Keine Strafe: Heiratsschwindler darf über 200.000 Euro behalten

Heiratsschwindler: Schützt die Privatinsolvenz vor Strafe?

Ein Heiratsschwindler hat Kerstin Jung um mehr als 200.000 Euro betrogen. Sie klagt und bekommt vor Gericht Recht - das Geld allerdings nicht mehr. Denn der Schwindler hat Privatinsolvenz angemeldet.

Ein Heiratsschwindler hat Kerstin Jung um mehr als 200.000 Euro betrogen. Sie klagt und bekommt vor Gericht Recht - das Geld allerdings nicht mehr.
Kerstin Jung hofft, mit ihrer Geschichte andere Frauen vor Heiratsschwindlern warnen zu können.

Kerstin Jung ist momentan nur noch ein Schatten ihrer selbst. Vor drei Jahren hatte sie noch ein glückliches Leben, verdiente recht gut – hatte eine gesunde Figur. Jetzt wiegt die ehemalige Teamleiterin eines Großunternehmens nur noch 37 Kilo und kann auch nicht mehr arbeiten. Ihr Haus muss die 51-Jährige wohl bald aufgeben.

Schuld an der miserablen Situation ist angeblich ein Heiratsschwindler. Vor fünf Jahren lernte die Geschäftsfrau aus Hamburg einen Mann in einem Online-Chat kennen, er wohnte 300 Kilometer entfernt von ihr. Kerstin war sofort Feuer und Flamme. Doch schon beim ersten Treffen fragte der Mann nach 50 Euro – Kerstin schöpft noch keinen Verdacht.

Dabei blieb es allerdings nicht. Nachdem Kerstin verliebt ist, tischt er ihr eine Geschichte auf, die sie erstmals zweifeln lässt. "Irgendwann rückte er mit der Sprache raus: Er hätte so viele Schulden, dass er keinen anderen Ausweg mehr sieht, außer gegen einen Baum zu fahren", erinnert sie sich. Doch er ist nett, Charmant und bringt ihr regelmäßig Geschenke.

200.000 Euro für Prostituierte ausgegeben?

Kerstin glaubt dem Mann seine Geschichte und nahm zwei Kredite auf – einen über 150.000 Euro, den zweiten für 60.000 Euro. Aber der 46-Jährige gab sich mit den insgesamt 210.000 Euro nicht zufrieden. Immer wieder betonte er, dass er Kerstin heiraten möchte. Kerstin glaubte ihm, griff noch tiefer in die Tasche, belastete ihr Haus.

Dann der Schock: Eines Tages fand sie Notizzettel mit Telefonnummern in seinem Auto. Es waren über 40 Nummern von anderen Frauen. Es stellte sich heraus, dass es Prostituierten waren. Nach dem Sie ihn mit den Nummern der Frauen konfrontierte, taucht er ab. Erst dann begann Kerstin zu verstehen, dass sie wahrscheinlich auf einen Heiratsschwindler hereingefallen war.

Sie klagte vor Gericht ihr Geld ein und bekam Recht: Über 200.000 Euro müsste ihr Ex an sie zahlen. Aber dieser meldete Privatinsolvenz an, hat angeblich kein Geld mehr. Da Kerstin mit ihren Kräften am Ende ist, hat sie sich Hilfe bei Evelyne Kern gesucht. Auf ihrer Internetseite '1001geschichte.de' bietet sie Opfern von Heiratsschwindlern Hilfe an. Um den Verlust verarbeiten zu können, fängt Kerstin nun eine Therapie an. Sie hofft auch zusammen mit der Bank einen Weg zu finden, dass sie zumindest ihr Haus behalten darf.

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