PSYCHOLOGIE PSYCHOLOGIE

'Just Not Sorry': Frauen sollen aufhören, sich ständig zu entschuldigen!

'Just Not Sorry': Frauen sollen aufhören, sich ständig zu entschuldigen!

Entschuldigungsfloskeln als Spiegel alter Rollenbilder

Es gibt ein Email-Plugin, mit dem Entschuldigungen und Floskeln aus Texten entfernt werden können. Das Programm namens 'Just not Sorry' gibt es bisher nur für englische Sprache. Es ist speziell für britische Frauen gedacht, die dazu neigen sich über Gebühr für alles Mögliche zu entschuldigen. Eine solche App wäre auch auf Deutsch sehr hilfreich, denn auch hierzulande entschuldigen sich Frauen viel zu oft.

Von Christiane Mitatselis

Hier man ein typischer Frauensatz, den man sowohl im Arbeits- als auch im Privatleben hört: „Ich bin keine Expertin, aber ich finde, dass man die Sache vielleicht auch anders sehen könnte…“ Eine solche Einleitung benutzen Frauen leider oft auch dann, wenn sie vorher tausende Seiten zu einem Thema gewälzt haben. „Ich bin der Meinung, dass man die Sache anders sehen kann“, ist selbstbewusster und nicht unhöflich. Warum sich klein machen, wenn man sich auskennt?

Das tun Männer auch nicht. Sie neigen im Gegenteil dazu, sich als Experten aufzuspielen, wenn sie es nicht sind. Kaum haben sie etwa drei Seiten über spanische Innenpolitik gelesen, schon halten sie Expertenvorträge. Warum das so ist? Alte Rollenbilder leben leider länger als es einem lieb ist. Der Mann ist selbstbewusst, die Frau freundlich und ausgleichend – und zwar leider oft so sehr, dass sie sich selbst im Weg steht.

Es ist nicht unhöflich, eine Meinung zu haben.

Hier noch ein femininer Satz, der bearbeitet werden muss. „Eigentlich läuft es ja ganz gut, aber manchmal denke ich, man könnte es auch anders machen….“ „Eigentlich“ ist ein Zauder-Wort, das immer gestrichen werden muss, in der schriftlichen und mündlichen Sprache. Wer seine Sprache überdenkt, der ordnet auch seine Gedanken. Man muss sich fragen, was man sagen will. Läuft es gut oder nicht? Was genau läuft gut, was nicht? Die richtige Übersetzung wäre hier: „Ich denke, dass man einiges besser machen könnte, und zwar folgendes:….“

Es geht weiter: Sätze, die mit „Ich meine nur“ eröffnet werden, sollte man ebenfalls sofort rot anstreichen, gedanklich und auf dem Papier. Warum „nur“? Ich meine, ich denke, ich finde, ich bin der Überzeugung – bitte immer ohne „nur“. Mit diesem kleinen Wort macht man seine Meinung klein. Warum? Es ist nicht unhöflich, eine Meinung zu haben.

Fürchterlich ist auch das beliebte „nicht wirklich“, das vom Englischen „not really“ abgeleitet ist. „Ich bin nicht wirklich unzufrieden…. “ Was soll das bedeuten? Bevor man so etwas sagt, sollte man darüber nachdenken, ob man nun zufrieden oder unzufrieden ist – und konkret werden. Das hört sich dann so an: „Es gibt viel Gutes, mit einigen Dingen bin ich aber unzufrieden, zum Beispiel:….“ Man stößt seine Mitmenschen nicht vor den Kopf, wenn man immer versucht, auch positive Ansätze zu sehen - und nicht nur das Schlechte.

Natürlich: Wenn man es direkter sagt, ist man eher einem Konflikt ausgesetzt, denn man erntet leichter Widerspruch. Doch warum dem Konflikt aus dem Weg gehen, wenn man Argumente hat?

Anzeige