Joachim Gauck und Daniela Schadt: Muss es jetzt eine Hochzeit geben?

Joachim Gauck und Daniela Schadt
© picture alliance / dpa, Robert Schlesinger

Joachim Gauck und Daniela Schadt: bald Hochzeit?

Theologe Joachim Gauck soll im März Bundespräsident werden. Allerdings hat er eine Freundin, obwohl er noch verheiratet ist. Darf er das? Oder muss er jetzt die Freundin heiraten?

Von Jutta Rogge-Strang

Seit zwölf Jahren lebt der künftige Bundespräsident Joachim Gauck mit Journalistin Daniela Schadt zusammen - ohne Trauschein. Gauck ist nämlich noch verheiratet, lebt jedoch seit 1991 von seiner Frau, mit der er vier erwachsene Kinder hat, getrennt. Das löst in den Reihen der CSU massive Kritik aus. Aber leben wir eigentlich noch im Mittelalter?

Das Amt des Bundespräsidenten ist ja nicht an irgendeinen standesamtlichen Familienstand gebunden. Sogar Außenminister Guido Westerwelle, selbst mit einem Mann verheiratet, nimmt Gauck in Schutz: "Die Kritik an den persönlichen Lebensverhältnissen des nominierten Bundespräsidenten ist stillos", so Westerwelle in der "Rheinischen Post": Deutschland sei ein "modernes Land".

"Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird", hatte CSU-Mann Norbert Geis gefordert. In der Tat bringt die „wilde Ehe“ (ein Begriff aus den frühen 70er Jahren) einige protokollarische Probleme mit sich. Wird nun die Ehefrau oder die Freundin „First Lady“? Wer bekommt die Präsidenten-Witwenversorgung nach seinem Ableben?

Ist die Hochzeit für Gauck ein Muss?

Ist das Amt des Bundespräsidenten an moralische Maßstäbe gebunden? Bei Christian Wulff ging es um Geld, da hörte der Spaß auf. In der Diskussion um die Liebesbeziehungen des Bundespräsidenten geht es nun nicht darum, wer die Hotelbetten bezahlt hat, sondern wer darin liegt. Immerhin hat Gauck seiner Gattin ein Eheversprechen gegeben, das er nicht gehalten hat - seine Ehefrau allerdings ebenso wenig. Nach neun Jahren Trennung hat Gauck eine neue Partnerin gefunden. Aber gelten für Theologen nicht strengere Maßstäbe?

Berufe in der Kirche oder in christlichen Einrichtungen verlangen heutzutage immer noch eine Ehefrau oder einen Ehemann. Allerdings ist das keine Garantie für eine glückliche Ehe und somit einen glücklichen Menschen. Die Lebenswirklichkeit in Deutschland sieht 2012 ganz anders aus: Schätzungsweise 2,6 Millionen Menschen, meist Frauen, erziehen ihre Kinder alleine. Laut Statistik wächst in Deutschland bereits jedes vierte Kind zeitweise in sogenannten alternativen Lebensformen auf, also bei Noch-Alleinerziehenden oder Schon-Patchworkern.

Da ist die Lebensform von Joachim Gauck nichts Besonderes. Allerdings kann man verlangen, dass für den Bundespräsidenten besondere moralische Maßstäbe gelten. Laut Statistik sind Tänzer/Choreograph, Barkeeper, Masseur, Croupier, Casino-Mitarbeiter oder Kellner Berufe mit hoher Scheidungsquote. Der Beruf Bundespräsident taucht in dieser Liste allerdings nicht auf.

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