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Kinder loben: Wie Sie mit den richtigen Sätzen Ihr Kind besser motivieren!

Kinder loben oder nicht? Wie Sie Kinder fürs Leben stärken
Loben hat große Auswirkungen auf Kinder - gute aber auch negative. © www.delightimages.com, iStock

Lob - Fluch oder Segen?

Erst denken, dann loben! Mit eigentlich gut gemeintem Lob kann man als Mutter vieles falsch machen, sagt eine US-amerikanische Psychologin. Was auf den ersten Blick sehr positiv klingt, komme in der Psyche des Kindes mitunter ganz anders an. Hui, habe ich bisher also als Mutter in Sachen Kindsmotivation völlig versagt? Durch meine Begeisterung für das gekrakelte Bild verhindert, dass das Kind stark ins Leben startet? Oder kann ich die Sache noch rumreißen? Zumindest klingen die Tipps von Carol Dweck so, als ob man sie in der Praxis (sprich: Familie, Umfeld) anwenden könnte. Auch wenn dazu ein bisschen Arbeit und Umdenken nötig ist.

Von Ursula Willimsky

Um zu verstehen, was die Psychologin meint, haben wir uns ein kleines Denkmodell zusammengeschustert und zunächst die Mutter in den Mittelpunkt gestellt. Zwecks Identifikation und Nachvollziehbarkeit und so. Nehmen wir also eine Mutter, die mit ihrer Arbeit als Erziehungsverpflichtete sehr, sehr unzufrieden ist: "Falsch! Ich habe alles falsch gemacht! Ich bin als Mutter die totale Loserin! Aus den Kindern wird nie was!"

An diesem Punkt kommt das Umfeld ins Spiel. Entweder sagt das Umfeld: "Quatsch. Du bist eine ganz tolle Mutter, eine bessere gibt es nicht auf dieser Welt". Oder das Umfeld sagt: "Hey. Das wird. Du gibst Dir so viel Mühe. Die Pausen-Sandwiches, die Du den Kindern jeden Tag richtest, sind toll!"

Beide Sätze sind als Lob gedacht. Nur: Satz 1 ist recht global und allgemein. Fast klingt es so, als ob 'perfekte Mutter' eine angeborene Eigenschaft ist, wie grüne Augen. Vielleicht setzt der Satz mich sogar unter Druck: Wenn ich wirklich von Haus aus die beste Mutter der Welt bin, dann darf ich doch überhaupt keine Fehler machen, oder? Dann muss alles perfekt sein … und irgendwie ändert es nichts, ob ich mich anstrenge oder nicht.

Satz 2 ärgert mich beim ersten Hören vielleicht ein bisschen ("Pöh! Ich mach doch mehr als Stullen schmieren"). Aber mit dem zweiten Satz kann ich was anfangen. Und vor allem: Auf den kann ich aufbauen. Denn er lobt eine konkrete Sache. Die ich mache. Ich kümmere mich darum, dass die Kinder etwas Anständiges zu essen bekommen. Genauso wie ich ganz konkret Gute-Nacht-Geschichten vorlese und nicht runterleiere. Wie ich ganz konkret aufmerksam zuhöre und nicht nebenher die Mails checke. Und, und, und.

Mamas sollten also Standard-Aufmunterungssätze streichen

Satz 1 ist ein Lob, das mich im Endeffekt sogar runterzieht, denn es wird nichts gelobt, was ich getan habe. Satz 2 motiviert mich. Und genau nach diesem Schema sollen wir Mütter laut Carol Dweck auch unsere Kinder loben. Wenn wir sie denn überhaupt loben.

Die Psychologin der US-amerikanischen Stanford-University forscht seit Jahrzehnten zum Thema Motivation von Kindern. Ihr geht es darum, wie Eltern das psychische Immunsystem ihres Kindes auf Trab bringen können. Das funktioniert wie bei der Stullen-Mama: Werden Kinder pauschal gelobt oder wird jeder ihrer Handgriffe zur Meisterleistung hochgejubelt ("Constanze, Du spielst so wunderbar Geige!") setze das die Kinderseelen unter Druck. Manche werden unsicher, weil sie spüren, dass das Lob nicht ernst gemeint ist ("Hat die Mitleid mit mir?"). Manche fürchten, dass sie im Fall des Versagens die Mama ganz arg enttäuschen ("Ohje, jetzt merkt Mutti, dass ich doch nicht so schlau bin, wie sie immer denkt!"). Sie wagen sich immer seltener an neue Aufgaben, dann kann auch nix schiefgehen. 'Statisches Selbstbild' nennt die Psychologin diese Haltung.

Kinder dagegen, die für ihre Anstrengungen und für ihre Mühe gelobt wurden und werden, entwickelten ein 'dynamisches Selbstbild': Mehr Ausdauer, mehr Spaß am Lernen, größere Lernfortschritte. Warum? Vereinfacht gesagt, weil sie gelernt haben, dass sie selbst beeinflussen können, welche Mathe-Note im Zeugnis steht.

Mamas sollten also Standard-Aufmunterungssätze aus unserem Erziehungsrepertoire streichen. Stattdessen, so rät es Dweck, lieber genau hinschauen und das loben, worüber die Kinder Kontrolle haben. Aus dem Generalurteil "Du malst so toll!" könnte ein "Mir gefällt, dass Du Dir beim Ausmalen der Blumen so viel Mühe gibst" werden. "Du bist ein richtiges Mathe-Genie" könnte durch ein "Bei den Geo-Aufgaben merkt man, dass Du vorher tüchtig gebüffelt hast" ersetzt werden. Dazu muss man sich als Mutter aber auch die Zeit nehmen, genau hinzuschauen und zu erkennen, was das konkret Lobenswerte an dem Bild, der Arbeit, dem aufgeräumten Zimmer ist.

Im Zweifelsfall gibt es übrigens auch noch Version 3: Einfach mal die Klappe halten. Nicht jeder Handgriff des Kindes muss kommentiert und bejubelt werden. Sonst wird auch jedes berechtigte Schulterklopfen wertlos und verpufft ungehört. Und dann darf sich Mama später mal nur wenige Sternchen ins Erziehungsheft kleben…

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