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Keine Elternzeit - und trotzdem ein guter Vater

Keine Elternzeit - trotzdem ein guter Vater
Sebastian hat ein tolles Verhältnis zu seiner Tochter - obwohl er keine Elternzeit genommen hat.

Entscheidung für die Karriere, aber nicht gegen das Kind

Vor fünf Jahren war es noch eher ungewöhnlich, dass Väter eine Zeit lang zu Hause geblieben sind, um die Kinderbetreuung zu übernehmen. Mit Einführung des Elterngeldes wendete sich das Blatt. Wenn die meisten auch nur für zwei Monate mit dem Job aussetzen – immerhin! Dass ein Vater überhaupt keine Elternzeit nimmt, ist heute eher die Ausnahme. Sebastian ist einer dieser Väter.

Seine Frau ist nach der Geburt der kleinen Leonie vor fünf Jahren zu Hause geblieben und hat ihm damit den Rücken frei gehalten, damit er seine Karriere vorantreiben konnte. "Es war in erster Linie eine Entscheidung aus finanziellen Gründen – eine ganz einfache Rechenaufgabe. Meine Frau verdiente einfach nicht genug. Dazu hätten wir nur noch 67 Prozent meines Gehalts bekommen – davon hätten wir drei nicht leben können".

Der heute 30-Jährige war damals gerade mit seinem Volontariat fertig und arbeitete im Anschluss zunächst als freier Redakteur im gleichen Unternehmen – jedoch mit Aussicht auf eine Festanstellung. Sebastians Frau hatte einen Zeitarbeitsvertrag in einem Callcenter und verdiente weniger als er. Da schien es naheliegend, dass sie die Betreuung von Leonie übernahm. Zumal ihr Arbeitgeber nicht gerade kooperativ reagierte, als sie ihre Schwangerschaft bekannt gab.

"Ich habe eine gute Bindung zu meiner Tochter"

Wären die Voraussetzungen anders gewesen, hätte Sebastian sich durchaus auch vorstellen können, mehrere Monate zu Hause zu bleiben. "Das wäre sicher ein gutes Experiment gewesen, komplett den Haushalt und die Betreuung von Leonie zu übernehmen. Da hätte ich schon Lust drauf gehabt." Doch die Entscheidung gegen die Elternzeit war aus heutiger Sicht die richtige für beide. Sebastian bekam kurze Zeit nach Leonies Geburt eine Festanstellung in der Nachrichtenredaktion angeboten, mittlerweile wurde er sogar befördert.

Von seiner Tochter bekommt er trotzdem sehr viel mit. Dank wechselnder Schichtdienste kann er sie mal in den Kindergarten bringen und mal abholen, morgens mit ihr frühstücken oder sie abends ins Bett bringen. Die beiden haben eine sehr gute Beziehung. "Ich habe nicht das Gefühl, dass ich im Gegensatz zu meiner Frau zu kurz gekommen bin. Leonie hat zu uns beiden eine gleich starke Bindung."

Ein Wermutstropfen bleibt Sebastian aber: Er hätte seiner Frau gern ermöglicht, ebenfalls Karriere zu machen. Eigentlich ist er kein Verfechter alter Rollenmodelle. "Es wäre für sie sicher schön gewesen, wenn sie auch die Möglichkeit gehabt hätte, sich neben der Kinderbetreuung beruflich zu verwirklichen. Ich weiß genau, was sie zu Hause stemmen musste und rechne ihr das hoch an." Doch ohne Berufsausbildung war es für sie immer schwer, eine Anstellung ohne Zeitvertrag zu finden. Mittlerweile arbeitet seine Frau an drei Tagen in der Woche für jeweils fünf Stunden und ist sehr glücklich damit.

Sebastian lebt mit seiner Frau und der gemeinsamen Tochter Leonie in der Nähe von Köln. Der 30-Jährige arbeitet Vollzeit in einer Nachrichtenredaktion.

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