Jugendschutz-Apps: So landen Kinder nicht auf Pornoseiten

Drei Anwendungen im Eltern-Test

Fast jeder Teenager spielt pausenlos am Handy herum. Nur wie viele von ihnen surfen auf Schmuddel-Seiten? Und wie können Eltern kontrollieren, was sich die Kids im Internet alles angucken? Spezielle Jugendschutz-Apps sollen helfen. Ob diese Anwendungen etwas bringen, haben wir mit Familie Lohbach getestet. Im Check: Eine kostenlose App, eine kostenpflichtige und eine Gratis-App, die mit kostenpflichtigen Extras aufgewertet werden kann.

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Jugendschutz-Apps helfen bei der Kindererziehung
Für viele Kinder gehören Smartphones und Tablets heute zum Alltag - sie wachsen damit auf. Umso wichtiger ist es, die Kids schon früh auf die Gefahren des Internets aufmerksam zu machen. © dpa, Michael Kappeler

Bei der kostenlosen Jugendschutz-App können Eltern einen Elternkontakt angeben. Das heißt, sobald die App vom Handy entfernt wird, bekommen sie an ihre Nummer eine Warn-SMS geschickt.

Beim Versuch, gezielt Seiten mit pornographischem Inhalt zu laden, blockiert die App die Schmuddelseiten - ein Pluspunkt. Allerdings ist mit dieser App die Suche nach pornographischen Bildern nicht ausgeschlossen. Die kostenlose App hat also auch Schwächen.

Was kann die kostenpflichtige App für 30 Euro pro Jahr? Um zu sehen, was die Kinder auf den Smartphones treiben, haben Eltern die Möglichkeit, sich ein tägliches E-Mail-Protokoll senden zu lassen und bis ins Detail Seiten freigeben oder auch blockieren. Allerdings - so haben es pfiffige Kids herausgefunden - lässt sich die App durch ein paar Tricks überlisten.

Und was taugt die App mit den kostenpflichtigen Erweiterungen? Die Zusatzfunktionen klingen vielversprechend, kosten aber. Zum Beispiel gibt es einen speziellen Kinder-Browser, der nur jugendfreie Seiten anzeigt. Aber: Die App lässt sich in wenigen Sekunden deaktivieren, was jeder 12-Jährige sofort herausfindet.

Fazit: Alle Jugendschutz-Apps in unserem Stichprobentest haben einen gewissen Schutz geboten, allerdings nicht zu 100 Prozent.

Wie Pornografie uns und unsere Kinder verändert

Die Jugendschutz-Apps sind schon mal ein gutes Hilfsmittel, das weiß auch Anne Sophie Wöhrle, die zusammen mit ihrem Mann Christoph das Buch 'Digitales Verderben' geschrieben hat. In dem Buch geht es darum, wie Pornografie uns und unsere Kinder verändert.

Wie verändert Pornographie die Kinder und Jugendliche

Anne Sophie Wöhrle: "Viele Studien deuten darauf hin, dass die Jugendlichen verunsichert sind, weil das ein Thema ist, das sie gar nicht erlebt haben. Den Teenagern fehlen eben oft noch die sexuellen Erfahrungen. Und so werden Porno-Darsteller als Vorbilder gesehen. Das führt sogar dazu, dass sich junge Mädchen bei Frauenärzten eine Intim-Operation wünschen, um so auszusehen, wie die Frauen in den Videos."

Welche Möglichkeiten haben die Eltern, um zu überprüfen, auf welchen Seite die Kinder im Web surfen?

Anne Sophie Wöhrle: "Das ist schwierig. Sobald die Kind ein Smartphone haben, tragen sie die ganze Erwachsenenwelt in der Hosentasche. Die Eltern sollen daher gut überlegen, ab wann sie dem Kind ein Smartphone erlauben."

Was halten Sie von Jugendschutz-Apps?

Anne Sophie Wöhrle: "Das ist eine gute Möglichkeit, um die Kontrolle zu behalten. Im Zweifelsfall können die Kinder sie zwar umgehen. Aber dafür brauchen sie Zeit, und zumindest sind sie in der Zeit nicht auf Porno-Seiten. Am wichtigsten ist es aber, dass die Eltern mit Kindern im Gespräch bleiben und über das Thema Internet offen sprechen.