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Kind raucht - was tun?

Kind raucht - was tun?
© dpa, Tobias Hase

Wie halte ich mein Kind vom Rauchen ab?

Lisa war überzeugt, dass sie das mit dem Rauchen ganz ordentlich geregelt hatte: In der Wohnung war absolutes Rauchverbot, eine Zigarette zündete sie sich nur an der frischen Luft an. Auf der Terrasse oder im Café. Ihre Kinder waren zwar dabei, wenn sie rauchte, aber sie hatte ihnen noch nie zugemutet, in einem verqualmten Raum zu sein. Ganz aufzuhören, das schaffte sie nicht, aber die paar Zigaretten draußen würden den Kindern ja wohl nicht schaden. So dachte sie, bis ihre Vierjährige sich aus einem Papierstreifen ein Röhrchen rollte, es sich in den Mund steckte und freudestrahlend verkündete: "Mama, ich spiel 'rette rauchen!" Wie halte ich mein Kind vom Rauchen ab? Für Nichtraucherinnen genauso ein Thema wie für Raucherinnen.

Von Ursula Willimsky

Selbst Superstars wie Madonna plagten sich mit diesem Problem herum: Sie hat ausgerechnet ihre Vorzeigetochter Lourdes beim Rauchen erwischt und war "horrified". Um das Kind erst gar nicht in die Nikotin-Sucht abgleiten zu lassen, wurde Madonna aktiv. Sie versprach Lourdes ein riesiges Geldgeschenk (die genaue Summe ist nicht bekannt, nur, dass sie sehr hoch ist), wenn das Mädchen nie wieder eine Zigarette anrührt. "Typisch Popstar!" möchte man da ausrufen, "die glauben auch, dass man für Geld alles kaufen kann, sogar die Gesundheit der Kinder!".

Aber so falsch liegt Madonna gar nicht. Selbst die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rät dazu, mit Belohnungen zu arbeiten, wenn das Kind bereits Kontakt zu Zigaretten hatte: "Treffen Sie eine Vereinbarung mit Ihrem Kind, die ein klares Ziel, einen bestimmten Zeitraum und eine konkrete Belohnung beinhaltet. Auch kleinere Belohnungen in kürzeren Abständen können für Ihr Kind ein Anreiz und eine Anerkennung sein."

Strafen bringen wenig

Danach hilft nur Abwarten, Hoffen - und Nachhaken. Schließlich sind Vereinbarungen ja da, um eingehalten zu werden. Von Strafen oder der Androhung fieser Konsequenzen raten die Experten dagegen dringend ab: Das würde so manchen Jugendlichen nur dazu verleiten, heimlich zu rauchen und so die Eltern zu hintergehen. Also lieber positiv motivieren - und nicht all zu viel rumnörgeln. Gerade Jugendliche brauchen das Gefühl, es allein geschafft zu haben. Und wenn's zur Belohnung eine cooles Smartphone oder einen Zuschuss zum Führerschein gibt - um so besser.

Aber eigentlich fängt die Raucher-Prävention natürlich viel früher an. Indem die Eltern erst gar nicht rauchen oder wie Lisa endlich damit aufhören. Wenn für Kinder der Qualm erst gar kein vertrauter Geruch ist, wenn sie gar nicht erst lernen, dass Zigaretten ganz selbstverständlich zum Alltag dazugehören, sinkt die Gefahr, dass sie selbst später einmal Raucher werden. Aber auch Eltern, die selbst nicht von ihrer Sucht loskommen, haben die Chance, ihren Nachwuchs clean zu halten: Sie müssen nur klipp und klar dazu stehen, was Rauchen bedeutet.

Möglichst früh über Risiken und Nebenwirkungen aufklären heißt die Devise. Am besten schon im Grundschulalter. Da lehnen die Kinder das Rauchen ohnehin noch völlig ab, der Reiz des Verbotenen beginnt erst mit elf, zwölf Jahren. Schafft es ein Kind, die Pubertät rauchfrei zu durchstehen, hat es übrigens gute Chancen, nie zum Raucher zu werden. Die wenigsten fangen erst mit 19 mit der Qualmerei an.

Außerdem gilt Nikotin vielen als "Einsteigerdroge". Rauchfreie Teenager konsumieren deutlich weniger Alkohol oder Haschisch als ihre rauchenden Freunde. Allein dieser Aspekt sollte Grund genug sein, das Kind selbstbewusst und stark zu machen. Damit es nicht rauchen muss, um sich cool zu fühlen. Selbst das beliebte "aber alle anderen rauchen doch auch", lässt sich entkräften. Einfach mal durchzählen: Statistisch gesehen raucht jeder fünfte Jugendliche. Das ist natürlich viel zu viel - aber es sind eben bei weitem nicht alle. Lassen Sie Ihr Kind den Freundeskreis durchchecken - es wird schnell merken, dass die meisten Jungs aus dem Sportverein und Mädchen aus der 10. Klasse nicht rauchen und trotzdem keine Außenseiter sind.

Von einer beliebten Erziehungsmethode rät die BZgA allerdings etwas ab. Eltern sollten keine Horrorszenarien aufbauen im Stil von: Später wirst Du es mal bereuen; wenn Du erwachsen bist, kannst Du krank werden... so etwas blenden Jugendliche gerne aus ("mich wird's schon nicht erwischen"). Stattdessen sollte man sachliche Argumente finden, die schon im hier und jetzt greifen: Fieser Mundgeruch. Geldmangel. Schlechtere Leistungen beim Sport - so etwas wünscht sie kein Teenager. Dann doch lieber eine schöne Belohnung, wenn's auch ohne Zigarette geht.

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