Kein Kita-Platz: Eltern fordern Schadenersatz

Familie Menschel fordert 2600 Euro von der Stadt

Claudia Menschel und ihr Mann Sven fordern von der Stadt Leipzig Schadensersatz für fehlende Kita-Plätze. Nach der Elternzeit sei der Familie Verdienst entgangen, weil sie für ihren Sohn nicht direkt im Anschluss an die Elternzeit einen Betreuungsplatz fanden. Sollten die Menschels gewinnen, könnte das Urteil für viele andere Eltern wegweisend sein.

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Mama Claudia Menschel spielt zwar gerne mit ihrem kleinen Tobias - doch sie muss auch Geld verdienen. Nach der Elternzeit hätte sie für den damals Einjährigen gerne einen Kitaplatz gehabt - aber sie fand einfach keinen. Also musste die Architektin weiter zu Hause bleiben und konnte nicht arbeiten gehen. Ein Jahr lang hatten sich Claudia Menschel und ihr Mann die Finger nach einem Kita-Platz für Tobias wund gewählt. „Wir haben insgesamt bei 33 Kitas angerufen, bei 6 Tagesmüttern bzw. -vätern und haben überall eine Absage bekommen", klagt die 34-Jährige. Dabei hat die Familie, wie alle Eltern in Deutschland, einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Doch Hilfe von der Stadt Leipzig blieb aus. "Man kann das Verhalten der Stadt nicht hinnehmen, es wird alles ignoriert, man wird einfach totgeschwiegen“. Die Menschels hatten genug und verklagten die Stadt Leipzig auf Schadensersatz: 2600 Euro für rund zwei Monate Verdienstausfall.

Seit August 2013 gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz auch für Unter-Dreijährige. In der Stadt Leipzig fehlen allerdings Betreuungsplätze, die Kommune kam mit dem Kita-Ausbau nicht nach. Sollten Claudia und Sven Menschel Recht und Geld bekommen, könnte das Urteil weitreichende Folgen haben. “Jede Stadt wird so lange Schadensersatz zahlen müssen für die Betroffenen, bis es gelungen ist, für alle, die einen Platz wollen, auch einen zur Verfügung zu stellen“, so der zuständige Richter. Doch noch ist das Urteil nicht gesprochen. Familie Menschel muss noch bis Mitte Januar warten.