FAMILIE FAMILIE

Jess Jochimsen: Richtige Männer haben fiese Füße

Jess Jochimsen: Richtige Männer haben fiese Füße
Jess Jochimsen findet, dass richtige Männer fiese Füße haben dürfen. © Achim Hehn

Männerfüße können ruhig hässlich sein

Wenden wir uns heute doch mal einem echten Tabuthema zu, einem, über das man nur mit vorgehaltener Hand spricht, wenn überhaupt, einem schmutzigen Thema, einem "unten rum"-Thema. Die Rede ist von Männerfüßen. Jawoll, MÄNNERFÜSSE! Kein schönes Sujet, ich weiß, aber die meisten Jungs haben nun mal zwei davon, da hilft kein Wehklagen, Weggucken oder Nase zuhalten. Sie sind in der Welt, sie tragen uns durch diese, und wollen von daher gehegt, gepflegt und vor allem umhüllt sein.

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen, ich rede nicht von Männer-Beinen, denen man gelegentlich eine gewisse Ästhetik zugestehen kann - wenn es sich nicht gerade um die von Piratenkapitänen, Lohnbuchhaltern oder Pierre Littbarski handelt. Nein, ich rede von "Füßen", jenen beiden, sich ganz unten am Manne befindlichen, platten, hornbehäutenden und streng riechenden Stellflächen, die oft bis zu einem halben Meter lang werden, damit das zu tragende Gebilde nicht vorne überkippt. (Und auch von den Zehennägeln, oder sagen wir, wie es ist, "Krallen", und deren notwendigen Stützung, will ich nicht schweigen.)

Die Zeit, in der mein Sohn Tom süße, winzige Füßchen hatte, deren liebliche Nägelchen er bisweilen mit seiner Mutter Nagellack bezaubernd färbte, ist lang vorbei. Tom ist jetzt ein Junge und auch wenn er auf den ersten Blick ein noch kleiner Fratz ist, glauben Sie mir, ganz unten rum ist er bereits ein Mann. "Die hat er nicht von mir", sagt meine Frau mit Bestimmtheit, wenn das Tabuthema anklingt oder, wenn es sich verschärft: "Ausgerechnet deine hässlichen, blöden Schweißfüße musste er erben!" In Bezug auf Toms Intellekt, Aussehen, Sportlichkeit und Sprachmacht ist meine Frau mit meinem Erbgut durchaus zufrieden - bezüglich seiner Pedanterie, seines Jähzorns und seiner Mathematikschwäche schieben wir uns den schwarzen Peter gegenseitig zu.

Nase zu und durch!

Aber was die Füße angeht, gibt es nichts zu leugnen. Tom hat meine. Aber ist das ein ausreichender Grund, mir dieses leidige Thema alleine zu überlassen? Für meine Frau ja: "Er hat deine Füße, also kümmerst du dich auch darum. Basta!" Oh, wie ich Zehennägelschneiden hasse! Schon bei mir mache ich das ungern, aber bei Tom ist es ein Ding der Unmöglichkeit. Zehennägelschneiden bei Söhnen ist grauenhaft, Folter, ein Fall für die Genfer Konventionen. Regelmäßig müssen Tom und ich uns nach durchstandener Pein mit viel Süßigkeiten und Dauerfernsehen dafür belohnen (zur großen Freude meiner Frau). Selbstredend fallen auch das Waschen der Füße, sowie der Schuhkauf in meinen Zuständigkeitsbereich.

Wobei Tom und ich diesbezüglich beide unschuldig sind. Es passiert einfach, wir können wirklich nichts dafür, dass wir regelmäßig das Bad unter Wasser setzen und auschließlich mit hippen Turnschuhen und schicken 100%-Polyester Winterstiefeln aus dem Laden kommen. (zur noch größeren Freude meiner Frau). Nebenbei: Herbst und Winter sind keine guten Jahreszeiten für Männerfüße. Des Geruchs wegen. Sommer ist allerdings auch nicht besser, weil man die Füße da öfter sieht - ein Teufelskreis. Zumindest aber, wenn’s ganz heiß ist, habe ich mir angewöhnt, in Flip Flops zu gehen. Ja, Männer können mit dem Makel der Hässlichkeit leben – gerade auch, weil Tom nur zum gelegentlichen Tragen von Sandalen zu bewegen ist.

Im letzten Sommerurlaub ist mir allerdings beim hektischen Umsteigen auf dem Frankfurter Hauptbahnhof, der eine Schlappen aufs Gleis gefallen und war für immer verloren. „Kann man nichts machen“, sagte ich. Da war zwar das Gespött der Leute, aber ich durfte in Turnschuhen weiterreisen. Was machte mein Sohn? Öffnete bei der nächsten Haltestelle die Zugtür, pfefferte eine Sandale aufs Gleis und grinste frech: „Kann man nichts machen.“ „Also von mir hat er das nicht“, war das einzige, was meine Frau zu sagen im Stande war. Irgendwann wird Tom auf eigenen Füßen stehen, bis dahin werden wir mit dem Tabu leben müssen. Nase zu und durch!

Anzeige