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Kinder- und Haushaltsbetreuung gerecht verteilt - per Vertrag

Kinder- und Haushaltsbetreuung gerecht verteilt - per Vertrag
Unsere Kolumnistin Sandra Bohlender über die Aufgabenverteilung in Familien

Familien-Grundgesetz für die Beziehung: Alles Verhandlungssache?

Familien-Alltag plus Berufstätigkeit ist kein Kindergeburtstag - das ist soweit allgemein bekannt. Rund um die Uhr ist man damit beschäftigt, Termine unter einen Hut zu bekommen, den Haushalt zu schmeißen, Hausaufgaben zu korrigieren, schmackhafte Mahlzeiten zuzubereiten - und nebenbei macht man noch seine Steuererklärung oder wechselt den Stromanbieter. Soweit die Aufgaben einer in Teilzeit arbeitenden Mutter.

Von Sandra Bohlender

Und was sind die Aufgaben eines Vaters? Zunächst mal: Er arbeitet in den meisten Fällen Vollzeit. Oder ist vielleicht Freiberufler. Laut ‚Bundeszentrale für politische Bildung‘ gehen 32 Prozent der Mütter von Kindern unter drei Jahren arbeiten, bei den Vätern sind es 83 Prozent. Und was sind seine Aufgaben im Haushalt - oder in der Kinderbetreuung? Ist es nicht eher so, dass für Aufgaben, die für Mütter als völlig selbstverständlich gelten, die Väter Applaus erwarten? Standing-Ovations fürs Kinderbaden - sozusagen?

Neulich las ich einen interessanten Artikel: Ein (unverheiratetes) Paar mit gemeinsamer zweijähriger Tochter und gemeinsamer Wohnung schloss miteinander einen Vertrag ab - und das schon drei Monate vor der Geburt ihres Kindes. Darin war genau definiert, wer wann die Kinderbetreuung zu übernehmen hat - und zwar immer abwechselnd jeder einen Tag in der Woche. Die betreffende Mutter ahnte in ihrer Schwangerschaft nämlich genau: Die Aufgaben werden sonst nicht gerecht verteilt werden - im Klartext: Der Großteil an Aufgaben in Haushalt und Kindererziehung wird an ihr hängen bleiben.

Die Idee klingt zunächst mal nicht verkehrt: Kein Stress, keine unnötigen Diskussionen, keine Rechtfertigungen, keine neidbedingten Vorwürfe, aber auch kein schlechtes Gewissen - wer frei hat, hat frei. Und alles vertraglich geregelt - Alltagsorganisation quasi per Familien-Grundgesetz verankert.

Ich muss sagen, in unserer Familie lassen wir es eher auf uns zukommen: Jeder versucht grundsätzlich so viel zu schaffen, wie eben geht. Aber da ich an nur zwei Tagen in der Woche arbeite, ist es zwangsläufig so, dass ich mehr Aufgaben im Haushalt erledige. Mein Mann übernimmt aber dafür eher die arbeitsintensiven Sonderaufgaben, wie Backofen oder Küchenschränke richtig saubermachen - oder eben Reparaturarbeiten am Haus. Er hilft den Kindern bei den Hausaufgaben und bekommt auch keinen Nervenzusammenbruch, wenn ich mal nicht da bin. Und dennoch komme ich manchmal in Situationen, wo ich das Gefühl habe, mir zehn Minuten auf-dem-Sofa-sitzen erkämpfen zu müssen.

Verhandeln will gelernt sein - auch in Familien

Vereinbarungen gehen natürlich Verhandlungen voraus - und die wiederum setzen voraus, dass jeder Beziehungs-Partner für sich selbst klarmacht, was er eigentlich will. Wieviel Verantwortung kann und will ich tragen? Wieviel Freiraum brauche ich? Wie viele Kompromisse kann ich eingehen? An solchen Fragen scheitern verfeindete Staaten.

Aber gerecht verteilte Tage heißt nicht unbedingt gerecht verteilte Aufgaben: Das musste auch die Mutter aus besagtem Artikel feststellen. Während ihr Lebensgefährte sich die Rosinen rauspickte und "seine" Tage mit der gemeinsamen Tochter auf Spielplatz oder Kinderbauernhof verbrachte, musste sie an "ihren" Tagen zusehen, wie sie die Wäsche gewaschen, die Küche geputzt oder das Essen gekocht bekam. Letztendlich dachte sie sich, es sei doch einfacher, das Kind allein groß zu ziehen - und bat ihren Lebensgefährten aus der gemeinsamen Wohnung auszuziehen. Was die Unterstützung im Haushalt anging, kam es wohl auf Dasselbe raus.

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