Keine nackten Frauen im Playboy: Das Erotik-Magazin wird züchtig

Cover des Playboy mit Kate Moss
Der Playboy will künftig züchtiger werden. Aber warum eigentlich? © dpa, Chris Melzer

Keine nackten Frauen mehr im Playboy?

Es ist angeblich kein Witz: Der Playboy will künftig keine Fotos nackter Frauen mehr zeigen. Im März 2016 soll es so weit sein. Die gedruckte Ausgabe erscheint dann in einem neuen Design. Ein Playmate des Monates soll es weiterhin geben, allerdings werden die Frauen nicht mehr blank ziehen.

Von Christiane Mitatselis

Es klingt genauso verrückt als würde der Kicker plötzlich ankündigen, bei ihm gebe es keine Fußballer-Fotos mehr zu sehen. Es scheint aber ernst gemeint zu sein. Der Playboy, das legendäre Männer-Magazin, will züchtig werden und Frauen ab März nicht mehr hüllenlos abbilden.

Im Internet-Zeitalter will sich das Magazin ein neues Images geben, Playboy-Chef Scott Flanders erklärt sein Vorhaben in der "New York Times" so: "Man ist heute gratis nur einen Klick von allen vorstellbaren sexuellen Handlungen entfernt." Davon wolle sich der Playboy abgrenzen. Firmen-Gründer Hugh Hefner (89), der 1953 den ersten Playboy herausgab, hat laut Scott bereits sein okay gegeben.

Das Magazin will weiter Fotos von Frauen in provokanten Posen publizieren. Nackt sollen sie aber nicht mehr sein, sodass der Playboy auf Instagram, Facebook etc. mitmischen kann, wo Nacktfotos nicht zugelassen sind. Offenbar ist das von vitalem Interesse für das Magazin, dessen Print-Auflage von 5,6 Millionen Exemplare weltweit im Jahr 1975 auf 800.000 geschrumpft ist.

Der Playboy wolle ein saubereres Image pflegen, sagt Chefredakteur Cory Jones, denn das sei moderner. Die Zeiten und Ansprüche des Publikums hätten sich geändert. Sein Argument: Nachdem der Playboy im August 2014 begonnen hatte, auf seiner Homepage weniger nackte Haut, dafür mehr Lifestyle- und Popkultur-Geschichten zu publizieren, soll das durchschnittliche Alter der User von 47 auf 30 Jahre gesunken sein. Zudem sollen die Besucher-Zahlen von vier auf 16 Millionen pro Monat gestiegen sein.

Hat Nacktheit im Playboy ihren Reiz verloren?

Man kann schließen: Pornographische Fotos werden im Internet so inflationär verbreitet, dass sie ihren Reiz verloren haben – zumindest den Reiz des Verbotenen. Der Playboy will also ein paar Schritte zurückgehen und versuchen, Leser durch bravere, aber gut gemachte Fotos schöner Frauen zu gewinnen. Und durch anspruchsvolle Lektüre. Es ist lustig: Die beliebteste Ausrede, mit der Männer den Kauf des Playboys rechtfertigen, sind die tollen Reportagen und Interviews. Aus dem Vorwand soll nun eine Wahrheit werden.

Vom Image-Wandel ist der Playboy allerdings noch ein gutes Stück entfernt. Ein kurzer Blick auf playboy.de ergab: Alles wie gehabt, fünf Klicks, fünf Fotos teilweise komplett nackter Frauen. Vielleicht ist alles doch nur ein Witz - oder eine PR-Strategie, um in die Schlagzeilen zu kommen? Womöglich werden die Playboy-Leser rebellieren, sodass das Magazin im März einlenkt - und doch nicht jugendfrei wird.

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