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Keine Zeit für die Familie?

Keine Zeit für die Familie?
© dpa, Patrick Pleul

Familie und Beruf zu vereinbaren ist schwierig

Im Jahr 2012 bewegen sich Familien am Rande des Nervenzusammenbruchs. Arbeitsbelastung, Kinderbetreuung, Hausarbeit: Es fehlt an der gemeinsamen Zeit, so eine aktuelle Studie. Auch Zeit für die Beziehung zwischen den Eltern bleibt auf der Strecke.

Von Jutta Rogge-Strang

Im Hauptberuf bin ich Taxi-Fahrerin. Das hat Vorteile: Man lernt die Stadt gut kennen, hat das Verkehrsaufkommen zu verschiedenen Uhrzeiten perfekt im Griff, und man ist gut organisiert, denn man muss ja immer pünktlich sein. Dabei lernt man viele Leute kennen: Ein Heer von Taxi-fahrenden Müttern quält sich nachmittags durch deutsche Innenstädte, um die lieben Kleinen wegzubringen oder abzuholen, da bleibt zwischendurch auch mal Zeit für einen kleinen Schwatz.

Montags ist es bei uns immer am schlimmsten: Nach der Schule wird schnell gegessen, dann geht's zum Musikunterricht und danach zum Sport. Das gilt natürlich für zwei Kinder, die natürlich nicht dieselben Vereine haben. Die Termine ließen sich leider nicht anders legen - Pech für die Familie und besonders für die Taxi-Mama.

Dabei haben wir die anstrengendsten Termine schon gecancelt: Am Wochenende haben wir jetzt nur noch einen Sporttermin mit nur einem Kind. Das ist angenehm, denn in der Woche kommt man alleine schon richtig ins Rotieren: Einkaufen, Kochen, Hausarbeit, Taxi-Fahren, Organisieren, Telefonieren und nebenbei noch ein klitzekleines bisschen im erlernten Job arbeiten. Da wäre es praktisch, wenn man sich kurz mal zweiteilen könnte.

Mit meinem Dauerstress bin ich aber nicht allein: Berufstätige Mütter leiden laut einer neuen Studie der Firma Vorwerk besonders unter der Mehrfachbelastung. Mehr als die Hälfte der befragten Frauen haben angegeben, in ihrer Freizeit nur selten entspannen zu können. Kein Wunder, denn die Freizeit fängt im Zweifelsfall erst spätabends an. Denn 29 Prozent sind auch nach Feierabend für Kollegen, Kunden oder Vorgesetzte ansprechbar. In erster Linie betrifft das leitende Angestellte: Mit ein bisschen Glück ist endlich Ruhe, wenn sie ins Bett gehen. Kein Wunder, dass berufstätige Mütter sich dringend nach einem sehnen: auch mal Zeit zu haben für sich selbst.

Familie kommt zu kurz

Insgesamt fehlt jedoch die gemeinsame Zeit mit der Familie: Auch abends oder am Wochenende klappt das nicht unbedingt. Laut Umfrage wünschen sich 83 Prozent der Befragten mehr Familienzeit - aber nur 28 Prozent können das verwirklichen. Das ist ein Unterschied von 55 Prozent! Da heißt es, kreativ zu werden: Was machen eigentlich Oma und Opa so den lieben langen Tag?

Vielleicht wäre ein Mehrgenerationenhaus eine Lösung: Immerhin bezeugen 76 Prozent der Befragten ihr Interesse, 51 Prozent könnten sich sogar ganz real vorstellen, in solch einem Haus zu leben. Da kaufen dann die Jüngeren für die Älteren ein oder erledigen Besorgungen, während die Älteren auf die Kinder aufpassen. Auch mal Abends. Aber man will ja nicht klagen! Kino- oder Restaurantbesuche in trauter Zweisamkeit werden doch eigentlich überbewertet.

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