Kinder anschreien: Anbrüllen ist schlimmer als Schlagen!

Kinder anschreien: Anbrüllen ist schlimmer als Schlagen!
© deutsche presse agentur

Welche Strategie hilft gegen Schreianfälle?

Forscher der Universität Pennsylvania haben herausgefunden, dass man kleine Kinder besser nicht anbrüllen sollte. Denn das sei eine Form der Gewaltausübung und schädlich für die kindliche Entwicklung. Regelmäßig angebrüllte Kinder seien oft schlecht in der Schule, sie würden gar depressiv, heißt es weiter.

Von Christiane Mitatselis

Das Ergebnis der Studie wird keinen klar denkenden Menschen erstaunen. Einen Schwächeren anzubrüllen und einzuschüchtern, ist ein aggressiver Akt. Wird man als Erwachsener im Job etwa vom Chef angeschrien, fühlt man sich auch schlecht, gedemütigt, geohrfeigt, erniedrigt, hilflos. Die Leistung kann leiden, ein Burn-out nicht ausgeschlossen werden.

So weit, so selbstverständlich. Das eine jedoch ist die Erkenntnis und das andere die Praxis – und hier schließt sich die Frage an. Was kann ein durch kindliches Dauergeplärre hochgradig gereiztes Elternteil tun, um nicht auszurasten und das Kind entgegen der eigenen Überzeugung anzubrüllen? Welche Strategie kann helfen, nicht die Nerven zu verlieren, wenn sich die Tochter oder der Sohn zum zehnten Mal in einer Stunde auf den Boden wirft, weil es die Wände nicht mit seinen Wachsmalstiften bekritzeln darf? Oder einen Supermarkt zusammenbrüllt, weil es kein drittes Überraschung-Ei bekommt?

Eltern können Grenzen setzen - auch ohne zu brüllen

Was tun? Natürlich, man atmet durch, trinkt vielleicht ein Glas Wasser, versucht sich zu beruhigen und klare Gedanken zu fassen - Gedanken wie diese:

Eltern sollten keine Gewalt ausüben, weder verbal noch physisch. Sie haben aber das Recht, dem Kind mitzuteilen, dass es nervt und sich zusammenreißen sollte. Wer in klarer und deutlicher Stimme ein unfreundliches „Es reicht!“ ausspricht, muss sich nicht schlecht fühlen. Es gibt Grenzen, für deren Einhaltung Eltern kämpfen sollten. Kinder müssen lernen, ihre Bedürfnisse mit denen der Umwelt in Einklang zu bringen, auch das gehört zu einer gesunden, kindlichen Entwicklung.

Vor lauter Angst, zu autoritär zu sein, vergessen das aber manche Mütter und Väter. Sie diskutieren dann im Supermarkt lieber mit einem Dreijährigen über seinen Süßigkeiten-Konsum - anstatt einfach und bestimmt zu sagen: „Du hattest genug. Punkt.“ Im schlimmsten Fall zieht man sich sonst einen kleinen Tyrannen heran, der die Eltern regelmäßig austrickst, um seinen Willen durchzusetzen. Kinder, die keine Frustrationstoleranz entwickeln, haben im Leben auch ein Problem – oder werden zum Problem für andere.

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