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Kaiserschnitt-Erfahrungen: So rettete er uns

Kaiserschnitt-Erfahrungen: So rettete er uns
Kaiserschnitt-Erfahrungen: ungeplanter Kaiserschnitt statt Bilderbuch-Geburt © picture-alliance/ ZB, Patrick Pleul

Der Kaiserschnitt: Sectio Caesarea im Trend

"Du bist wie ein Kaiser zur Welt gekommen!" Oft habe ich meinen Söhnen von ihrer Geburt erzählt, diesem ganz besonderen und einmaligen Erlebnis. Beide wurden per Kaiserschnitt geholt. Bauch auf, Kind raus, Bauch zu. Ohne es zu wissen, lag ich damit schon vor ein paar Jahren voll im Trend. Heute planen immer mehr Eltern aus Zeitmangel die Sectio Caesarea (Cäsarischer Schnitt) nach Terminkalender. Ich wollte eigentlich eine möglichst natürliche Geburt. Doch daraus wurde nichts.

Der Wehenschmerz traf mich völlig unvorbereitet. Klar, ich hatte einen Geburts-Vorbereitungskursus besucht, Atemübungen gemacht und mir vorgenommen, meine, unsere "erste" Geburt nach der Zilgrei-Methode (ist eine kombinierte Atmungsmethode, Haltungsmethode und Bewegungsmethode zur Behebung von Schmerzen) über die Bühne zu bringen. Auch eine Wassergeburt hätte ich cool gefunden. Oder den Gebärhocker. Stattdessen lag ich nun auf dem großen, breiten Bett im Kreißsaal und konnte nur noch an eins denken: Schmerz! Schwestern wuselten um mich herum, mein Mann harrte tapfer an meiner Seite aus, während die Wehen mich in regelmäßigen Abständen und mit ungeahnter Wucht überrollten.

Keine Bilderbuch-Geburt, darum Kaiserschnitt

Vor genau 22 Stunden war ich mit geplatzter Fruchtblase in die Klinik gekommen, seit 20 Stunden hatte ich Wehen. "Das wird keine Bilderbuch-Geburt!" hatte mir die Hebamme schon anfangs düster prognostiziert, und auch meinem Mann und mir, obwohl völlige Laien auf dem Gebiet, war das inzwischen irgendwie klar geworden.

Nach 24 Stunden begrüßten mich die Krankenschwestern, die mich bei meiner Ankunft eingewiesen hatte, bei Schichtantritt mit den fröhlichen Worten: "Ach, sieh mal an - Sie sind ja immer noch da!" Als dann der Oberarzt bei seiner nächsten Stippvisite erklärte, das mit der Geburt werde in den nächsten Stunden wohl noch nichts, und alternativ einen Kaiserschnitt vorschlug, stimmte ich ohne zu zögern zu. Mit meinen Kräften war ich mittlerweile ziemlich am Ende, und auch die Herztöne meines ungeborenen Babys waren etwas schwächer geworden...

Nun ging alles sehr schnell. Ich unterschrieb die Einwilligung zur OP, und nach eingehender Aufklärung bekam ich eine Rückenmarkspritze. Der Einstich der langen Injektionsnadel war unangenehm, doch nicht so schmerzhaft, wie erwartet. Und nichts im Vergleich zum Wehenschmerz... Die Epiduralanästhesie wirkte schnell, und schon wurde ich in den Operationssaal gefahren. Man legte mich flach auf einen OP-Tisch, während emsige Schwestern quer über meinen Bauch ein grünes Tuch spannten. Mir war der Blick völlig versperrt, und ich konnte nur ahnen, was dahinter passierte. Nichts sehen, nichts fühlen, hier war nur hören angesagt...

Glücklicherweise durfte mein Mann auch mit in den OP und musste nun, hübsch gekleidet in eine hellgrüne Chirurgen-Kluft samt Häubchen, als Berichterstatter einspringen. Allerdings war auch er etwas gehandicapt... Beim Umziehen war ihm seine neue Brille von der Nase auf die Fliesen geknallt. Nun saß er hinter mir, und sah mit nur einem intakten und einem gesprungenen Brillenglas auch nicht viel mehr als ich...

Endlich: Unser Sohn ist geboren!

Kaiserschnitt-Erfahrungen: So rettete er uns
© Fotolia Deutschland

Nun ging alles sehr schnell: Hinter dem Vorhang wurde es hektisch. Ich hörte saugende und schmatzende Geräusche und spürte, dass sich die Ärzte an meinem Bauch zu schaffen machten. Schmerzen hatte ich keine mehr, und mehr als einmal schickte ich Dankesgebete an den Erfinder der Anästhesie... Mein Kopf war etwas tiefer gebettet als mein Körper, und ich fühlte mich leicht schwindelig. Ich öffnete den Mund, um der Schwester Bescheid zu geben, aber da sackte mein Kreislauf schon ab, und mir wurde schwarz vor Augen...

Nur einen Moment später hatte mich die OP-Schwester wieder zurückgeholt, gerade rechtzeitig, um ein starkes Ziehen in der Bauchgegend zu spüren. "Ein gesunder Junge!" rief der Arzt. Endlich! Unser Sohn, war geboren! Ich hörte das kleine Stimmchen, und sofort schossen mir die Tränen in die Augen! Das Wunder war geschehen - wir waren Eltern! Ungeduldig reckte ich den Hals, und wollte mein Baby sehen. Doch das grüne Tuch versperrte mir immer noch die Sicht. Endlich bog eine Schwester um die Ecke und hielt uns das kleine Bündel hin. Da lag er, unser Stammhalter, eingewickelt in eine hellblaue Flauschdecke! Ich glaube, in diesem Moment haben wir den ganzen Stress vergessen... Mein Mann durfte den Kleinen halten, während die Chirurgen meinen Bauchschnitt versorgten. Und endlich lag er auch in meinen Armen.

Wickeln mit Kaiserschnittnarbe

Ich war nach dieser Aktion natürlich völlig erschöpft, und auch der frischgebackene Papa zeigte eine gewisse Schwäche: Als er nach dem 24-Stunden-Marathon im Krankenhaus nach Hause fuhr, um seine Sachen zu wechseln, ist er an der Ampel vor unserer Wohnung eingeschlafen. Junior dagegen war vom Moment seiner Geburt an voller Energie. Der Kleine wollte trinken und frische Windeln, und das im Drei-Stunden-Rhythmus. Am ersten Tag bekam er die Flasche, weil nach einem Kaiserschnitt die Milch erst später zu fließen beginnt. Am meisten machte mir aber die Wunde vom Kaiserschnitt zu schaffen, denn sie schmerzte bei jeder Bewegung. Ich musste mich jedes Mal mühsam und mit Hilfe eines "Galgens" aus dem Krankenbett hieven, wenn der Kleine schrie. Und er schrie häufig...

Während andere Mütter, die "normal" entbunden hatten, schon wieder leichtfüßig über die Gänge eilten, schob ich das Kinderwägelchen Tage später mit 0,2 Stundenkilometern über den Flur, leicht gekrümmt, und fühlte mich, als wäre ich 100 Jahre alt. Ich bekam täglich Thrombosespritzen, und nach etwa einer Woche schaffte ich es immerhin, in weniger als drei Minuten aus dem Bett zu steigen. Mein zweiter Sohn wurde ebenfalls per Kaiserschnitt geboren. Aber da wusste ich ja schon, was auf mich zukommt... Während der OP sagte der Chirurg scherzhaft zu mir: "Wenn Sie vorhaben, noch ein drittes Kind zu bekommen, dann machen Sie am besten gleich einen Termin für den Kaiserschnitt. So ersparen Sie sich wenigstens die Wehen!"

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