Kein Spenderherz für 15-Jährigen wegen schlechten Benehmens

Kein Spenderherz für 15-Jährigen
Kein Spenderherz für 15-Jährigen wegen schlechten Benehmens © dpa, Emily Wabitsch

Organtransplantation wurde verweigert

Der 15-jährige Anthony Stokes hat ein vergrößertes Herz und ohne Spenderherz nur noch etwa sechs Monate zu leben. Eine Organtransplantation wurde ihm von den Ärzten allerdings verwehrt. Die Begründung: Der Junge habe sich in der Vergangenheit zu schlecht benommen.

Anthony Stokes aus dem US-Bundesstaat Georgia braucht aufgrund seines schwachen Herzmuskels dringend eine Herztransplantation. Die Ärzte des 'Children’s Healthcare Hospital' in Atlanta haben jedoch entschieden, dem todkranken Jungen den Platz auf der Transplantationsliste zu verweigern, berichtet jetzt.de.

Weil er in der Vergangenheit häufig schlechte Noten bekommen hat und mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, habe er sich laut den Ärzten "nonkonform verhalten" und gezeigt, dass er in nicht in der Lage ist, verantwortungsbewusst zu handeln. Es sei deshalb anzuzweifeln, dass er nach einer Transplantation gewissenhaft zur Nachbehandlung erscheint und seine Medikamente nimmt.

Kein Spenderherz wegen Rassismus?

Während in Deutschland die Aufnahme in eine Transplantationsliste nur aus exakt festgelegten Gründen verweigert werden darf, können Ärzte in den USA Patienten tatsächlich ablehnen, wenn sie sich falsch verhalten haben - und dabei selbst Kinder zurückweisen. Im Falle des afroamerikanischen Anthony Stokes sei dies ein "Todesurteil ohne jegliche Begründung", so Christine Young Brown, die sich als Mitglied der Southern Christian Leadership Conference für die Bürgerrechte der afroamerikanischen Bevölkerung einsetzt. Sie und andere Bürgerrechtler halten die Ablehnung von Anthony Stokes für ein weiteres Beispiel rassenmotivierter Skepsis in den USA.

Im Fall Anthony Stokes hat der Mediendruck jedoch Wirkung gezeigt: Kurz nachdem die US-Medien anfingen, über ihn zu berichten, änderte das Krankenhaus seine Meinung. Man habe ihn nach erneuter Prüfung der Sachlage und aufgrund seiner schlechten körperlichen Verfassung nun ganz oben auf die Transplantationsliste gesetzt, erklärte die Krankenhausleitung.

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