, Sally Davies, hält es für richtig, "diese lebensrettende Methode" so schnell wie möglich einzuführen und somit die Weitergabe von Erbkrankheiten zu verhindern. Durchschnittlich leidet eines von 5.000 bis 10.000 Neugeborenen an einer so genannten Mitochondriopathie, die unter anderem zu Herzerkrankungen, Diabetes und Nierenversagen führen kann. Dabei sind die Mitochondrien, die eine Art Zellkraftwerk innerhalb des Zellkerns sind und über eigenes Erbgut verfügen, defekt. Bei einer natürlichen Befruchtung wird dieses natürliche Erbgut der Mitochondrien aber automatisch von der Mutter an das Kind weitergegeben.

Die von Sally Davies geforderte Methode verhindert die Weitergabe, indem bei der betroffenen Patientin zunächst der Zellkern aus einer unbefruchteten Eizelle entnommen und das Kern-Erbgut isoliert wird. Dieser nicht defekte Teil des Zellkerns wird nun in die Eizelle einer gesunden Spenderin, deren Zellkern zuvor entfernt wurde, übertragen. Diese Zelle enthält dann zwar die chromosomale DNA der Patientin, die für das Aussehen und die Eigenschaften des Kindes verantwortlich ist, gleichzeitig aber auch die gesunde mitochondriale DNA der Spenderin. ´

Nach der Eizellenbefruchtung mit dem Sperma des Vaters wird der Embryo wie bei einer künstlichen Befruchtung der Frau mit der Erbkrankheit eingepflanzt. Der gesunde DNA-Teil macht bei dem so gezeugten Embryo lediglich 0,2 Prozent der gesamten Erbsubstanz aus. Die Spenderin könnte bei diesem Verfahren laut Davies vollkommen anonym bleiben und wäre auch per Gentest nicht aufspürbar.

Bisher ist es in Großbritannien lediglich zu Forschungszwecken erlaubt, menschliche Eizellen oder ein Embryo zu verändern, bevor die Zellen einer Frau eingepflanzt werden. Doch obwohl nach Expertenmeinung vermutlich nur ein geringer Teil der Frauen diese Methode nutzen würden, will die britische Regierung noch in diesem Jahr Entwürfe zu einer möglichen neuen Richtlinie veröffentlichen. Vor einem entsprechenden Gesetz würde eine endgültige Version dann im kommenden Jahr im Parlament diskutiert.

Die Einführung dieser Methode wäre in Deutschland erheblich schwerer als in Großbritannien, da die deutschen Gesetze diesbezüglich strenger sind und beispielsweise auch die bei den Briten erlaubte Eizellspende verbieten.

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