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"Kecker Bursche" : Polizeibericht vom Oktoberfest sorgt für Aufregung

"Kecker Bursche": Flapsiger Polizeibericht sorgt für Aufregung
Polizeibericht provoziert © picture alliance / dpa, Felix Hörhager

"Spaßig gemeinter" Griff unter den Rock

Im Zuge der öffentlichen Debatte um die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln ist jetzt im Netz ein Polizeibericht von der Wiesn 2015 aufgetaucht. Der Grünen-Politiker Dominik Krause verbreitete den Bericht per Twitter. Darin heißt es, dass auf dem letzten Oktoberfest in München eine Amerikanerin wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt wurde, weil sie einem "kecken Burschen", der ihr „spaßig gemeint“ unter den Rock griff, ihren Maßkrug an den Kopf schlug:

"Ein spaßig gemeinter Griff unter den Rock seiner amerikanischen Wiesn-Bekanntschaft endete für einen 20-jährigen Deggendorfer äußerst schmerzhaft. Die 'Rockbesitzerin' drehte sich mit samt Maßkrug um und das Trinkgefäß landete wuchtig auf den Kopf des kecken Burschen. Natürlich handelt es sich hierbei um eine Straftat der gefährlichen Körperverletzung. Nach Zahlung einer vierstelligen Eurosumme konnte die Amerikanerin die Wiesenwache wieder verlassen. "

Mit ihrer Wortwahl verharmlost die Polizei München einen sexuellen Übergriff. Möglicherweise weil er im als enthemmt geltenden Wiesn-Umfeld stattfand. Weiterhin wird es als „natürlich“ beschrieben, dass die Amerikanerin bestraft werde und nicht der grabschende Deutsche. Die Polizei München hat ihre Wortwahl inzwischen nur teilweise abgeändert. Dass ein Griff unter den Rock auch auf dem Oktoberfest ein sexueller Übergriff ist und der Gegenangriff der Frau auch als Notwehr gewertet werden könnte, wird weiterhin mit keiner Silbe erwähnt.

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