LEBEN LEBEN

Joanne wurde ohne Arme und Beine geboren - und meistert ihr Leben in einer unfassbaren Weise

Trotz einer totalen Amelie stark und kerngesund

Wenn Joanne lacht könnte man meinen, sie wäre der glücklichste Mensch der Welt. Als könnte sie nichts unterkriegen. Und das, obwohl die 17-Jährige ohne Arme und Beine auf die Welt gekommen ist. Schon als Kind war sie der Sonnenschein der Familie. Und bis heute strahlt Joanne eine unglaubliche Lebensfreude aus.

Joanne hat sich niemals von ihrer Behinderung einschränken lassen und niemals aufgehört, große Ziele zu verfolgen: „Irgendwann werde ich in meinem eigenen Haus leben und nicht ständig von meiner Familie abhängig sein“. Joanne wurde mit totaler Amelie geboren, einem extrem seltenen Gendefekt. Die sieben Betroffenen weltweit haben weder Arme noch Beine. Sie ist das fünfte Kind von Ann und Joe O'Riordan. Schon während der Schwangerschaft ahnt ihre Mutter, dass dieses Mal etwas anders ist. Ihr Bauch wächst kaum. Die Ärzte beruhigen sie immer wieder. Bis zu einer Untersuchung, nur zwei Monate vor der Geburt. „Der Arzt kam und machte einen Ultraschall und dann sagte er nur: Joanne wird ohne Arme und Beine auf die Welt kommen“, erinnert sich Joannes Mutter.

Vor der Geburt sind Joannes Überlebenschancen gering. Ann und Joe machen sich auf das Schlimmste gefasst. Doch als Joanne geboren wird, ist sie stark und kerngesund. Und für die Eltern war es Liebe auf den ersten Blick. Ann und Joe sind fest entschlossen, Joanne ein schönes Leben zu ermöglichen. Unterstützung von den Medizinern bekommen sie dabei kaum. Ein Arzt vergleicht Joanne sogar mit einer kaputten Puppe und rät den beiden, sie wegzugeben. Für Joannes Eltern war dies ein unheimlicher Antrieb, das Gegenteil zu beweisen: Dass ihr Mädchen ein tolles Leben haben wird.

Und Joanne zeigt es tatsächlich allen. Das lebenslustige Mädchen schreckt vor keiner Herausforderung zurück. Sie liebt es zu tanzen und zu malen. Später geht sie auf eine normale Schule. Joanne wird von vielen bewundert – für ihren Lebenswillen und ihre ansteckend gute Laune. In Irland ist sie eine Art Nationalheldin. Sie setzt sich für die Rechte Behinderter ein, wird in Talkshows eingeladen und trifft Politiker. Doch die 17-Jährige will mehr, träumt von einem unabhängigen Leben. Und sie hat auch schon einen Plan, wie das funktionieren könnte. Joanne wünscht sich einen Roboter, eigens für sie entwickelt. „Er soll Dinge aufheben und vielleicht Türen öffnen und Getränke holen, einen Teller oder Essen oder so was. Eigentlich nur ganz simple Sachen. Sobald ich etwas habe, komme ich damit klar. Aber die Dinge müssen erst irgendwie zu mir kommen. Das ist das größte Problem.“

Und ihr Traum könnte schon bald in Erfüllung gehen: Mit Hilfe von Fördergeldern haben Studenten in Dublin begonnen, einen Roboter für Joanne zu entwickeln. Die 17-Jährige hat jedenfalls schon einen Namen für ihren neuen Helfer: Robbie, der Roboter. Inzwischen ist der Prototyp fertig. Und auf Joanne wartet bereits die nächste Herausforderung: Sie hat im Sommer ein Stipendium für die Universität bekommen. Hauptfach: Kriminologie.

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