Katzenjunges als Adventsbraten: Barbarische Tradition in der Schweiz?

Katzenjunges als Adventsbraten: Barbarische Tradition in der Schweiz?
Kuschelkätzchen oder Braten? In der Schweiz gibt es in ländlichen Regionen noch immer eine Tradition, dass Weihnachten Kätzchen auf den Teller kommen. © BildPix.de - Fotolia, R.-Andreas Klein

250.000 Schweizer sollen Katzen essen

Katzenbraten zum Fest? Die Schweiz wird bei uns meist mit hochwertiger Schokolade und teurem Käse assoziiert, aber nicht mit einem geschlachteten Haustier im Ofen. Dennoch ist es in der Schweiz – anders als in Deutschland - erlaubt, Katzen und auch Hunde zu schlachten und zu verspeisen. Gegen diese mittelalterlich anmutende Tradition protestiert der Schweizer Tierschutzverein 'SOS Chats Noiraigue‘. Eine Petition des Vereins mit 16.000 Unterschriften wurde jetzt dem Schweizer Parlament übergeben.

So lange die Tiere artgerecht und nicht kommerziell geschlachtet werden, dürfen Katzen und Hunde auf Schweizer Tellern landen. Die Initiative geht von rund drei Prozent Schweizer Haushalten, etwa 250.000 Menschen aus, bei denen zu Weihnachten Katze gegessen wird. Eine Zahl, die vom Schweizer Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen bestätigt worden sei. BLV-Sprecherin Sabina Helfer sagte indes, dem Schweizer Nachrichtenportal '20min.ch': "Ich habe keine Ahnung, woher diese Zahl stammt, sicher nicht von uns." Die Medienberichte erweckten den Eindruck, dass der Verzehr von Hunde- oder Katzenfleisch in der Schweiz gang und gäbe sei. "Haustiere werden aber in der Schweiz grundsätzlich nicht verzehrt, daher kann man hier sicher nicht von einer Gewohnheit sprechen."

Das Katzen-Menü wird in der Schweiz als 'Miau Miau‘ bezeichnet. Besonders gern würden Katzenjunge genommen, die mit Thymian und Rosmarin, Weißwein und Knoblauch gegart werden, so Tierschützerin Tomi Tomek, Gründerin und Präsidentin von SOS Chats Noiraigue. Hunde hingegen werden zu 'Mostbröckli' verarbeitet, einer Art geräuchertem Bündner Fleisch, das kalt gegessen wird. Hundefett gilt als Heilmittel bei Rheuma.

Genaue Zahlen über den Verzehr von Hunden und Katzen sind schwierig zu bekommen: "Kaum jemand gibt freiwillig zu, dass er gerne Katzen isst", wird Chantal Häberling vom Verein 'Vier Pfoten' von '20min.ch' zitiert.

Neben einem weltweiten Aufschrei von Katzenfreunden bis hin nach Singapur zur Meldung über den Schweizer Katzenbraten liest man auch in ersten Kommentaren diese Position: Nur Vegetarier dürften sich aufregen. Sind Kälbchen, Schweinchen, Hühnchen oder Lämmlein weniger süß als Kätzchen?

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