Kai Wiesinger: "Ich hatte mein altes Leben satt"

Kai Wiesinger: "Ich hatte mein altes Leben satt"
© picture alliance / dpa, Franziska Kraufmann

Kai Wiesinger will Scheidung und ein neues Leben

"Ich hatte mein altes Leben satt!"- mit diesen Worten begründet Schauspieler Kai Wiesinger das Ende seiner Ehe mit Kollegin Chantal de Freitas. Klassischer Fall von Midlife-Crisis? Oder steckt vielleicht doch eine andere Frau hinter der Trennung? Was auch immer - eine dämlichere Ausrede, um sich aus der Verantwortung zu stehlen, hat man selten gehört...

Von Merle Wuttke

Der arme Kai. Man kann wirklich Mitleid mit ihm haben. Er ist jetzt 45, seit über zwei Jahrzehnten mit seiner Frau zusammen, seit dreizehn Jahren mit ihr verheiratet. Und die beiden gemeinsamen Töchter (13 und 11 Jahre)? Sie sind aus dem Gröbsten raus und brauchen ihren lieben Papi lediglich noch, damit er sie zum Reiten oder Ballett fährt und ihnen abends nach dem Dreh mal ein warmes Essen kocht. Mal im Ernst, das ist doch kein Leben für einen Mann in den besten Jahren. Nee, nee, das kann noch nicht alles gewesen sein. Da geht noch was! Oder besser: Da muss noch was gehen! Dachte sich jetzt jedenfalls auch der Kai und machte kurzerhand Schluss. Mit seinem alten Leben. Mit seiner Frau. Mit seiner Familie. Frei nach dem Motto: "Danke für die schöne Zeit, danke, dass Du mir den Rücken frei gehalten hast, danke, dass ich auf deine Kosten Karriere machen durfte. Aber ich habe die Nase voll von Verantwortung und Familientrott, ich schwing' mich jetzt mal lieber aufs Motorrad und jage meiner Jugend hinter her."

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Wäre es nicht so traurig für den Rest der Familie, könnte man jetzt sagen: "Ja, mach mal, Alter. Viel Spaß dabei, und denk dran, immer schön den Nierengurt umlegen!"

Aber sorry, lieber Kai und liebe andere Männer, die ihr plötzlich meint, euren Hunger nach einem anderen, aufregenden Leben stillen zu müssen, nur weil Ihr auf die 50 zu geht: So einfach läuft das nicht. Auch, wenn Ihr es euch erst einmal leicht - und einfach aus dem Staub macht. Das alte Leben lässt sich nicht abstreifen wie eine Schlangenhaut. Da könnt Ihr euch noch so viele Lederjacken umhängen, Gewichte stemmen, um die schlaffen Oberarme zu straffen oder die Haare tönen - die Vergangenheit bleibt. Die Kinder bleiben. Die Verantwortung bleibt. Mag sein, dass Ihr euch kurzfristig besser fühlt, frei und jung. Und klar ist toll, wenn man endlich mal wieder bewundert wird. Am besten von einer neuen Frau, die morgens, im Gegensatz zu alten, noch faltenfrei neben einem aufwacht und einen nicht daran erinnert, wie viel Zeit schon vergangen ist. Aber spätestens beim nächsten Kinder-Geburtstag, beim Besuchs-Wochenende, an Ostern oder Weihnachten, seid ihr wieder ganz die Alten - im wahrsten Sinne. Dann müsst ihr wieder in eure Väterrolle schlüpfen und für die Familie da sein. Und spätestens dann werdet und solltet Ihr euch fragen: "War es das wert? Der Schmerz, die Traurigkeit, der Vertrauensverlust? Ist mein kleines Ego wirklich so wichtig, dass das große Ganze dafür über die Klinge springen musste?"

Frauen kennen die Antwort darauf bereits im Vorfeld. Deswegen träumen die meisten von uns, während wir wie jeden Tag brav die Küche aufräumen, Einkäufe erledigen oder Hausaufgaben betreuen, zwar von den Möglichkeiten einer neuen Freiheit - aber sie sich einfach zu nehmen, ohne Rücksicht auf Kind und Mann - das wagen wir nur selten. Denn oh ja, auch wir würden gern mal raus aus unserem alten Leben, auch wir "haben Hunger" auf ein Neues. Aber wir wissen eben auch, was sich gehört. Und das vergessen wir nicht einfach.

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