Kathrin Oertel: Wer steckt hinter der Frontfrau der Pegida-Bewegung?

Kathrin Oertel: Wer steckt hinter der Frontfrau der Pegida-Bewegung?
© picture alliance / dpa, Arno Burgi

Wer steckt hinter Kathrin Oertel?

Auf den großen Kundgebungen der Pegida-Bewegung in Dresden sind stets mehr Männer zu sehen als Frauen. Allerdings scheint sich eine Dame an der Spitze der sogenannten ‚Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes‘ zu etablieren. Sie ist blond, 36 Jahre alt, und heißt Kathrin Oertel. Wer ist sie, was treibt sie an, was sind ihre Ziele?

Von Christiane Mitatselis

Man weiß wenig über Kathrin Oertel. In typischer Pegida-Art spricht sie kaum mit den Medien, denn die haben sich, so die Pegida-Interpretation, gegen die Bewegung verschworen. 'Lügenpresse' ist eines der Schlagworte, das auf den Kundgebungen häufig zu hören ist. Bekannt ist, dass Oertel 36 Jahre alt ist, aus dem sächsischen Coswig stammt, mit dem Pegida-Initiator Lutz Bachmann befreundet ist und als Sprecherin der Pegida fungiert. Laut 'Bild' ist sie sonst als Wirtschaftsberaterin tätig.

Immerhin sprach sie unlängst mit dem MDR. In der Sendung 'Sachsenspiegel' saß sie zusammen mit dem Pegida-Kollegen René Jahn und erklärte, was sie antreibt. Angeblich gibt es zu viele Schein-Asylanten in Deutschland. Außerdem dies: In Südfrankreich sei die Islamisierung so weit fortgeschritten, dass es mehr Moscheen als Kirchen gebe, sagte sie. So weit solle man es in Deutschland nicht kommen lassen.

Oertel wirkte nervös, sprach mit deutlich sächsischem Akzent. Und überhaupt war ihr anzumerken, dass sie es nicht gewohnt ist, öffentlich aufzutreten. Jedenfalls wurde ihre Optik noch von keinem Imageberater bearbeitet. Sie trug eine Jacke mit Leopardenmuster. Ihre Haare sind lang, platinblond und leicht dauergewellt. Die Augenbrauen hat sie auffällig braun nachgezeichnet – und dazu trägt sie - in bester Zonen-Gabi-Manier - hellblauen Lidschatten.

Oertels Thesen sind fragwürdig und nicht belegt

Man kann geneigt sein, diesen nicht geglätteten Look in seiner Unbeholfenheit sympathisch zu finden, Oertels Thesen sind es nicht. Ob in Frankreichs Süden tatsächlich mehr Moscheen gezählt werden können als Kirchen, sei dahingestellt. Wenn es so wäre, müsste man berücksichtigen, dass Frankreich als ehemalige Kolonialmacht in Nordafrika Einwanderer aus diesem Teil der Welt schon seit Jahrzehnten anzieht.

Eine Bedrohung könnte man in den Moscheen erst dann sehen, wenn tatsächlich eine Islamisierung der europäischen Gesellschaft zu befürchten wäre. Doch dafür gibt es keine Anzeichen. Weder in Frankreich noch in Sachsen stehen Mullahs kurz davor, die Staatsmacht zu übernehmen, die Scharia als Rechtssystem einzuführen oder Frauen das Tragen von Burkas zu befehlen.

Wenn diese Gefahr tatsächlich bestünde, gäbe es gerade für Frauen gute Gründe, auf die Straße zu gehen und gegen die Islamisierung der zivilen Gesellschaft zu protestierten. Falls die katholische Kirche sich anschickte, sich in die Politik einzumischen, um die Rechte der Frauen einzuschränken, wäre das übrigens ebenfalls ein Grund für Protest.

Oertel lehnt sich gegen das Phantom einer Bedrohung auf – und es drängt sich der Eindruck auf, dass es ihr und ihren Mitstreitern in Wahrheit darum geht, Frust zu kanalisieren und Ressentiments unters Volk zu bringen. Kanzlerin Angela Merkel warnte in ihrer Neujahrsansprache vor Pegida: „Zu oft sind Vorurteile, ist Kälte, ja, sogar Hass in deren Herzen." Zwar riefen die Demonstranten „wir sind das Volk“, tatsächlich aber meinten sie: „Ihr gehört nicht dazu - wegen eurer Hautfarbe oder eurer Religion." Mehr muss man dazu nicht sagen.

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