Kardinal Meisner fordert für Frauen: Kind, Küche, Kirche

Kardinal Meisner fordert für Frauen: Kind, Küche, Kirche
© dpa, Oliver Berg

Karriere soll Arbeitsort Küche weichen

Im Dezember geht der umstrittene Kölner Kardinal Joachim Meisner mit 79 Jahren in den Ruhestand. Endlich! – mögen da einige rufen. Und weil der alte Mann es zu hören scheint, haut er noch einmal ordentlich auf den Putz, bevor er sich von der heiligen Bildfläche verabschiedet. Er will, dass mehr Frauen Mütter werden und mit dem Ar… pardon … hinterm Herd bleiben. Da ärgert er uns aber vor seinem Abgang noch einmal so richtig, was?!

Von Sabine Möller

Er hat schon viele Böcke geschossen. Beispielsweise, als er Abtreibung mit dem Holocaust verglich. Statt sich zu rechtfertigen, sagt er jetzt der Stuttgarter Zeitung "Wir sind ein sterbendes Volk, haben aber eine perfekte Gesetzgebung für Abtreibung." Die Zahl der deutschen Bevölkerung würde mit den jährlichen Abtreibungen von 108.000 im Jahr 2011 nicht exorbitant wachsen, Herr Kardinal! Aber das nur am Rande.

Seiner Ansicht nach müssten dann die Frauen, die Kinder haben, sich deutlicher vermehren: "Wo werden denn Frauen wirklich öffentlich ermutigt, zu Hause zu bleiben und drei, vier Kinder auf die Welt zu bringen?" Herr Meisner, ich frage andersherum: Wo werden Frauen ermutigt, drei oder vier Kinder zu bekommen und trotzdem arbeiten zu gehen?

Auch ich könnte mir vorstellen, wie es ist, drei Kinder zu haben. Aber wer gibt mir die Chance, parallel zu arbeiten? So zu arbeiten, dass ich auch noch für meine Familie da sein kann? Es gibt nun mal Frauen, die mit der Küche als Arbeitsort nicht zufrieden sind. Dazu zähle ich mich. Meiner Generation junger Frauen geht es genauso. Natürlich wünschen sich Frauen eine Familie, aber eine finanzielle Unabhängigkeit, auch im Hinblick auf die eigene Altersabsicherung, ist ebenso wichtig.

Und was ist eigentlich mit den Vätern?

Ich bin nicht allein mit meinen Ansichten. Antje Diller-Wolff hat das Buch 'Rabenmütter und Heimchenväter' geschrieben. "Frauen sollen gerne drei bis vier Kinder bekommen. Das ist aber auch alles, was an Kardinal Meisners Aussage sinnvoll ist. Wenn Paare Familie und Beruf besser vereinbaren könnten, würden sie leichten Herzens mehr Kinder bekommen. Denn das ist der Punkt: Es sind die Paare, die Vereinbarkeit leben wollen. Kinder haben auch Väter, die sich idealerweise viel mehr einbringen möchten im Leben ihres Nachwuchses. Wo steht denn bitte, dass die Väterzeit nach dem Zeugen endet?"

Eben das ist die Krux an der Sache: In Deutschland hängt Kinderkriegen, Kindererziehung und Kinderbetreuung sehr stark an der Mutter. Wir sind nicht dazu geboren, nur diese Rolle zu übernehmen. Es gibt verantwortungsvolle Väter, die ihren Teil dazu betragen wollen, dass die Familie funktioniert. Keiner von beiden möchte und soll auf seine berufliche Verwirklichung verzichten. Dass da staatliche Betreuungseinrichtungen diesen Eltern eine Sorge abnehmen können, ist doch wunderbar. Familie bedeutet eben nicht, dass die Last nur auf den weiblichen Schultern verteilt ist. Eine Familie besteht aus mehreren Mitgliedern, die alle ihr übriges tun müssen, damit jeder zufrieden ist.

Natürlich gibt es Frauen, die zu Hause bleiben und sich um Kinder und Küche kümmern wollen. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, wenn es zu den Lebensvorstellungen gehört. Keine Frau wird zur Berufstätigkeit gezwungen, aber sie sollte die Freiheit haben, beides – Kinderwunsch und Karriere - nach ihrem Ermessen zu verwirklichen. Amen!

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