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Kennengelernt im Internet: Warum ist diese Art von Liebe vielen so peinlich?

Am 24. Juli ist der 'Tag der virtuellen Liebe'
Am 24. Juli ist der 'Tag der virtuellen Liebe' Wie Online-Dating funktionieren kann 00:02:44
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Online kennengelernt – Offener Umgang mit der virtuellen Liebe

Zu den Lieblingsbeschäftigungen glücklicher Paare gehört, anderen und auch unter einander in regelmäßigen Abständen diese eine spektakuläre Geschichte zu erzählen: wie man sich kennengelernt hat. Die Geschichte des sich-Verliebens wird mystisch überhöht, sie gilt als Fingerzeig von ganz oben. Frau und Mann haben sich selbstverständlich nicht rein zufällig getroffen, zur selben Zeit am selben Platz, oh nein, diese Begegnung umweht etwas Spirituelles, etwas Heiliges, diese Liebe war von jeher ins Buch der Geschichten der großen Lieben eingeschrieben. Nicht umsonst haben sich die Menschen in der Antike vorgestellt, dass Amor mit einem Pfeil in die Herzen jener schießt, die sich verlieben sollen. Hinter Liebe steckt einfach ein genialer göttlicher Plan.

Kennengelernt im Internet: Warum ist diese Art von Liebe vielen so peinlich?
© Mihailo Milovanovic

Von Birgit Ehrenberg

Was aber ist mit all den Paaren, die sich in den Zeiten des Internets gefunden haben – über ein Dating-Portal? Diese Story ist den meisten zu banal, deshalb wird oft geflunkert, wenn es darum geht, zu berichten, wo man sich zum ersten Mal über den Weg gelaufen ist. Um den Leuten Mut zu machen (und sicher auch, um für sich zu werben) haben Betreiber von Online-Liebesbörsen 2001 beschlossen: Wir rufen den Tag der virtuellen Liebe aus! Möge sich jeder dazu bekennen, dass er sich mit Hilfe der Internet-Kommunikation verliebt hat.

Wie finden wir das?

Mir gefällt dieser Zuruf an jene Paare, die ihr Glück dem Netz zu verdanken haben. Warum sollte man das verschweigen? In Wahrheit sind solche Geschichten doch genauso romantisch wie die anderen. Man kann Abende damit füllen, zu erzählen, wie das Profil des Partners zum ersten Mal aufgeploppt ist, wie man dachte: Der ist es! Gänsehaut! Oder wie man vielleicht dachte: Der ist es nicht, jedenfalls nicht auf den ersten Blick, triff Dich trotzdem mit ihm, sympathisch ist er durchaus, gib ihm eine Chance.

Dann – das erste Date, und es hat ‘Bumm‘ gemacht, weil man nach einer halben Stunde spürte, dass man einen Seelenverwandten vor sich hat. Variante: Man erlebt dieses Wunder erst beim dritten Date, kurz bevor man die Sache aufgeben wollte.

Ich kann nur empfehlen, beim Dokumentieren der eigenen Liebesgeschichte bei der Wahrheit zu bleiben, denn diese Wahrheit stärkt die Liebe und lässt sie immer wieder in neuem Glanz erstrahlen. Das kann man doch getrost noch seinen kleinen Enkeln als wahres Märchen ins Ohr säuseln, wie man an diesem einen legendären Abend vor vielen vielen Jahren eigentlich um 22 Uhr ins Bett gehen wollte und plötzlich (einer Eingebung folgend) spontan entschied: Ich will kein Single mehr sein, ich erstelle jetzt ein Profil. Und der Partner hat an dem Abend das Gleiche gedacht. Also wenn das nicht spirituell ist.

Das sind Geschichten mit Tiefe. Es existieren sicher viele virtuelle Paarfindungen, die sehr wohl von oben gesteuert sein können. Ich gehe davon aus, dass Amors Pfeile auch im Internet vorzüglich treffen. Studien berichten von Internet-Paaren übrigens mehr als Erfreuliches. Sie ziehen früher zusammen, sie bekommen früher Babys. Sie haben sich virtuell kennengelernt, ihre schöne Liebe findet im richtigen Leben statt.

Viel Freude beim Erzählen Eurer Liebes-Geschichten!

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