Kind ist homosexuell: So erleichtern Sie ihm das Outing

Kind ist homosexuell: So erleichtern Sie ihm das Outing
Homosexuell - So gehen Sie vertrauensvoll mit dem Outing Ihres Kindes um © Franz Pfluegl

Was tun, wenn Ihr Kind homosexuell ist?

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine 14 Jahre alte Tochter. Und Sie haben den Eindruck, dass Ihr Kind homosexuell ist. Was tun Sie? Warten Sie einfach ab, was passiert? Sollen sie es ansprechen – oder ist das zu aufdringlich, gar neugierig? Gibt es überhaupt das richtige Verhalten, damit für Ihr Kind das Outing nicht zur Höllenqual wird?

Von Caroline Menéndez

Im Internet sorgt gerade eine Outing-Geschichte für Aufsehen. Ein Vater in den USA belauscht ungewollt ein Telefonat seines Sohnes Nate, der mit seinem Freund bespricht, wie er es seinen Eltern am Besten sagen kann, dass er schwul ist. Der Vater hinterlässt ihm daraufhin eine Notiz, auf der nur das steht: „Nate, ich habe gestern Nacht dein Telefongespräch mit Mike mitangehört und so von deinen Coming-out-Plänen erfahren. Das einzige, was du planen solltest, ist nach dem Unterricht Orangensaft und Brot mit nach Hause zu bringen“. Und: „Ich weiß, dass du schwul bist, seit du sechs bist. Ich liebe dich seit deiner Geburt. Dad.“

Sehr rührend und tolerant, sicher. Die Notiz erfreut sich zurecht bei Facebook großer Beliebtheit, dennoch enthält sie aus meiner Sicht eine problematische Passage. Kann man als Vater oder Mutter wirklich sicher wissen, dass ein sechsjähriges Kind homosexuell wird? Oder anders ausgedrückt: Woran will man es festmachen? Womöglich an den üblichen Klischees? Ein Mädchen, das burschikos daherkommt, auf Puppen pfeift und nie Kleider tragen will, wird genauso wenig automatisch lesbisch, wie ein Junge schwul wird, der schon als kleines Kind Eiskunstläufer als Wunschberuf angibt. Es gibt lesbische Frauen mit langen Haare, die gern hohe Schuhe tragen – und Schwule die wie „echte Männer“ gut Fußball oder Eishockey spielen.

Homosexualität - So vermitteln Sie Ihrem Kind genug Vertrauen für ein Outing

Ich glaube, Eltern sollten vor allem entspannt sein, nichts erwarten, ihr Kind einfach machen lassen und ihm das Gefühl geben, dass es sein darf, wie es ist. Vor ein paar Tagen sah ich einen Auftritt, des (bekennend schwulen) High-Heels-Experten Jorge González im Fernsehen, der aus dem Macholand Kuba stammt, in dem Homosexualität verachtet wird. Er hatte ein enges Verhältnis zu seiner Oma, die, als Jorge heranwuchs, einmal zu ihm sagte: „So wie du bist, bist du gut.“ Das habe ihm sehr geholfen, berichtete er.

Im intoleranten Kuba konnte die Oma wohl nicht mehr für den Jungen tun. Aber wie sieht es im fortschrittlichen Deutschland aus? In der Pubertät kristallisiert sich irgendwann die sexuelle Ausrichtung eines Kindes heraus. Was also tun, wenn die Tochter ganz eng mit einer Freundin ist und sich nicht im Geringsten für Jungs interessiert?

Sollte man die Gretchen-Frage stellen – nach dem Motto: „Sag, Tochter, bist du lesbisch? Du kannst es mir ruhig sagen, es wäre nicht schlimm, denn ich bin die toleranteste Mutter des Planeten!“ Natürlich nicht. So würde man ein Kind überrumpeln. Wer an seine eigene Pubertät zurückdenkt, der wird sich daran erinnern, dass er heikle Dinge immer zuerst mit gleichaltrigen Freunden – und nicht mit den Eltern - besprochen hat.

Wie tolerant das Umfeld auch immer ist, in dem ein Kind aufgewachsen ist – es kostet Energie, sich einzugestehen, dass man anders ist als die meisten anderen. Niemand kann zu einem Outing gezwungen werden, irgendwann wird der Zeitpunkt kommen. Den bestimmt aber das Kind, und nicht die Eltern, die sich ihrerseits auf keinen Fall irgendwelche Vorwürfe machen sollten.

Homosexualität ist genauso normal wie Heterosexualität; sie ist keine Folge schlechter Erziehung oder gar eine Krankheit; und deshalb nicht heilbar, etwa durch Psychotherapie oder ganz viel Beten. Ich erwähne das aus aktuellem Anlass, da der neue - ach so liebe und bescheidene - Papst Jorge Bergoglio alias Franziskus die Schwulenehe in seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires als „Angriff auf den Plan Gottes“ und „Werk des Teufels“ bezeichnete.

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