Kinder kriegen Kinder: 7,3 Millionen Teenie-Mütter weltweit

Munni, 18, Indien… wollte keine Kinderbraut sein
© © UNICEF/NYHQ2009-2210/Khemka

Wenn ein Mädchen verheiratet ist, hat es keine Rechte mehr

Schockierende Zahlen: Jährlich werden weltweit 7,3 Millionen Mädchen unter 18 Jahren Mutter, davon sind sogar zwei Millionen Mädchen unter 15 Jahre alt. Warum bekommen so viele Kinder selber Kinder? Und wie kann das verhindert werden?

Gemäß UN-Kinderrechtskonvention wird jede Person unter 18 Jahren als Kind betrachtet. Trotzdem heiraten weltweit jeden Tag 39.000 Mädchen im Alter von unter 18 Jahren, bzw. sie werden verheiratet. Hauptsächlich in Entwicklungsländern wird jedes fünfte Mädchen (19 Prozent) schwanger, bevor es 18 Jahre alt wird. Pro Jahr bekommen 7,3 Millionen Mädchen in Entwicklungsländern ein Kind vor ihrem 18. Geburtstag – das sind 20.000 Mädchen pro Tag. Täglich sterben fast 200 Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren in Entwicklungsländern an Komplikationen während der Schwangerschaft oder bei der Geburt. Das sind die schockierenden aktuellen Zahlen, die der Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) nun vorgelegt hat.

"Wenn Mädchen Mütter werden - Herausforderung Teenagerschwangerschaft"

Laut Weltbevölkerungsbericht leben 95 Prozent der Teenie-Mütter in den ärmsten Regionen der Welt, in Teilen von Afrika südlich der Sahara, Südamerika und Asien. Manche Mädchen werden von ihrer Familie mit einem Mann verheiratet, noch bevor sie in die Pubertät kommen. Sie dürfen nicht mehr in die Schule gehen und sind ihrem Ehemann ausgeliefert. Sobald ein Mädchen heiratet, wird für gewöhnlich von ihm erwartet, dass es ein Kind bekommt. Ungefähr 90 Prozent der Schwangerschaften Jugendlicher in Entwicklungsländern betreffen verheiratete Mädchen.

Kaum ein Mädchen unter 18 Jahren oder gar 15 Jahren entscheidet sich bewusst für eine Schwangerschaft. Im Gegenteil: Teenagerschwangerschaften sind in aller Regel eine Folge von fehlenden Wahlmöglichkeiten. Denn wenn das Mädchen erst einmal verheiratet ist, hat es keine Rechte mehr.

Es gibt für eine Familie viele Gründe, einer Kinderehe zuzustimmen: Besonders arme Eltern möchten die Zukunft ihrer Tochter absichern. Manche Familien wollen durch Kinderehen Bündnisse schließen, Schulden begleichen oder Streitigkeiten beilegen. Andere möchten sich von der Bürde befreien, dass sie eine Tochter bekommen haben. In extremen Fällen wollen sie mit dem Verkauf des Mädchens Geld verdienen. Dabei sind Kinderbräute in der Folge meist häuslicher Gewalt, sexuell übertragbaren Infektionen und ungewollten Schwangerschaften ausgesetzt.

"Weltweit steigt die Wahrscheinlichkeit einer frühen Schwangerschaft, wenn die Mädchen arm und wenig gebildet sind, wenn sie in einer ländlichen Region leben und wenn sie einer ethnischen Minderheit angehören", sagt UNFPA-Direktor Werner Haug. Viele Staaten versuchen per Gesetz, Kinderehen zu verhindern. Allerdings werden diese selten konsequent durchgesetzt: In Indien etwa heiraten zwar 47 Prozent der Mädchen, bevor sie 18 Jahre alt sind, es wurden aber gerade einmal elf Personen dafür verurteilt.

Bildung schützt vor ungewollter Schwangerschaft

Der Bildungsgrad ist nach wie vor ausschlaggebend für das Heiratsalter von Mädchen. Weil Schulmädchen als Kinder betrachtet werden und nicht als Mädchen im heiratsfähigen Alter, hat der Schulbesuch eine schützende Wirkung. Sobald ein Mädchen aber die Schule verlässt, wird von ihm Sex und Heirat erwartet.

Auch in Deutschland wurden im Jahr 2010 rund 9.000 Mädchen unter 18 Jahren schwanger, davon entschieden sich rund 50 Prozent für ein Kind. Auch hier ist mangelnde Bildung eine Hauptursache für eine Schwangerschaft: Eine Hauptschülerin wird mit einer fünf Mal höheren Wahrscheinlichkeit schwanger als eine Gymnasiastin. Zudem kommen die Jugendlichen mit der Verhütung nicht gut klar. Allerdings sind die Zahlen weiterhin rückläufig: „Das ist eine sehr erfreuliche Entwicklung, die uns zeigt, dass Sexualaufklärung ankommt“, so DAK-Ärztin Elisabeth Thomas. „Allerdings gibt es weiterhin viel Handlungsbedarf, um noch mehr junge Mädchen vor einer Schwangerschaft zu schützen.“

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