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Kein Paket, weil sie dunkelhäutig ist

"Angst vor Betrügern" als Begründung

Sie ist immer noch den Tränen nahe. Dass jemand so mit ihr umgegangen ist, kann Joyce Nietiet aus Dorsten nicht begreifen. Über das Internet hatte sie Weihnachtsgeschenke bestellt, Schuhe für ihre Kinder. Als der Paketbote kommt, ist sie leider nicht zuhause und will das Paket deshalb am nächsten Tag persönlich in einem Hermes-Shop abholen. Doch was die Mitarbeiterin dann zu ihr sagte, klingt unglaublich: Das Päckchen wäre zwar da, nur dürfte sie keine Pakete "an schwarze Leute" geben.

"Angst vor Betrügern" als Begründung
Joyce kann es nicht glauben, dass ihr wegen ihrer Hautfarbe das Paket nicht ausgehändigt wurde

Keine Pakete für Schwarze? Das habe angeblich Hermes angeordnet, weil das Unternehmen Angst vor Betrügern habe. Joyce Nietiet ist immer noch fassungslos: „Ich war entsetzt. Ich war enttäuscht. Ich war wütend.“ All ihre Daten und die Lieferadresse waren vollkommen korrekt, ihren Ausweis hatte sie auch dabei.

Noch im Laden ruft Joyce die Polizei an. Doch auch den Beamten gegenüber bleibt die Mitarbeiterin stur. So etwas haben die Beamten bis dato auch noch nicht erlebt.

Nach langer Diskussion bekommt Joyce dann doch endlich das Paket ausgehändigt. Dass sie wegen ihrer Hautfarbe kein Paket bekommen sollte, ist für die Mutter schwer zu begreifen. Die Mitarbeiterin will sich zu dem Vorfall nicht äußern.

Paket-Unternehmen distanziert sich von den Shop-Betreibern

Doch was ist mit Hermes? "Hier ist ihr Paket willkommen" heißt es doch auf einem Plakat an dem Laden. Pakete willkommen - Menschen, die nicht weißer Hautfarbe sind, offenbar nicht. Auf Nachfrage bei der Hermes-Zentrale in Hamburg gibt der Sprecher folgende Antwort: "Dass eine Kundin ein Paket, das ihr zusteht, nicht erhält, ist nicht zu akzeptieren. Auch der Verweis auf die Hautfarbe ist inakzeptabel für uns. Für uns ist hier ein Fall von Rassismus gegeben, das können wir so nicht tolerieren.“

Dem Unternehmen ist der Vorfall äußerst peinlich und es hat deshalb seine Konsequenzen gezogen: Der Vertrag mit dem Geschäft wurde umgehend gekündigt.

Trotzdem kann Joyce nicht vergessen, wie sie in diesem Laden behandelt wurde und hat mittlerweile Anzeige gegen die Mitarbeiterin erstattet. Was sie besonders ärgert: Auch ihre Kinder haben alles miterlebt. Ihr Sohn begreift nicht, dass seine Mutter kein Paket bekommen sollte, bloß weil sie schwarz ist ...

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