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Kind krank - und was ist mit dem Job?

Kind krank - und was ist mit dem Job?
© Gennadiy Poznyakov - Fotolia

Welche Rechte haben berufstätige Mütter und Väter

Das kam bei seiner Belegschaft nicht gut an: AOL-Chef Tim Armstrong begründete Einsparungen bei den Renten-Zuschüssen, weil AOL für zwei kranke Babys der Mitarbeiter bereits zuviel bezahlt habe: "2012 kamen zwei Babys von AOLern krank zur Welt. Wir bezahlten jeweils eine Million Dollar, um sicherzustellen, dass es den Babys insgesamt gut geht. Solche Dinge treiben unsere Zuwendungen in die Höhe." Armstrong hat sich mittlerweile entschuldigt und die Entscheidung zurückgenommen. Das ist zwar ein krasser Fall, aber dennoch für uns Anlass genug zu fragen: Wie sieht es bei uns in Deutschland aus, wenn Kinder krank werden? Sind Chefs und Kollegen immer verständnisvoll und was sind eigentlich die Rechte von berufstätigen Müttern und Vätern?

Von Jutta Rogge-Strang

Ich selber spreche da aus bitterer Erfahrung: Vor Jahren hatte erst eine Tochter Windpocken, und als sie gerade wieder gesund war, kam die nächste Tochter dran. Das Schöne an Windpocken ist: Sie sind sehr ansteckend und die Kinder müssen zuhause in Quarantäne bleiben. Sonst hatte immer die Oma ausgeholfen, damit ich zur Arbeit gehen konnte. Das fiel dieses Mal aus, denn nur ich hatte als Kind Windpocken gehabt und war immun. Das waren also 20 Tage am Stück, die ich zu Hause verbringen musste. Das war nicht lustig, weder für mich noch für meinen Arbeitgeber.

Immerhin sind in Deutschland die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gesetzlich abgesichert: Sie dürfen von der Arbeit freigestellt werden, wenn sie ihr krankes Kind pflegen müssen. Dazu reicht ein Attest vom Arzt und eine Begründung, warum sich niemand sonst um das Kind kümmern kann. Bezahlt wird die Arbeit aber nur dann, wenn man nur für kurze Zeit (maximal fünf Tage) nicht zur Arbeit gehen kann. Bei einer unbezahlten Freistellung zahlt die gesetzliche Krankenkasse ihren Versicherten Krankengeld - aber natürlich nicht den vollen Verdienstausfall.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat aufgelistet, wie lange der Freistellungszeitraum ist: Elternpaare haben pro Kind und Elternteil Anspruch auf zehn Arbeitstage im Kalenderjahr, bei mehreren Kindern maximal 25 Arbeitstage je Elternteil. Für Alleinerziehende gelten pro Kind 20 Arbeitstage im Kalenderjahr, bei mehreren Kindern maximal 50 Arbeitstage.

Kind krank - für berufstätige Eltern ein großer Stressfaktor

Die gesetzlichen Absicherungen sind schon mal gut. Denn viele Eltern wissen, wovon ich rede: Morgens hat das Kind auf einmal Fieber und man steht schlagartig ganz dumm da. Gut, wenn die Oma in der Nähe wohnt und blitzschnell einspringen kann. Blöd, wenn entweder keine Oma da ist oder eben nicht um die Ecke wohnt. Denn eines kann man bei aller Anstrengung nicht schaffen: Zur selben Zeit an zwei verschiedenen Orten sein.

Arbeitskollegen ohne eigene Kinder mögen da vielleicht verständnislos den Kopf schütteln: Denn die Arbeit muss getan werden und verteilt sich dann auf die anderen Kollegen. Die meisten verstehen allerdings die Zwickmühle, in der Eltern stecken. Und wer schon einmal ein krankes Kind betreut hat, weiß, dass es nicht mit Zäpfchen und Fiebersaft getan ist. Da müssen Tränen getrocknet werden, das Köpfchen gestreichelt und Tee und Lieblingsessen gekocht werden, Kuscheleinheiten inklusive. Und dann heißt es beten, dass das Kind oder die Geschwister nicht allzu bald schon wieder krank werden. Denn bei den Arbeitskollegen und auch den Chefs ist die Geduld trotz allem begrenzt.

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