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Kinder- und Jugendärzte warnen: Schule macht krank!

Immer mehr Schüler leiden unter Depressionen und Konzentrationsschwäche

Kinder- und Jugendärzte schlagen Alarm: Schule macht krank! Diese drastische Warnung hat der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte nun auf dem gleichnamigen bundesweiten Kongress in Weimar herausgegeben. Denn immer mehr Kinder leiden unter Depressionen und Konzentrationsschwäche. Wir haben mit drei Teenagern und einem Schulpsychologen gesprochen. Ist der Schulstress wirklich so schlimm? Und was kann man dagegen tun?

Kinderärzte warnen: Schule macht krank
Immer mehr Schüler leiden unter Leistungsdruck und werden dadurch krank. © dpa, Jens Büttner

Die Teenies sind sich einig: Schule macht wirklich krank. "Typische Symptome, die man zeigt, wenn man von der Schule krank wird, sind Kopfschmerzen, Müdigkeit oder man ist überlastet und hat keine Lust auf nichts", erklärt Janine, die die zwölfte Klasse besucht. Zehntklässler Bülent stimmt ihr da voll und ganz zu: "Ich finde auch, dass Schule krank macht. Aber nicht so, dass man Schnupfen oder eine Grippe bekommt , sondern innerlich. Man ist dann angeschlagen und einfach fertig." Siara, die in die neunte Klasse geht, stört sich an dem Lärm in vielen Klassenräumen: "Ich kriege Kopfschmerzen und habe am Ende keine Lust mehr habe, weil die Klasse zu laut ist."

Der Druck in der Schule wird immer größer

Dass Schule krank machen kann, liegt an unterschiedlichen Gründen: Durch das Abi in zwölf statt 13 Jahren muss mehr Stoff in kürzerer Zeit vermittelt werden, die Klassen sind größer, so dass es automatisch lauter ist und die Lehrer weniger Zeit haben, sich mit einzelnen Schülern zu beschäftigen. Aber auch der Leistungsdruck ist gestiegen: Gute Noten sind für viele das Wichtigste – sowohl für Eltern als auch für Schüler. "Es sind häufig Eltern aus der Mittelschicht, wo die Kinder noch besser werden sollen, als man als Eltern selber war und das setzt natürlich Kinder unter Druck, diesem Anspruch vor allem der Eltern zu genügen", beschreibt der Schulpsychologe Ingo Wagenbreth.

Janine geht sogar in die schule, wenn sie krank ist, weil sie keinen Schulstoff verpassen möchte: "Heutzutage kriegt man ohne Schulabschluss gar nichts - man braucht als Kindergärtner schon ein gutes Abi und es sind einfach Anforderungen, wo man sich überlegt: Ich werde zwar krank, aber ich muss trotzdem weitermachen, damit ich mit meinem Leben was anstellen kann", lautet Janines Begründung.

Aber was kann man gegen den Druck tun? Wichtig ist, dass Schüler mindestens einmal am Tag eine Hausaufgaben- und lernfreie Zeit haben. In der Zeit sollten die Kinder und Jungendliche nur das tun, was ihnen Spaß macht. Wenn der Druck trotzdem nicht nachlässt, können Schulpsychologen helfen. "Wenn mein Kind in der Schule gestresst ist, gilt es zu unterscheiden: akuter Stress oder chronischer Stress. Bei kurzfristigem Stress muss man gar nicht so viel machen: Man kann kleine Entlastungen vornehmen. Bei langfristigem Stress, bei dem körperliche Symptomatik eine Rolle spielt, sollte man unbedingt auch einen Arzt konsultieren", rät die Psychologin Rüya Kocalevent.

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