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Jeff Kinney im exklusiven Interview

Jeff Kinney im exklusiven Interview

"Viele Geschichten aus 'Gregs Tagebuch' habe ich selbst erlebt."

Der Amerikaner Jeff Kinney ist mit Gregs Tagebuch weltbekannt geworden und seine witzig-freche Hauptfigur Greg Heffley bringt nahezu alle Jungs zwischen 8 und 12 Jahren zum Lesen – und die Väter gleich dazu.

Im Interview verrät der Bestsellerautor, der nach eigener Aussage wie Butt-Head aus Beavis & Butt-Head aussieht (FOCUS 2/12), warum Greg so lustig ist und was er macht, wenn er gerade nicht schreibt oder Comics zeichnet.

Ihre Bücher sind in Deutschland wahnsinnig beliebt und seit Monaten auf den Bestsellerlisten. Freuen Sie sich über die vielen Fans in Deutschland?

Ich freu mich riesig über so viel Fans in Deutschland. In Deutschland wurden Gregs Tagebücher sehr schnell begeistert aufgenommen. Und das werde ich niemals vergessen. Ich bin schon sehr aufgeregt, dieses Jahr nach Deutschland zu kommen und einige meiner Fans zu treffen!

„Gregs Tagebücher“ werden weltweit veröffentlicht. Hätten Sie diesen Erfolg auch nur annähernd erwartet?

Ich habe niemals damit gerechnet, dass meine Bücher überhaupt veröffentlicht werden! Ich habe auch sicherlich nicht damit gerechnet, dass die Bücher so unglaublich erfolgreich werden würden. Ich dachte eigentlich, dass sie zu merkwürdig sind.

Wie sind Sie auf die Ideen für Gregs Tagebuch gekommen?

Ich wollte eine Geschichte über die witzigen Seiten der Kindheit schreiben und nicht über die ernsten. Ich hatte eine eher normale Kindheit, aber mit vielen lustigen Situationen. Und so entschied ich mich dazu, ein Buch darüber zu schreiben, wie es wirklich ist, ein Kind zu sein bzw. wie es für mich war. Mein Ziel dabei war es, die Leute zum Lachen zu bringen.

Sind das alles wahre Geschichten aus Ihrer Kindheit?

Viele Geschichten aus Gregs Tagebuch habe ich selbst erlebt. Ich habe fast vier Jahre damit verbracht, mir all die lustigen Erlebnisse und Begegnungen meiner jungen Jahre wieder in Erinnerung zu rufen. Die Geschichten im Buch entsprechen zwar nicht ganz genau der Wirklichkeit, aber trotzdem sind sie in gewissem Sinne wahr – nur dass ich sie in meinen Büchern etwas überzeichne.

Ist Greg Heffley ein gutes Vorbild?

Nein, nicht wirklich. Greg ist egoistisch und nicht mal nett zu seinem besten Freund. Ich denke zwar nicht, dass Greg böse ist, aber er hat wie wir alle seine Fehler. Ich hoffe, die Leser verstehen, dass ihn gerade das so witzig macht. Charaktere, die immer das Richtige tun, finde ich eher langweilig. Ich wollte einen Charakter entwerfen, der realistischer ist.

Greg scheint ständig in Schwierigkeiten zu geraten und ist nie nett zu irgendjemandem. Mögen Sie ihn eigentlich als Person?

Das ist eine großartige Frage! Als ich das Buch geschrieben habe, hatte ich so meine Probleme mit der Tatsache, dass Greg keine liebenswerte Person ist. In den meisten Büchern ist der Protagonist ja ein Sympathieträger, aber Greg hat nicht gerade viele versöhnliche Eigenschaften. Ich hoffe, dass den Lesern die Geschichte trotzdem gefällt. Aber er ist durchaus lernfähig: Seid also nicht überrascht, wenn sich Greg vielleicht doch noch verändert ...

Wie lange haben Sie an ihrem ersten Buch geschrieben?

Es waren insgesamt neun Jahre. Ich habe vier Jahre dafür gebraucht, um die Idee zu entwickeln, und vier weitere Jahre fürs Schreiben und Zeichnen der Story. Dann hat es bis zum Druck noch ungefähr ein Jahr gedauert.

"Ich habe auch noch einen 'echten' Beruf"

Kommen wir nochmal auf Ihren außergewöhnlichen Erfolg zurück. Können Sie noch in Ruhe einkaufen?

Irgendwie hat sich mein Leben überhaupt nicht verändert. Beim Einkaufen oder auf der Straße werde ich nicht erkannt, auch nicht in meinem Wohnort. Mein Leben ist eigentlich nur dann etwas außergewöhnlicher, wenn ich mit meinen Büchern auf Tour bin.

Gibt es eine Kinney-Formel für garantierte Bestseller?

Nein, aber ich arbeite sehr hart daran, gute Witze zu schreiben und versuche meine Bücher so gut wie möglich zu gestalten, wie es eben in der mir vorgegebenen Zeit erlaubt ist.

Waren Sie schon mal in Deutschland?

Ja, mit ungefähr 14 Jahren war ich mal in Deutschland. Ich war auf einer kurzen Tour durch Europa unterwegs und für einen Tag, habe ich eine kleine Stadt besucht. Es war sehr aufregend, aber zu der Zeit, war das Reisen in ein nicht-englisch-sprechendes Land für mich sehr erschreckend. Jetzt freue ich mich das zu wiederholen, nun da ich ein wenig klügere und tapfere bin.

Was machen Sie lieber: schreiben oder Comics zeichnen?

Ich habe mit beidem so meine Schwierigkeiten. Leider bin ich ein sehr langsamer Zeichner und in Gregs Tagebuch gibt es ja unglaublich viele Illustrationen. Manchmal kommt der Spaß an der Arbeit da etwas zu kurz, wenn ich bedenke, wie lange ich für all die Illustrationen brauche … Wenn Wort und Bild zusammengefügt werden, ist das allerdings ein ganz besonderer Moment für mich. Es ist toll zu sehen, wie die Ideen aus deinem Kopf auf der Seite Gestalt annehmen.

Was ist das Beste daran, ein Schriftsteller zu sein?

Das Beste daran ist der Moment, in dem man das gedruckte Buch in seinen Händen hält. Als ich noch aufs College ging, habe ich einmal ein Buch mit meinen Comics veröffentlicht. Ich werde nie das Gefühl vergessen, wie es war, das Buch zum ersten Mal durchzublättern.

Und was ist das Schwierigste daran?

Das Schwierigste daran ist, kritisch gegenüber dem eigenen Text zu sein. Es ist sehr leicht, einfach alles aufzuschreiben, was einem so durch den Kopf geht, und voilà!, da ist das Buch. Aber das wäre dann möglicherweise kein gutes. Ich musste mich bei Gregs Tagebuch geradezu zur Besonnenheit zwingen. Ich habe viel zu schnell geschrieben und vieles von dem Material war nicht besonders lustig, wie ich dann feststellte. Bevor ich also mit dem richtigen Buch angefangen habe, habe ich zunächst 77 Ideenblätter geschrieben, und nur die besten Ideen davon wollte ich verwenden. 80 Prozent der ursprünglichen Ideen sind dabei im Papierkorb gelandet.

Was machen Sie gerne, wenn Sie nicht gerade schreiben oder zeichnen?

Ich habe ja auch noch einen „echten“ Beruf als Onlinespieleentwickler und -designer, den ich sehr mag. Außerdem unternehme ich gern etwas mit meinen Söhnen Will und Grant und natürlich mit meiner Frau Julie. Zwei Mal in der Woche gehe ich zum Volleyball, und ich bin immer für die neuesten Reality-Shows im Fernsehen zu haben.

Sind Sie eigentlich ein Star Wars-Fan?

Ja, klar! Star Wars hat mich als Kind sehr beeindruckt. Und ich kann die Begeisterung dafür gut verstehen!

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