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Kampf gegen Blutkrebs: Darum lasse ich mich bei der DKMS typisieren

DKMS: Welt-Blutkrebs-Tag
Endlich bei der DKMS registriert: Unser Autor Sebastian Priggemeier will ein Zeichen im Kampf gegen Blutkrebs setzen.

Die DKMS braucht möglichst viele Spender

8 Minuten und 17 Sekunden - das ging fix. Noch nicht einmal zehn Minuten hat die Sache gedauert, die ich schon seit zehn Jahren vor mir herschiebe. Jetzt habe ich den Welt-Blutkrebs-Tag zum Anlass genommen, mich bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) typisieren zu lassen. Endlich. Es war einfach echt an der Zeit. Das Motto des diesjährigen Aktionstages im Kampf gegen Blutkrebs lautet "Setz ein Zeichen". Und das möchte ich hiermit tun.

Von Sebastian Priggemeier

Zwei Wangenabstriche mit Wattestäbchen, ein Formular ausfüllen, alles ab in den Briefumschlag, fertig. Total simpel. Wie gesagt, die Anmeldung als Knochenmarkspender hat mich persönlich nicht einmal zehn Minuten gekostet. Meine Hoffnung: Vielleicht verschafft sie einem anderen Menschen irgendwann mehrere Jahre an Lebenszeit. Blutkrebs ist heilbar. Viele Patienten bekommen durch eine Stammzellspende eine Lebenschance. Die Registrierung bei der DKMS ist der erste Schritt dazu. Ob ich jemals als Spender in Frage komme, kann niemand vorhersagen, denn meine genetischen Anlagen müssen zu denen des Krebspatienten passen. Die DKMS braucht für die Spenderdatei möglichst viele Registrierte mit möglichst vielen unterschiedlichen genetischen Wurzeln.

Warum ich mit der Typisierung so lange gewartet habe? Uni-Abschluss, diverse Umzüge, neue Jobs – ganz ehrlich, es kam immer irgendetwas dazwischen. Das Leben läuft, geht weiter, nimmt Tempo auf. Aber gleichzeitig werden andere Menschen durch die Diagnose Blutkrebs komplett aus ihrem Alltag gerissen. Von jetzt auf gleich. Laut DKMS erkranken jedes Jahr mehr als 900.000 Personen weltweit an der Krankheit.

Ich weiß, was die Diagnose Krebs mit Menschen macht - mit Familien. Sie verändert alles, wirft das ganze Leben über den Haufen, von jetzt auf gleich. Zukunftspläne wirken plötzlich lächerlich. Meine Mutter starb vergangenes Jahr an Lungenkrebs – drei Wochen nach meinem Vater, der zum Weiterleben eine Spenderleber benötigt hätte. Mein Vater stand ganz oben auf der Empfängerliste für eine neue Leber, aber letztendlich war sein Körper zu schwach, um die Operation zu überstehen. Schrecklich.

Jeder neue Spender gibt Blutkrebspatienten neue Hoffnung

Über ein Jahr hat meine Mutter gegen eine Krankheit gekämpft, die sie immer kleiner machte. Seelisch wie körperlich. Manchmal hatten mein Bruder und ich das Gefühl, sie wird aufgefressen, bei lebendigem Leib. Monate haben wir mit unseren Eltern in diversen Krankenhäusern verbracht und an ihren Betten gesessen. Kein Medikament schlug an.

Kahle Krankenhauswände, der Geruch von Desinfektionsmitteln, ständig neue Tabletten und Ärzte - allein die Zeit in der Klinik war für meine Eltern eine Qual. Nicht nach Hause zu können, keine Kontrolle mehr über das eigene Leben zu haben. So geht es vielen Krebspatienten. Kindern, Erwachsenen, Senioren. Um diesen Menschen die Hoffnung auf eine lebensrettende Spende zu geben, lohnt sich in meinen Augen die Registrierung bei der DKMS (kostenlose Registrierungs-Sets lassen sich über die Webseite www.dkms.de anfordern). Ich verstehe aber auch, wenn Menschen sich gegen eine Typisierung entscheiden. Oder gegen Organspenden im Allgemeinen.

Einen Organspenderausweis trage ich übrigens schon seit Jahren mit mir herum. Für den Fall meines Todes. Aber wenn ich die Möglichkeit bekomme, schon zu Lebzeiten einen Menschen zu retten, dann mache ich das. Ich will ein Zeichen setzen und Hoffnung geben. Angst vor einem Eingriff habe ich nicht, denn mittlerweile werden die Stammzellen in 80 Prozent der Fälle aus dem Blut entnommen. Und selbst, wenn eine Knochenmarkspende unter Vollnarkose nötig sein sollte, entspricht mein "Leid" durch die OP nur einen Bruchteil dessen, was Krebspatienten Tag für Tag durchmachen.

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