FAMILIE FAMILIE

Jungen in der Pubertät - 10 Tipps

Pubertät bei Jungen - Alltags-Ratgeber
Mit diesen Tipps kommen Sie durch die Pubertät

Jungs in der Pubertät - "Ist mein Sohn ein blöder Angeber?"

Haben Sie einen Sohn? Dann wird er zwangsläufig in die Pubertät kommen. Damit Sie und Ihr heranwachsender Jugendlicher schadlos durch die Flegeljahre kommen, hat der Autor Joachim Braun die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema in einem Buch gesammelt. Im neuen Ratgeber 'Jungen in der Pubertät' erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag werden typische Eltern-Fragen vom Experten beantwortet. Warum ist mein Sohn auf einmal ein blöder Angeber? Kann ich ihm Pornos verbieten und was ist mit strengen Ausgehzeiten? Antworten zu diesen und vielen weiteren Fragen helfen Ihnen und Ihren Söhnen zu einem entspannten Alltag.

1 - Gibt es eigentlich Gründe für die Pubertät?

Das Gehirn ist nach neuesten Forschungen ursächlich „schuld“ an den typischen Pubertätsproblemen. Die Unfähigkeit, Konsequenzen einzuplanen wird mit dem noch nicht entwickelten Präfontalhirn in Zusammenhang gebracht. So könnte der Jugendliche eigentlich gar nichts dafür, dass er ständig vergisst den Müll raus zu bringen. Diese Erklärung heißt aber nun nicht, dass sich Eltern entspannt zurücklegen sollten. Denn ein Gehirn siebt aus, welche Nervenverbindungen es benötigt und welche nicht. So kann man durch die Erkenntnisse der Hirnforschung zwar die Pubertierenden besser verstehen, dennoch spielt die Beziehung zu Ihrem Sohn die bedeutendste Rolle.

2 - Welche Unterstützung braucht mein Sohn in der Pubertät?

Jugendliche brauche Grenzen. Sie wollen hören, dass Sie anderer Meinung sind, wollen, dass Sie mit ihren Ansichten provozieren und Sie zum Wiederspruch reizen. Sie wollen Regeln brechen und daher sind Sie gefordert, diese Regeln aufzustellen. Diese werden dann regelmäßig von ihren pubertierenden Kindern gebrochen und hintergangen. Das ist sicherlich aufreibend, für die Entwicklung einer eigenständigen Persönlichkeit aber notwendig. Bringen Sie Ihrem Sohn Vertrauen entgegen und vergessen Sie nicht gleichzeitig Grenzen zu setzen.

3 - Ich bin alleinerziehend und mein Sohn ist total umgänglich und pubertiert nicht, ist das normal?

Kann er für sich selbst eintreten? Zeigt er Ihnen, wenn er sich ärgert? Ist er in der Schule und im Freundeskreis genauso angepasst, wie zu Hause? Wenn ja, nicht alle Jugendlichen pubertieren. Kein Grund zur Sorge, jedoch achten Sie darauf, dass Sie Ihrem Sohn genug Reibungsfläche bieten.

4 - Täglicher Streitpunkt: Schlafenszeit. Unser Sohn ist spätabends topfit und morgens oft müde.

Während der Pubertät ist der Tag-Nacht-Rhythmus durch das Hormon Melatonin durcheinander geraten. Wichtig ist, dass er seinen Alltag schafft. Kann er seinen Schulpflichten durch Müdigkeit nicht nachkommen, vereinbaren Sie eine Zubettgehzeit mit ihm oder schlagen Sie ihm einen Kompromiss vor. 30 Minuten am Nachmittag ist für viele Jugendliche die beste Möglichkeit und den restlichen Tag zu überstehen.

5 - Unser Sohn lebt im Schweinestall – wie können wir ihn dazu bringen, sein Zimmer aufzuräumen?

Ein brandheißes Thema in fast allen Familien! Solange es sich nicht um gesundheitsschädliche verschimmelte Wurstbrote handelt sollte Ihr Sohn sein chaotisches Zimmer behalten dürfen. Der Zustand seines Zimmers spiegelt sein Inneres wieder. Er sollte selbst entscheiden, wann es Zeit zum Aufräumen ist. Eingreifen ist nur dann in Ordnung, wenn es Auswirkungen auf die Familie hat, also das Geschirr fehlt oder das Ungeziefer herumkrabbelt.

6 - Unser Sohn geht bei der kleinsten Kritik ab wie eine Rakete. Wie kritisiert man eine Mimose?

Die kleinste Kritik kann in ihrem Sohn ein Gefühl des Scheiterns und Versagens auslösen. Sein Bewusstsein für die eigenen Stärken und Schwächen ist noch nicht stark genug, um Kritik annehmen oder aushalten zu können. Bleiben Sie konstruktiv, vermeiden Sie Vorträge und verwenden Sie Ich-Botschaften, wie „Ich mach mir Sorgen, wenn Du zu spät kommst“. Lassen Sie Ihren Sohn ausreden und warten Sie, bis die „Rakete“ wieder gelandet ist um erneut ins Gespräch zu kommen. Jedoch – bleiben Sie dabei, Kritik zu äußern, sie hilft Ihrem Sohn, sich selber besser einschätzen zu lernen.

7 - Weckt man schlafende Hunde, wenn man das Thema Verhütung anpackt? Ab welchem Alter muss man mit seinem Sohn über Verhütung sprechen?

Ein einfühlsames Gespräch über Verhütung und Sexualität kann keinem Jungen schaden. Die sexuelle Reife wird nicht durch ein verfrühtes Gespräch ausgelöst, sondern lediglich durch Hormone. Je früher er jedoch Informationen von Ihnen bekommt, desto eher ersparen Sie ihm peinliche Situationen durch Unwissenheit. Wenn er noch nicht bereit ist, drängen Sie ihn aber nicht. Er wird dann wissen, dass er in Ihnen einen vertrauensvollen Ansprechpartner hat.

8 - Unser 15-Jähriger schaut Pornos – wie kann ich ihn davon abhalten?

Es ist im Zeitalter von Internet kaum möglich, Ihren Sohn von Pornos fern zu halten. Die meisten Jugendlichen kommen im Lauf ihrer Pubertät mit Pornographie in Berührung. Anstatt einer Kontrolle ist das Gespräch mit ihm wichtig: Reden Sie über die meist verfälschte Darstellung und die verschobenen Werte in Sexfilmen. Machen Sie ihm Mut, seine eigenen Erfahrungen zu machen ohne das überzogene und Leistungsdruck erzeugende Bild von Männlichkeit.

9 - Unser 16-Jähriger Sohn soll in der Woche um halb zehn zu Hause sein. Sind wir zu streng bei den Ausgehzeiten?

Sie könnten die Zügel etwas lockerer lassen. Wenn Sie auf so genaue Einhaltung der Zeiten bestehen, laufen Sie Gefahr, sich in einen Machtkampf zu verstricken. Der Grund für Ihre strengen Zeiten ist vermutlich, dass Sie Angst haben, Ihr Sohn könnte Ihnen entgleiten, aber vermutlich liegen Sie damit falsch. Vereinbaren Sie, dass er anruft, wenn er es zur vereinbarten Zeit nicht schafft, oder er länger bleiben möchte. Erklären Sie Ihrem Sohn, dass Sie ihn nicht kontrollieren wollen. Lassen Sie ihm mehr Freiraum und beobachten Sie, was passiert.

10 - Unser 16-Jähriger Sohn will ein Piercing, wir wollen das aber nicht erlauben. Ist diese Entscheidung richtig?

Es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung. Jugendliche sollten grundsätzlich selbst über ihren Körper bestimmen können. Doch Eltern sollten in diesem Fall mitreden. Ein Piercing oder auch ein Tattoo ist etwas Bleibendes und Sie sollten bei einem „Nein“ bleiben, wenn Sie ein ungutes Gefühl haben. Sagen Sie ihm, er könne in zwei Jahren selbst diese Entscheidung treffen.

Anzeige