Jedes dritte Kind ist ein Opfer

Jedes dritte Kind ist ein Opfer
© dpa, Alina Novopashina

Erst sind es nur Hänseleien ...

Jedes dritte Kind an Deutschlands Schulen wird einer neuen Umfrage zufolge gehänselt. Häufigste Aufhänger für Beleidigungen und Spott seien Äußerlichkeiten wie Übergewicht, Kleidung und Frisur, fanden die Forscher heraus. Bei der Umfrage wurde auch deutlich, dass für Jungen vor allem Hohn und Spott ein Problem sei, Mädchen dagegen ausgrenzendes Verhalten als schwierig ansehen. Aus Hänseleien wird leider oft ganz schnell Mobbing und das kann dann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.

Meist treten bei den kleinen Mobbingopfern zunächst Konzentrations-und Gedächtnisstörungen auf. Die schulischen Leistungen gehen immer weiter in den Keller. Schnell beginnen die betroffenen Kinder an Versagensängsten zu leiden und immer schlechtere Zensuren nach Hause zu bringen.

Eltern sollten hellhörig werden, wenn das Kind keine Gleichaltrigen mit nach Hause bringt und ängstlich oder nur widerwillig zur Schule geht. Kinder, die gemobbt werden, leiden zudem häufiger unter Kopf- und Magenschmerzen sowie unter Schlafstörungen. Auch werden öfter Krankheiten vorgeschoben, um nicht in die Schule gehen zu müssen.

Genauer hinschauen sollten Eltern auch, wenn das Kind einen 'unlogischen', also zum Beispiel längeren Schulweg wählt, da es sich vielleicht von anderen Schülern bedroht fühlt.

Wie kann man sich wehren?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich gegen Mobbing zu wehren. Zunächst kann das Opfer versuchen, sich Rückhalt und Unterstützung bei Mitschülern zu suchen. Das ist aber gerade in der eigenen Klasse oft sehr schwierig.

Vielen Menschen hilft es, ein Mobbing-Tagebuch zu führen. Hier werden Situationen und Zeitpunkte notiert, in denen gemobbt wurde. Ein Mobbing-Tagebuch ist aber insbesondere dann wichtig, wenn es darum geht, Beweise für das Mobbing vorlegen zu müssen. Hier ist es natürlich auch wichtig, die Aussagen von Zeugen aufzuschreiben.

Oft ist es sinnvoll, mobbende Mitschüler und eventuell beteiligte Lehrer schriftlich aufzufordern, ihr Verhalten zu ändern. Wenn der Terror trotzdem weiter geht, sollte sich das Opfer an die Schulleitung oder den Vertrauenslehrer wenden. Auch ein Gespräch mit den Eltern der mobbenden Schüler kann hilfreich sein.

Viele Lehrkräfte sind verunsichert und können manchmal harmlose Streitereien nicht von gezieltem Tyrannisieren unterscheiden. "Lehrer sehen häufig Szenen, die sie nur schwer einordnen können", erklärt Birgit Muhl vom Zentrum für schulbezogene Beratung. Weiterbildungen für Lehrer, Streitschlichter-Programme für Schüler, Rollenspiele oder Berichte

früherer Mobbing-Opfer vor Klassen - dies alles könne dabei helfen, solche Gewalt zu verhindern.

Wenn die Täter Lehrer sind, kann man sich neben der Schulleitung auch an die jeweiligen Schulaufsichtsbehörden oder zunächst an die Vertrauenslehrer der Schule wenden. Oft reicht es bereits, sich kurz mit den zuständigen Mitarbeitern zu unterhalten, damit diese mal in der Schule nachfragen, in schweren Fällen muss man aber eine offizielle Aufsichtsbeschwerde einlegen.

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