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Jennifer Oeser über gesunde Ernährung, Sport & Co.

Jennifer Oeser über gesunde Ernährung, Sport & Co.

Siebenkämpferin Jennifer Oeser im Interview

Jennifer Oeser lebt für den Leistungssport. Als Siebenkämpferin trainiert sie sechs Tage die Woche. Zurzeit steckt die WM-Dritte von 2011 mitten in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2012 in London. Im Interview mit frauenzimmer.de verrät die 28-Jährige, was eine gesunde Ernährung ausmacht und warum die Polizeihauptmeisterin der Bundespolizei von einer Nulldiät gar nichts hält.

Frauenzimmer.de: Wie sieht ein typischer Trainingstag bei Ihnen aus?

Jennifer Oeser: Grundsätzlich stehe ich um halb acht auf, frühstücke und fahre dann kurz nach neun Uhr zum Training. Dann trainiere ich so von halb zehn bis 12 Uhr. Bevor ich wieder nach Hause fahre und eine Kleinigkeit zu Mittag esse. Das nächste Training steht dann um 16 Uhr auf dem Plan und geht so zwei- bis zweieinhalb Stunden. Abends geht’s dann noch für eine halbe Stunde zur Physiotherapie.

FZ: Welche Rolle spielt für Sie eine gesunde Ernährung und Regeneration?

Jennifer Oeser: Natürlich versuche ich auf meine Ernährung zu achten, aber das ist auch saisonbedingt. Als Sommersportler muss man im Winter nicht so genau auf alles achten und darf an den Festtagen auch mal reinhauen. Die ein bis zwei Kilo hat man dann bis zum Sommer schnell wieder runter. Dafür muss man im Sommer dann disziplinierter sein. In meinem Fall heißt das, fettarme Ernährung und Süßigkeiten auch mal weglassen. Was mir immer schwer fällt, ist Fleisch und auch Fisch zu essen. Ich könnte jeden Tag Nudeln essen, aber der Körper braucht ja Kraft und Eiweiß.

FZ: Was kommt bei Ihnen Zuhause auf den Tisch?

Jennifer Oeser: Oft gibt es eine Schüssel Müsli mit Joghurt, eine Banane reingeschnippelt und einen halben Apfel. Es gibt aber auch Phasen, wo ich mehr Lust auf ein Brötchen oder Brot habe. Dann gönne ich mir auch mal ein Vollkornbrötchen mit Nutella. Vorm Wettkampf lasse ich Nutella aber weg. Dann gibt es eher mal fettreduzierte Wurst mit Käse. Mittags bin ich vor der zweiten Trainingseinheit eher für die leichte Küche und esse zwei Scheiben Brot mit Magerquark, Wurst und Käse – zum Nachtisch gibt’s einen Joghurt. Abends koche ich dann und achte darauf, dass ich Eiweiß zu mir nehme. Ich will aber nicht alle Frauen schockieren, auch ich esse Süßigkeiten und es gibt auch mal ein Stück Schokolade.

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Jennifer Oeser verzichtet abends auf Kohlenhydrate

FZ: Stichwort: Bewusste Ernährung. Auf was sollte man im Kampf mit den Pfunden im Frühjahr verzichten?

Jennifer Oeser: Ich fahr ganz gut damit abends auf Kohlenhydrate zu verzichten. Man sollte nicht sieben Tage die Woche, darauf verzichten, sondern erst mal mit zwei bis drei Tagen anfangen. Alternativen wären dann: Gemüse/Salat mit Pute, Tomaten und Mozzarella und Fisch; Am Wochenende kann man dann mal schön Essen gehen und in der Woche wird wieder auf die Ernährung geachtet. Von einer Nulldiät halte ich nichts. Statt komplett auf Süßigkeiten zu verzichten, sollte man besser nachmittags etwas Süßes essen und abends dafür nicht.

FZ: Ist Fastfood im Leistungssport grundsätzlich ein 'No-Go'?

Jennifer Oeser: Vor dem Wettkampf mit Sicherheit, aber es gibt unheimlich viele Sportler, die nach dem Wettkampf Fastfood brauchen. Bei mir ist das auch so. Nach dem Wettkampf geht der direkte Weg zur Fastfood-Kette. Damit belohnt man sich nach dem Wettkampf.

FZ: Halten Sie die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln bei Nicht-Leistungssportler(innen) für sinnvoll?

Jennifer Oeser: Das macht schon Sinn, denn jeder Körper braucht ja gewisse Nährstoffe und jeder ist ja im Berufsleben gefordert – manche mehr körperlich und mache mehr geistig. Wer die Zeit hat, sollte sich auch mal durchchecken lassen, um zu wissen, was einem fehlt. In den meisten Fällen fehlt es bei Frauen an Magnesium und Eisen. Und warum sollte man da nicht nachhelfen?!

Jennifer Oeser ruft erst im Wettkampf ihr Maximum ab

Jennifer Oeser über gesunde Ernährung, Sport & Co.

FZ: Im Gegensatz zu Fußballern trainieren Sie monatelang auf bestimmte Höhenpunkte hin….

Jennifer Oeser: Für Fußballer kommt nach einem verlorenen Spiel immer gleich das nächste. Bei uns ist es dann meist schon zu spät. Haben wir die Qualifikation nicht geschafft, können wir die Reise nach London gar nicht antreten. Deshalb ist es wichtig auf den Punkt vorbereitet zu sein und das ist natürlich auch schwer. Bisher haben mein Trainer und ich das immer gut hinbekommen.

FZ: Dementsprechend groß muss der Druck sein. Arbeiten Sie deshalb mit einem Mentaltrainer?

Jennifer Oeser: Ich arbeite nicht mit einem Mentaltrainer. Es gibt aber sehr viele, die das tun. Da muss jeder selbst seinen Weg finden und jeder ist ein anderer Wettkampftyp. Ich kann mich zum Beispiel zum Wettkampf hin nochmal massiv steigern. Ich bin nicht der Typ, der im Training sein absolutes Maximum erreicht, sondern im Wettkampf.

FZ: Wie fühlen Sie sich als Leistungssportlerin in Deutschland gefördert?

Jennifer Oeser: Ich denke, dass wir da in Deutschland schon gut aufgestellt sind. Es ist mir nicht bekannt, dass es so etwas wie die Deutsche Sporthilfe im Ausland gibt. Im Jugendbereich ist es sehr wichtig, dass die Weichen gestellt werden. Aus der Schule raus ins Berufsleben, das ist die wichtigste Zeit. Dort werden die Sportler in die richtige Richtung gelenkt und auch unterstützt.

"Ich habe Sponsoren, ohne dass ich kurze Röcke trage"

FZ: Haben es Frauen im Kampf um Förder- und Sponsoren-Gelder schwerer als Männer?

Jennifer Oeser: Das kann ich überhaupt nicht feststellen. Ich bin bei der Bundespolizei angestellt und da werden genauso viele Frauen wie Männer eingestellt. Das gilt auch für die Sporthilfe.

FZ: Stichwort: Minirock-Länge. Im Ranking der bestbezahlten Sportlerinnen stehen Tennisspielerinnen unangefochten an der Spitze. Steht da der Sport überhaupt noch im Vordergrund?

Jennifer Oeser: Natürlich gibt’s da auch Momente, die einen ärgern. Wenn Werbeträger zu sehen sind, die weniger gute Leistungen erbringen, als welche die Siege einfahren und nicht so gute Werbeverträge haben. Sicher ärgert man sich über die extremen Unterschiede in den Sportarten. Wenn man zum Beispiel Tennis gegen Leichtathletik stellt, was nun mal immer noch eine Kernsportart ist. Ich kann mich nicht beschweren. Ich habe auch private Unterstützer und Sponsoren – ohne dass ich kurze Miniröcke trage.

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