Journalistin Katie Hopkins verspottet Übergewichtige mit Fress-Doku

Katie Hopkins verspottet Dicke mit Fress-Doku "My Fat Story"
Für ihre TV-Doku „My Fat Story“ nahm Katie Hopkins innerhalb von drei Monaten 20 Kilogramm zu - und innerhalb weiterer drei Monate wieder ab. © Discovery Communications/ Anna B

In 'My Fat Story' stellt Katie Hopkins Dicke bloß

Die britische Kolumnistin Katie Hopkins bringt derzeit eine ganze Nation gegen sich auf - mit einem ziemlich seltsamen Selbstversuch und noch seltsameren Thesen. Für eine TV-Doku nahm sie innerhalb von drei Monaten 20 Kilo zu, um diese anschließend in derselben Zeit wieder abzunehmen. Ihre These: "Dicke sind selbst schuld".

Sie war im britischen Dschungelcamp, schreibt Kolumnen für die 'Sun' und macht durch ziemlich polarisierende und insgesamt etwas fragwürdige Aussagen auf sich aufmerksam. Katie Hopkins polarisiert. Egal mit welchen Mitteln. Beispiel gefällig? Ihre Kinder sollen nicht mit Kindern spielen, die solch – in ihren Augen – eher dumme Vornamen wie Chardonnay, Chantelle oder Tyler haben. Aha. Soweit so gut. Jetzt hat sie für die TV-Doku 'My Fat Story' in drei Monaten 20 Kilo zugenommen, um sie danach direkt wieder abzuspecken. Drei Monate futterte Hopkins massenhaft Burger, Kuchen, Chips, Shakes und Schokolade. Durchschnittlich 6.500 Kalorien pro Tag wanderten direkt auf ihre Hüften. Nachdem sie sich die geplanten 20 Kilo angefressen hatte, speckte sie alles anschließend wieder ab. In derselben Zeit und angeblich komplett ohne Fitnessstudio oder Personaltrainer. Sie reduzierte lediglich die Kalorien und bewegte sich mehr. Ihr Fazit: Dick- bzw. Dünnsein sei einfach nur eine Frage der Willenskraft und wer dick ist, habe selbst schuld.

Aha, jetzt haben wir dank Mrs.Hopkins also gelernt, dass man, wenn man weniger isst, auch weniger dick wird. Und dass ein bisschen zusätzliche Bewegung auch nicht schadet. Das ist ja schon mal schön. Was allerdings mit all den anderen vielschichtigen Gründen für Übergewicht ist – Krankheit, Hormonstörungen oder Stress – dafür ist in dem eher schlichten Weltbild von Frau Hopkins keinen Platz. Eigentlich könnte der Ansatz, das zunehmende Übergewicht einer Gesellschaft in den Mittelpunkt der Diskussion zu stellen, ja ganz positiv sein, immerhin gilt in Großbritannien jeder Vierte als fettleibig und auch in Deutschland sind mehr als die Hälfte aller Menschen zu dick. Wäre da nicht die selbstgerechte und abwertende Art, mit der das TV-Sternchen seinen fragwürdigen Selbstversuch kommentiert: "Du kannst nicht fett und glücklich sein", "Dicke brauchen nur einen kräftigen Tritt in den Hintern", "Plus-Size-Models sind nicht hübsch", "Ich würde keine Fettleibigen einstellen, weil sie faul aussehen und vermutlich öfter krank sind." Die Krone der Antipathie setzt Hopkins ihrem Experiment jedoch mit einem leicht hysterischen Heulkrampf während der Doku auf. Beim Blick auf die Liste der Nahrungsmittel, die sie in sich reingestopft hat, schluchzt die Kolumnistin: "Ich hasse diese fetten Menschen, die mir das antun!"

Aussagen wie diese hat sie inzwischen nicht nur in ihrer TV-Dokumentation vorgebracht, sondern auch in verschiedenen Talk-Shows und Interviews. Die Folge: In kürzester Zeit wurde Katie Hopkins zur meistgehassten Frau Englands. Verständlicherweise. Denn die Art und Weise, wie sie mit dem Thema umgeht, ist abwertend, beleidigend und vor allem eins: aufsehenerhaschend. Sicher ist es wichtig, dass wir uns in einer Gesellschaft, die dazu tendiert immer dicker zu werden, in der sich Kinder immer weniger bewegen und in der die Krankheiten, die aus dem Übergewicht schon in der Kindheit entstehen, immer mehr zunehmen, mit dem Thema gesunde Ernährung auseinandersetzen. Aber das heißt erstens nicht, dass wir mit kruden und extrem ungesunden Selbstversuchen unter Beweis stellen sollten, zu was man mit einer an Selbstquälerei grenzenden Disziplin im Extremfall in der Lage sein kann. Und zweitens heißt es definitiv nicht, dass das eine Rechtfertigung dafür ist, übergewichtige Menschen vorzuführen und zu verspotten. Denn wie wir ja alle wissen, brauchen Menschen, denen was auch immer schwer fällt, positive Unterstützung, Hilfe und Zuwendung. Und kein aufmerksamkeitssüchtiges TV-Sternchen, das vermutlich ein relativ gestörtes Verhältnis zu seinem eigenen Körper hat.

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