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John Hattie: Gute Lehrer braucht das Land!

Bildungsrevolution: Gute Lehrer=guter Unterricht
Bildungsrevolution: Gute Lehrer=guter Unterricht © Ingo Bartussek - Fotolia, Ingo Bartussek

Bildungssystem braucht gute Lehrer

Hah! Das dürfte jetzt vor allem die freuen, die schon immer gewusst haben, dass an dem absolut ungerechten Fünfer in Mathe (Chemie/Französisch/Latein/Reli) gar nicht sie selbst schuld waren, sondern: Der Lehrer. John Hattie, ein Bildungsforscher aus Neuseeland, kommt in seinen Arbeiten nämlich zu dem Schluss, dass die Qualität des Lehrers oder der Lehrerin ganz entscheidenden Einfluss auf den Erfolg der Schüler hat. Auf etwa 30 Prozent beziffert er die Macht dieses Faktors. Und erinnert uns damit auch daran, dass Bildungspolitik nicht nur aus Lehrplänen, neu definierten Leistungszielen und Schuldauer-Diskussionen besteht.

Von Ursula Willimsky

Der Mann hat jede Menge Fleißarbeit geleistet – und über Jahre hinweg sämtliche englischsprachigen Studien zum Thema "Lernerfolg" gesichtet. Heraus kam die „weltweit größte Datenbasis zur Unterrichtsforschung“, wie es 'Zeit online' nennt. Hattie, dessen Veröffentlichungen derzeit in immer mehr Bildungsdiskussion aufgegriffen werden, stützt seine Erkenntnisse allerdings allein auf den angelsächsischen Raum, dessen Schulsystem sich deutlich vom deutschen unterscheidet. Aber Lehrer gibt´s ja in beiden Systemen. Und gute Lehrer wünschen sich wohl alle Eltern und Schüler.

Was macht nun nach Meinung Hatties einen guten Pauker aus? Ganz vereinfacht gesagt: Er soll den Unterricht lenken und leiten. Was nun nicht unbedingt bedeutet, dass der gestrenge Herr Oberstudienrat vor seiner Klasse monologisiert, sondern eher wie ein Regisseur den Unterricht leitet, und zwar so, wie es für die jeweilige Klasse passend ist. Er soll immer wieder die eigene Arbeit reflektieren und dabei versuchen, sich in seine Schüler hineinzuversetzen. Achja, und er soll außerdem klarmachen, worum es ihm geht (teacher clarity). Die ‚Zeit‘ formuliert das schlicht und schön so: Die Schüler sollten verstehen, was der Lehrer von ihnen will. Und er soll einerseits Feedback geben, andererseits aber auch den Schülern die Möglichkeit zu Feedback geben - zum Unterricht, aber auch zum eigenen Wissensstand.

Entgegen der Überzeugung vieler deutscher Eltern ist Hattie allerdings der Meinung, dass kleine Klassen und eine gute Ausstattung der Schule nicht unbedingt zu den wichtigsten Dingen zählen, um eine Schullaufbahn erfolgreich zu machen. Und noch eine überraschende – und für den ein oder anderen Schüler sicherlich schöne – These: Viele Hausaufgaben bringen nur bedingt etwas.

Lehrer müssen Erziehungsfehler ausbügeln

Hatties Erkenntnisse decken sich irgendwie mit unseren eigenen Erfahrungen. Wer erinnert sich nicht an verhasste Fächer, weil man mit dem Lehrer einfach nicht konnte? An dramatische Noten-Veränderungen zum Guten oder Schlechten nach einem Lehrerwechsel? An Lieblingsfächer, die man vielleicht ja nur deshalb so toll fand, weil die Lehrerin so begeistert war und ihre Begeisterung auch weitergeben konnte. Von solchen Pädagogen kann ein Land gar nicht genug haben! Wäre doch schön, wenn durch die Erkenntnisse des Neuseeländers der Lehrerberuf noch weiter aufgewertet würde und noch mehr Pädagogen sich von ihm mental pushen lassen würden: Wir machen einen wichtigen Job. Und wollen ständig besser werden. Indem wir an uns arbeiten oder noch häufiger Fortbildungen besuchen?

47 Prozent der deutschen Eltern (so eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach) finden, dass der Lehrer oder die Lehrerin ihrer Kinder sich bemühen, den Unterricht so interessant wie möglich zu gestalten. Und 44 Prozent glauben, dass die jeweiligen Pädagogen ihren Beruf lieben. Ob man diese Zahlen nun mit einem gedachten „nur“ davor liest oder mit einem „immerhin fast die Hälfte“ – hängt wohl davon ab, wie man mit der Schulsituation der eigenen Kinder zufrieden ist. Befragt nach Versäumnissen der Lehrer, nannten immerhin 71 Prozent der Eltern, die selbst ein Schulkind haben, als Ursache für schlechte Schulleistungen, dass es den Lehrern nicht gelinge, den Stoff angemessen zu vermitteln. Oder „viele Lehrer mit ihrer Klasse überfordert sind“ (das glauben 69 Prozent). Oder auch weil „viele Lehrer zu wenig engagiert, zu gleichgültig sind“, fand das Institut für Demoskopie Allensbach heraus.

Aber ganz so schlecht, wie sich das jetzt liest, kamen die Lehrer nicht weg: die Befragten waren durchaus auch bereit zur Selbstkritik und sahen die Fehler auch bei den Schülern selbst. Zuviel Fernsehen und Computer nannten 70 Prozent der Eltern als Ursache für miese Noten. Gefolgt von Desinteresse am Unterricht (51 Prozent) sowie der Tatsache, „dass die Schüler in ihrer Freizeit zu wenig für die Schule machen (52 Prozent). Ja, und 63 Prozent waren auch der Meinung, dass die Lehrer viele Erziehungsfehler, die im Elternhaus begangen wurden, ausbügeln müssen. Schön, wenn solche Kindern dann einen Hattie`schen Superpädagogen als Klassenlehrer haben…

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