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Karriere-Killer Teilzeit: Haben Mütter auf dem Arbeitsmarkt überhaupt noch eine Chance?

Mutter und Kind am Laptop.
Sind Karriere und Kind vereinbar? © Getty Images, Georgijevic

Teilzeitkräfte in Führungspositionen sind mau

Nach einer Elternzeit kehren besonders häufig Frauen in Teilzeit in ihren Job zurück - verständlicherweise: Besonders, wenn die Kinder noch klein sind, brauchen sie viel Betreuung und Aufmerksamkeit. Und sie sind ja nur einmal klein. Leider ist es aber in Deutschland so, dass sich Teilzeitarbeit als eine Bremse für die Karriere und gute Bezahlung erweist.

Von Christiane Mitatselis

Teilzeitarbeit ist in Deutschland vor allem Frauensache. 80,8 Prozent der Jobs unterhalb der Vollzeit sind mit Frauen besetzt. 48 Prozent der weiblichen Beschäftigten, also fast die Hälfte, arbeitet in Teilzeit. Die zwei Hauptgründe: Frauen sind immer noch in erster Linie für die Kinder zuständig, die deutschen Männer helfen nur mit. Außerdem gibt es nicht genügend ganztätige Kita-Plätze für den Nachwuchs, die einen Vollzeitjob zulassen.

Teilzeitarbeit ist an sich natürlich nicht schlecht. Ungerecht ist aber, dass Teilzeitarbeit hierzulande die Chancen bremst, beruflich voranzukommen. Und sie oft auch noch schlechter bezahlt wird. Das hat die Auswertung mehrerer Studien durch die Hans-Böckler-Stiftung ergeben. Der Gehaltsanstieg ist geringer, es gibt wenige Positionen mit Verantwortung in Teilzeit. Lediglich knapp elf Prozent der Jobs mit Management-Funktionen sind mit Teilzeitkräften besetzt. Je höher man kommt, desto dünner wird die Luft. In höheren Führungspositionen sind es nur 6,5 Prozent.

Man kann folgern: Teilzeitkräften wird nicht zugetraut, Aufgaben mit größerer Verantwortung zu übernehmen. Dabei spricht nichts dagegen, dass sich zum Beispiel zwei Mitarbeiter eine Führungsaufgabe teilen.​

So soll sich die Situation in Zukunft ändern

Ein weiteres Problem besteht darin, dass Arbeitnehmer zwar ein Recht auf Teilzeit haben, aber keines, nach einer gewissen Zeit wieder in Vollzeit zurückzukehren. Angeblich will Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) in dieser Hinsicht aktiv werden - aber es kann dauern, bis etwas geschieht. Verbeamtete Lehrerinnen haben es gut, sie können ihre Arbeitsstunden jederzeit reduzieren und wieder aufstocken. Deshalb ist der Lehrerberuf einer besten für Frauen, die Kinder und Job vereinbaren wollen. In privaten Unternehmen sind sie vom Wohlwollen der Personalchefs abhängig.

Als Paradies für berufstätige Frauen wird oft Schweden gepriesen, und tatsächlich wird dort einiges besser gemacht. Zum Beispiel sind die Kindertagesstätten breiter aufgebaut als in Deutschland. Frauen arbeiten dort seltener in Teilzeit. Oder aber in Teilzeit mit mehr Stunden. Die Lohntransparenz, die Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) mit einem in dieser Woche verabschiedeten Gesetz erreichen möchte, gibt es in Schweden bereits, auch das wird dort konsequenter umgesetzt.

In Deutschland können Arbeitnehmerinnen künftig Auskunft über die Durchschnittsgehälter der Männer in gleichen Positionen erhalten, wenn sie es beantragen. In Schweden ist anders herum, dort müssen die Arbeitgeber aktiv werden und einer Behörde gegen Diskriminierung alle drei Jahre einen Bericht über die Bezahlung der männlichen und weiblichen Mitarbeiter vorlegen. Sobald unerklärliche Differenzen auftauchen, wird die Behörde aktiv.

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